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Freie Sicht
Die bessere Olympiade

Falsch verwendetes Geld: Gian Gilli, Missionschef Swiss Olympic.Keystone

Warum unbedingt Olypmische Spiele in der Schweiz organisieren, wenn es bessere Alternativen gibt?

Kommentar  
Von Reiner Eichenberger
am 16.02.2017

Am Sonntag entscheiden die Bündner über ihre Kandidatur für Olympia 2026 und einen Verpflichtungskredit von 25 Millionen Franken. Einfacher macht es das Wallis. Es kandidiert für «Sion 2026», ohne das Volk zu fragen. An beiden Orten über­treiben die Promotoren den Nutzen und ignorieren die Kosten. Es sollen ja die besten und die billigsten Spiele zugleich werden – auf der Preisinsel Schweiz!

Trotzdem hat das neue Bündner Projekt grössere Chancen als das vor vier Jahren beim Volk abgelehnte. Kein Wunder. ­Damals ging es um eine Reserve von 300 Millionen Franken. Was brächte Olympia 2026? Eine vernünftige Prognose ist wohl wenigstens 300 Millionen Franken Kosten für die engere Region und für die Schweiz Kosten von weiteren 1,5 bis 4,5 Milliarden Franken, je nachdem, wie die finanziellen Risiken und die Kosten für Sicherheitsleistungen von Armee und Polizei sowie Investitionen in Sport- und Verkehrsinfrastruktur bewertet werden. Schätzen wir die tatsächlichen Kosten also einmal grob auf 3 Milliarden.

Natürlich behaupten die Promotoren, Olympische Spiele lohnten sich wirtschaftlich: Sie brächten mehrere Mil­liarden Franken an Umsatz für Hotels, Restaurants, Boutiquen, Baufirmen etc. ­sowie eine Zunahme der Beschäftigung. Bringt Olympia 2026 also Geld? Nein. Erstens stehen den Umsätzen hohe ­Kosten für Vorleistungen und Personal gegenüber. Die Nettoerträge betragen je nach Branche nur 2 bis höchstens 10 Prozent der Umsätze – ein Bruchteil der Kosten für Olympia 2026. Zweitens heisst zusätzliche Beschäftigung nur zusätzliche Zuwanderung, denn in Graubünden und im Wallis herrscht schon heute praktisch Vollbeschäftigung.

Olympia 2026 hat nur einen wahren Vorteil: Es wäre ein tolles Fest. Doch für so viel Geld gibt es viel tollere Feste: Von 2020 bis 2038 finden je fünf Winter- und Sommerolympiaden statt. Ein ­Besuch würde einen Schweizer wohl etwa 3000 Franken kosten – Reise, Hotel und Eintrittstickets inklusive. Mit den 3 Bundesmilliarden und je 300 Bündner- und Wallisermillionen könnten wir also an alle zehn Olympischen ­Spiele von 2020 bis 2038 je 100 000 Schweizer, 10 000 Bündner und 10 000 Walliser als offi­zielle Olympiatouristen entsenden.

Damit würden diese Spiele zu Schweizer, Bündner und Walliser Festspielen. Die Stadien wären voller rot-weisser Eidgenossen, Bündner mit Steinbock- und Walliser mit Fondue-Caquelon-Mützen. Die Bilder gingen um die Welt. Ihre Werbewirkung und ihr Erlebniswert wären unvergleichlich viel grösser als der Wert von Olympia 2026 in der Schweiz – ganz ohne Nachteile wie Umweltbelastung, Verkehrschaos oder hohe Investitionen in Sportinfrastruktur, die nach den Spielen vergammelt.

Und über Olympia 2020–38 können wir ausserdem alleine entscheiden – ohne IOK und auch ganz sauber.

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