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Freie Sicht
Roboter und ihre Herren

Roboter und Menschen als Freunde: Umzug der Initiative in Zürich. Keystone

Garantiert das Grundeinkommen wirklich, dass Maschinen und Menschen friedlich zusammenleben?

Kommentar  
Von Simon Schmid
am 06.06.2016

Vereint in Harmonie. So zeichnet das bedingungslose Grundeinkommen das Verhältnis zwischen Menschen und Robotern. «Wir Roboter sind nicht die Bad Boys», lautet die Botschaft der lustigen Styropormännchen, die an den Events der Initiative tanzen. «Wir wollen Menschen die Routinearbeiten abnehmen, damit sie mehr Zeit und Raum haben, kreativ und sozial wirken zu können.»

Roboter nicht als Gefahr, sondern als Chance für die Menschheit zu begreifen, ist ein positiver Gedanke und fundamental auch der richtige. Besser den Fortschritt aktiv gestalten, als ihm in Abwehrhaltung gegenüberzustehen. Aufhalten lässt sich die technische Entwicklung ohnehin nicht. Doch wie soll eine Gesellschaft mit der Automatisierung der Arbeit durch Maschinen umgehen? Garantiert das bedingungslose Grundeinkommen tatsächlich die erhoffte Symbiose?

Ein entscheidender Punkt ist die Frage der Arbeitsteilung. In der Volkswirtschaft muss es gelingen, möglichst viel Komplementarität, also Gegensätzlichkeit, zwischen Menschen und Maschinen herzustellen. Roboter sind umso nützlicher, je mehr ergänzende Arbeit sie für die Menschheit leisten können. Umgekehrt bringt es Probleme, wenn menschliche und maschinelle Arbeit primär als Substitut, also als Ersatz, verfügbar sind. Dann tritt die unerwünschte Tendenz ein, dass manchen Menschen tatsächlich «die Arbeit ausgeht», wie es dunkle Prognosen zuweilen heraufbeschwören.

Damit künftig nicht Heerscharen von Supermarktkassiererinnen, Taxifahrern und Reinigungskräften arbeitslos auf der Stras­se stehen, braucht es genügend Aus- und Weiterbildung. Im selben Zug, wie die Maschinen intelligenter werden, müssen sich auch die Menschen weiterentwickeln: Zu Mechanikern, die die Roboter konstruieren und mit immer neuen Funktionen ausstatten, und zu Programmierern, die den Robotern ihre Arbeitsabläufe einspeisen und ihnen Befehle erteilen.

Je mehr Menschen zu «Herren» über die Roboter werden – statt sich mit ihnen als «Gegenspieler» um die Arbeit zu streiten –, desto gewinnbringender ist der Fortschritt. Und: Desto weniger Spannungen entstehen unter den Menschen selbst. Ein Schlüsselbegriff ist die Bildungsprämie auf dem Arbeitsmarkt. Gelingt es nicht, genügend Komplementarität zwischen Menschen und Maschinen herzustellen, so schiesst diese Prämie in die Höhe – weil nur eine kleine Elite zu «Herren» über die Roboter geworden ist. Damit steigt die Ungleichheit in der Gesellschaft.

Sophistizierte Maschinen erfordern hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen dafür die richtigen Anreize setzt, ist zweifelhaft. Das System erfordert grosse Eingriffe ins Steuersystem. Um es zu finanzieren, müssten Mittel von Einkommen und Konsum abgezweigt werden: Mittel, die für die Bildung eingesetzt werden könnten. In dieser Bildung – und weniger im Grundeinkommen – liegt die wahre Chance, künftig über mehr technische und finanzielle Möglichkeiten zur kreativen und sozialen Entfaltung zu verfügen.

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