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An der Börse gewinnt das Lustprinzip

Peter Tuchmann: Der meistfotografierte Händler lebt die Emotionen an der Wall Street.Keystone

Spass muss sein! Warum persönliche Gelüste ein guter Ratgeber beim Investieren an der Börse sind.

Kommentar  
Von Reiner Eichenberger
am 02.12.2016

Bald ist 2017. Grosse Veränderungen kommen näher: Trump, Zinswende, Brexit. In der Schweiz vielleicht auch endlich eine vernünftigere Migrationspolitik mit Zuwanderungsabgaben statt Bürokratieunsinn. Angesichts all der Risiken und Chancen fragt sich, was die beste Anlagestrategie für dieses aufregende Umfeld ist. Meine Antwort bleibt dieselbe – lustvolles  Investieren.

Gemäss der Theorie effizienter Märkte ist der Markt nicht zu schlagen, denn auf ­Finanzmärkten versuchen unzählige ­Akteure, zukünftige Kurse vorauszusagen und durch geschicktes Kaufen und Verkaufen Gewinne zu erzielen. Die heu­tigen Kurse spiegeln all diese Aktivitäten und damit alle heute verfügbaren Informationen und Erwartungen. Die Kurse bewegen sich nur, wenn neue Informa­tionen verfügbar werden oder die An­leger sie neu interpretieren. Neu heisst ­dabei immer auch nicht prognostizierbar. Folglich ist auch die Kursentwicklung nicht prognostizierbar und muss zufällig sein. Dummerweise gilt das auch in realen, nicht völlig effizienten Märkten. Denn auch die für sie typischen Phänomene wie Mode, Panik oder Herdenverhalten sind kaum vorhersagbar.

Machen Sie, was Spass macht

Was also tun? Die Theorie konsequent zu Ende denken! Man kann den Markt nicht schlagen, aber man kann auch nicht schlechter als der Markt sein, ­abgesehen von den Transaktionskosten. Wenn man schlechter sein könnte, müsste man ja nur das Gegenteil davon machen – und schon hätte man den Markt geschlagen. Meine These des ­lustvollen Investierens sagt deshalb: ­Machen Sie an der Börse, was Ihnen Spass macht, es kostet nichts.

Aktien von gut geführten, hoch profi­tablen Firmen oder aus Erfolgsländern bieten keine besseren risikobereinigten Renditen als Aktien von schlecht geführten Firmen oder jenen aus Krisenländern. Denn all die positiven und ­negativen Erwartungen stecken schon in den heutigen Aktienpreisen. Deshalb muss man nicht überlegen, welches ­besonders gute oder schlechte Firmen, Branchen oder Länder sind, sondern, wo man gerne investiert. Dabei gelten vier Regeln:

  • Einmal gekaufte Papiere möglichst lange halten, um Transaktionskosten zu minimieren. Also gut überlegen, woran Sie auch langfristig Spass haben.
  • Möglichst persönliche Gelüste aus­leben. Wenn viele Anleger die gleichen Papiere kaufen, treibt das ihre Kurse nach oben und die Renditen nach ­unten.
  • Risiken diversifizieren. Bei zu lustvollem Anlegen drohen Klumpenrisiken.
  • Nur in liquide, börsengehandelte ­Papiere investieren. Abseits der Börse drohen Gebührenfallen und Scharlatane.

Glauben Sie trotzdem noch, Sie könnten den Markt schlagen, vielleicht sogar dank so etwas wie Chartanalyse? Macht nichts. Ob Chartanalyse, Voodoo oder Swiss Banking: Solange Sie sich an die obigen Regeln halten, sind die erwar­teten Renditen gleich. Also: Hauptsache, Sie haben Spass dabei.

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