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Freie Sicht
Olympia ohne Doping

Olympia: Eigene Medaillen für Athleten mit Zertifikat.  CC/Flickr

Sperrkonten für Preisgelder und «No dope»-Athleten: Im Umgang mit Doping im Sport sind realistische und glaubwürdige Lösungen gefragt.

Kommentar  
Von Reiner Eichenberger
am 14.08.2016

Alle wollen Olympia ohne Doping. Doch Doping ist mit den heutigen Strafen und Sperren nicht beizukommen. Auch seine Freigabe brächte keine Lösung, sondern fatale Dopingwettläufe. Was also tun?

Ich vertrete Folgendes: Den Athleten sollen ihre Einnahmen aus Preisgeldern, Werbung, staatlichen Prämien usw. auf ein persönliches Sperrkonto bezahlt werden. Von diesem können sie jährlich ­einen gewissen Anteil beziehen. Falls sie des Dopings überführt werden, wird ein von der Schwere ihres Vergehens abhängiger Teil des Guthabens an ihre heutigen und früheren ungedopten Konkurrenten verteilt. Wenn also etwa ein früherer Olympiasieger erwischt wird, fliessen von seinem Konto abgestufte Zahlungen an die damaligen zweiten, dritten, vierten sowie an die Sportler, die er bei anderen wichtigen Anlässen schlug. Sportler, die selbst gedopt haben, sind nicht bezugsberechtigt. 

Dieses elektronisch leicht verwaltbare System vermittelt wirkungsvolle Anreize gegen Doping: Erstens verlieren Doping­sünder nicht mehr nur die direkten Erträge aus ihren Erfolgen unter Doping, sondern Teile ihrer gesamten Einnahmen. Zweitens hängt das gegenwärtige Einkommen weniger vom kurzfristigen Erfolg und damit von Doping ab. Drittens steigt das Lebenseinkommen der Ungedopten dank den Überweisungen der Dopingsünder. Viertens lohnt es sich für Sportler, das Doping anderer aufzudecken und darüber Auskunft zu geben.

Dank den starken Anreizen gegen Doping könnten die heutigen unproduk­tiven Strafen wie persönliche und kollektive Sperren reduziert werden. Natürlich würden nicht alle Dopingprobleme aus der Welt geschafft, insbesondere nicht in Sportarten, in denen kaum Geld fliesst. Doch der Vorschlag sollte nicht an einem unrealistischen Ideal, sondern an der heutigen Realität gemessen werden. Ein Beispiel sind Fehlurteile. Diese wird es auch mit dem neuen Modell geben. Aber sie wären weniger problematisch als heute. Wenn ein Sportler aufgrund eines Fehlurteils lange gesperrt wird, kann das Unrecht kaum mehr gut gemacht werden, wenn später der Fehler erkannt wird. Der hier vertretene finanzielle Ausgleich kann hingegen leicht rückgängig gemacht werden.

Internationale Sportorganisationen könnten den Vorschlag allgemein verordnen. Noch eleganter und wirkungsvoller wäre aber, ihn als freiwilliges «No dope»-Zertifikat einzuführen. Gerade wenn nicht alle Sportler und Länder zum Mitmachen gezwungen sind, können jene, die mit der Zertifizierungsstelle einen entsprechenden Vertrag eingehen, weit glaubwürdiger als heute signalisieren, dass sie nicht gedopt sind. In den Ranglisten könnten die «No dope»-Athleten speziell gekennzeichnet und den besten eigene Medaillen vergeben werden. So würden sie für Zuschauer, Werbung und Sponsoren viel attraktiver, auch wenn – oder gerade weil – sie ein wenig hinterherhinken.

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