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Freie Sicht
Lasst Bern den Bernern

Brüder Andy (links) und Hansueli Rihs, Investoren der Sport und Event Holding AG. Keystone

Ein guter Ratschlag – von einem Hausbesitzer an einen Clubbesitzer in Bern.

Kommentar  
Von Urs Paul Engeler
am 26.09.2016

Als ich vor Jahren dem regierungsnahen Blatt "Der Bund" erklärte, der Kauf eines Hauses in dieser Steuerhölle sei mein grösster Fehler gewesen, hielten dies die Bundesstädter für die bodenlose Frechheit eines Fremdlings, die andern für einen halbwegs gelungenen Scherz. Dabei war es ernst - gedacht als Warnung an alle, die sich mit dem Gedanken befassen, in Bern paar Franken zu investieren.

Die Grosswetterlage ist bekannt. Der Kanton ist nicht lebensfähig; einen Drittel seiner Ausgaben bestreitet über Subventionskanäle die Eidgenossenschaft. Die Stadt pflegt das Chaos um die Reitschule, den Aufbau von Schnickschnack wie dem Bahnhof-Baldachin und lässt sich trotz höchsten Steuern vom Bund jährlich gegen 10 Millionen Franken überweisen, etwa für das Kulturangebot und die Pflege von Parkanlagen. Als die CS ihren Berner Sitz nach Gümligen verlegte, kommentierte der linkspopulistische Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) die Flucht mit: «Denen weine ich keine Träne nach.»

Die behördlich geförderte Misswirtschaft hätte den Brüdern Andy und Hans-Ueli Rihs bekannt sein müssen, als sie beim einst erfolgreichen Fussballverein BSC Youngs Boys respektive beim «Stade de Suisse»-Komplex einstiegen und 2012 den schlingernden Laden übernahmen. Irgendjemand muss dem Zürcher Duo ohne Fussballaffinität jedoch eingeredet haben, in Bern liessen die investierten Abermillionen sich vermehren und/oder man könne sich als stolzer Besitzer bald zum nationalen Titelträger krönen lassen.

Die Wahrheit auf dem Platz aus Kunstrasen aber war sehr bernisch. In einer Kombination von Minderwertigkeitsgefühl und Selbstüberschätzung träumten Politiker, Kulturtäter und andere fremdfinanzierte Egomanen, die Nummer eins der Schweiz zu werden, und palaverten, ohne dabei etwas Vernünftiges, Langfristiges und Anstrengendes zu tun. Und so, wie die eidgenössischen Steuerzahler den Kanton und die Stadt an der Aare über Wasser halten, so subventionieren nun die Rihs-Brüder einen ebenso überteuerten wie perspektivlosen Sportbetrieb. Die Rede war mal von 12 Millionen Jahresdefizit, das zu decken gewesen sei, mal sollen es «nur» 5 gewesen sein. Im August nannte Andy Rihs in einem Interview die Summe von 8 Millionen Franken. In wenigen Jahren dürfte das Engagement sich der Marke von 100 Millionen nähern.

Spieler kamen und gingen, Trainer um Trainer wurde Knall auf Fall entlassen, Sportchefs im Drei-Jahres-Rhythmus gefeuert, begleitet von Umstrukturierungen und andern Kaderwechseln. Zuletzt erreichte der chaotisch-pyromanische Mob vom Sektor D, dass der letzte Fussballkenner den Verwaltungsrat verlassen musste. Die Berner (Macht-)Verhältnisse sind damit geklärt. Lasst Bern den Bernern! Ein Millionen-Abschreiber ist billiger als ein Millionen-Fortschreiber.

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