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Das Risiko vom ewigen Negativzins

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Thomas Jordan: Der SNB-Chef hält an den Negativzinsen fest. Keystone

Ob die SNB mit ihren Zinsen dereinst wieder über den Nullpunkt hinauskommt, ist also noch lange nicht klar. Möglich, dass sich Schweizer Sparer mit einem ewigen Negativzins abfinden müssen.

Simon Schmid
Kommentar  
Von Simon Schmid
2017-09-07
Als die Nationalbank vor fast drei Jahren ihren Leitzins unter null senkte, konnten sich Kapitalbesitzer trösten. Am Geldmarkt herrschte zwar fortan ein Negativzins von - 0,75 Prozent und eidgenössische Anleihen warfen negative Renditen ab. Doch die Inflationsraten lagen noch tiefer. Wegen des Frankenschocks fiel die Teuerung der Konsumentenpreise auf ein Rekordminus von - 1,4 Prozent. Real gesehen, gewann Spargeld also trotz Negativzinsen an Wert.
 
Heute ist dies anders. Die Inflationsraten sind über null. Zuletzt lag die Teuerung bei rund 0,5 Prozent. Doch die Leitzinsen sind unverändert negativ: Thomas Jordan und seine Kollegen im Direktorium der SNB halten sie weiter bei - 0,75 Prozent. Und auch Schweizer Staatsanleihen rentieren nach wie vor negativ. Geld, das in diesen Anlagen steckt, verliert unter dem Strich an Wert. Anders als gleich nach dem Frankenschock sind die Realzinsen heute tatsächlich negativ.
 

Noch ist der grosse Aufschwung ausgeblieben

Wie lange bleibt das so? Eine Möglichkeit ist, dass die Minuszinsen bald Geschichte sind: Mit der jüngsten Aufwertung des Euro und der verbesserten Konjunktur im Euro-Raum könnte die Zeit für die Nationalbank da sein, die Zinsen wieder anzuheben. Dies wäre ganz im Sinne der Geldsparer, die in diesem Fall gleich doppelt belohnt würden: mit höheren Zinsen und einer niedrigeren Inflation. Ob es wirklich so kommt, ist jedoch fraglich.
 
Seit der Finanzkrise gab es in der globalen Geldpolitik eine Konstante: Notenbanker fanden es stets schwieriger als erwartet, einen restriktiveren Kurs zu fahren. Das gilt für die Federal Reserve, die mit den US-Leitzinsen bereits etwas vom Nullpunkt weggekommen ist, und auch für die Europäische Zentralbank, die zurzeit ein Quantitative-Easing-Programm fährt. Dieses Programm zu beenden, fällt der EZB sehr schwer.
 
Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sich auch der Ausstieg der SNB aus den Minuszinsen in die Länge ziehen wird. Die jüngsten Wirtschaftszahlen geben jedenfalls keinen Anlass zur Hast. Wie das Seco diese Woche mitteilte, wuchs das Schweizer BIP in den ersten zwei Jahresquartalen bloss um 0,1 beziehungsweise um 0,3 Prozent. Ende letzten Jahres schrumpfte die Wirtschaft gemäss den überarbeiteten Schätzungen sogar. Der grosse Aufschwung nach dem Frankenschock ist bislang ausgeblieben.
 

Negativzins – ein Instrument für die Ewigkeit?

Die Finanzwelt hat sich seit der Krise verändert. Zuvor waren Leitzinsen von bis zu 5 Prozent normal. Heute gehen Ökonomen davon aus, dass die Fed ihren Zins bloss auf 2 bis 3 Prozent erhöhen wird, bevor die nächste Rezession wieder eine Senkung verlangt. In Europa und speziell in der Schweiz dürfte der Scheitelwert im Zinszyklus sogar noch tiefer liegen. Ob die SNB mit ihren Zinsen dereinst wieder über den Nullpunkt hinauskommt, ist also noch lange nicht klar. Möglich, dass sich Schweizer Sparer mit einem ewigen Negativzins abfinden müssen.
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