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Ikea-Schweiz-Chefin wirbt für Männer am Herd

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Ikea-Schweiz-Chefin Simona Scarpaleggia geht die Förderung von Frauenrechten zu langsam. Um die Sache zu beschleunigen, hat sie einen UN-Posten angenommen – und will die Männer ins Boot holen.

Karen Merkel
Kommentar  
Von Karen Merkel
2016-10-04

Die Debatte über Gleichberechtigung im Beruf verflacht. Wie Frauen am besten ihr Gehalt verhandeln oder sich in männerdominierten Teams behaupten, sind sicher relevante Fragen. Doch es gilt, im Blick zu behalten: Bei wirtschaftlicher Gleichberechtigung geht es um mehr als Karrierestrategien.

«Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht», sagt Simona Scarpaleggia, Chefin von Ikea Schweiz. Eine Plattitüde, könnte man meinen. Doch das ist sie eben nicht, wenn man bedenkt, was das Ziel ist: einen Zustand des Unrechts zu beenden. Wirtschaftliche Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass ein immer grösserer Anteil an Frauen ausgebuffte Karrieretricks anzuwenden weiss. Sie bedeutet, die rechtlichen, gesellschaftlichen und technologischen Voraussetzungen zu schaffen, damit der Bessere den Job bekommt – ohne Ansehen des Geschlechts.

Behält die Entwicklung ihr jetziges Tempo bei, dürfte das noch ziemlich lange dauern. Die Ausgangslage bei Einkommen, Bildung und Aufstiegschancen zwischen Männern und Frauen wird ungefähr im Jahr 2130 angeglichen sein, hat das Weltwirtschaftforum (WEF) berechnet. Erst in gut 100 Jahren also.

Viel zu langsam, sagt Simona Scarpaleggia:

 

Die Vereinten Nationen wollen der Sache Beine machen. Ein «High Level Panel» adressiert das wirtschaftliche Empowerment von Frauen, Simona Scarpaleggia präsidiert als Co-Chair. Im September hat das Gremium seinen ersten Report herausgegeben, der Unternehmen und Organisationen Handlungsempfehlung zur Umsetzung von Gleichberechtigung geben will.

In der Schweiz sieht Konzernchefin Scarpaleggia besonderen Handlungsbedarf:

 

Das grosse Plus: Gemischte Teams sind profitabler. Simona Scarpaleggia ist überzeugt: «Es nützt Wirtschaft und Gesellschaft, Gleichberechtigung umzusetzen.» Die Römerin ist eine glaubwürdige Advokatin für die Sache. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich für Frauenrechte in der Arbeitswelt. Seit 2010 lenkt sie Ikea Schweiz. Neu in der Schweiz hat sie das Frauenförder-Netzwerk «Adance» gegründet, dem mittlerweile über 50 namhafte Konzerne angehören. Bei Ikea Schweiz hat sie Fakten geschaffen: Die Landesdependance beschäftigt aktuell zu 40 Prozent Frauen, über alle Ebenen und mit Tendenz zur Ausgeglichenheit. Das ist besser als bei vielen anderen Konzernen.

Die Förderung von Frauen muss für Scarpaleggia breit abgestützt sein. So erklärt die Ikea-Schweiz-Chefin auch, warum sich drei Jahre nach dem Start von «Advance» im Verwaltungsrat der anderen Gründungsunternehmen noch nicht mehr Frauen zeigen. Der Talentpool sei das Entscheidende:

 

Eines allerdings geht in der Diskussion über Chancengleichheit im Beruf oft unter – dass der Wandel in der modernen Arbeitswelt keine Einbahnstrasse ist. Zum einen, sagt Scarpaleggia, geht es nicht ohne die Unterstützung der männlichen Kollegen:

 

Zum anderen gibt es auch auf Seiten der Männer ein Ungleichgewicht zu ihrem Nachteil. Männer haben in der Schweiz wenig Entscheidungsspielraum, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. 80 Prozent von ihnen befürworten einen längeren Vaterschaftsurlaub, doch ist dieser gesetzlich nicht geregelt. Die Unternehmen gestehen den jungen Vätern meist einige Tage zu, Leuchtturm-Konzerne bieten bis zu fünf Wochen. Das ist im internationalen Vergleich dürftig. Bei der Teilzeitarbeit sind Männer statistisch gesehen noch stark unterrepräsentiert.

Simona Scarpaleggia wirbt um Unterstützung für die männlichen Arbeitnehmer:

 

Die zentralen Punkte in der Debatte der Gleichberechtigung sind oft eine Frage des gesunden Menschenverstandes, sagt Scarpaleggia. Als dreifache Mutter weiss sie, woran die Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheitern kann. Und berichtet von zwei Dingen, die sie geändert hat, als sie selbst das erste Mal Chefin wurde:


 

Video-Produktion und Untertitelung: Lisa Burth

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