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Linkedin-Übernahme: Microsoft kauft sich schick

 

Satya Nadellas kluger Schachzug: Auch wenn die Aktionäre nach der Linkedin-Übernahme zunächst Abstand nahmen, steht sie für den Wandel Microsofts vom angegrauten Riesen zum dynamischen Cloud-Konzern.

Kommentar  
Von Karen Merkel
am 14.06.2016

Euphorie sieht anders aus: Der Aktienkurs von Microsoft kannte nach der Bekanntgabe des Linkedin-Kaufs erstmal nur eine Richtung – nach unten. Die Anleger überzeugte die Milliardenübernahme offenbar nicht, nur die Linkedin-Aktionäre jubelten.

Die Zurückhaltung liegt auf der Hand: Wie überhaupt kann sich ein Kauf lohnen, bei dem Microsoft mit 26 Milliarden Dollar gut 50 Prozent mehr bietet, als Linkedin wert ist? Wie kann der Deal funktionieren, wenn der neuen Konzerntochter auch in Zukunft noch Eigenständigkeit zugesichert wird?

Überhöhtes Kaufangebot

Obwohl Microsoft – siehe Nokia-Debakel – mit seiner Strategie des überhöhten Kaufgebots auch schon Bauchlandungen hingelegt hat, ergibt der Linkedin-Kauf Sinn. Die Skepsis der Aktionäre erklärt sich eher aus dem hohen Übernahmepreis in Cash. Da Microsoft aus Steuergründen nicht mehr als 3 Milliarden Dollar an Kapital in den USA hält, muss der Konzern sich weiter verschulden, um Linkedin zu bezahlen. Angesichts eines bereits geplanten Aktienrückkaufprogramms haben die Börsenanleger auf diese Perspektive nüchtern reagiert.

Als strategischen Schritt dagegen haben auch Wall-Street-Anlaysten den Linkedin-Kauf weitestgehend als richtig eingeordnet. Das Netzwerk sei mittlerweile das «Outlook-Adressbuch für Geschäftsleute», wie zwei Citi-Analysten schrieben. Die Übernahme würde sich aus Sicht von Microsoft also lohnen. Ein guter Punkt, denn der Techriese setzt zunehmend auf cloudbasierte Anwendungen.

Linked schliesst hier an – zum einen, da Microsoft hier bei der Kernzielgruppe Unternehmenslösungen platzieren kann. Zum anderen liefert das Netzwerk wertvolle Daten darüber, was Unternehmen und Angestellte bewegt. In der Schweiz zum Beispiel wird das Recruitung über Linkedin immer wichtiger – Credit Suisse und UBS sind hier am aktivsten.

Coup für Satya Nadella, Puzzlestein in der Strategie

Die Linked-Übernahme ist der finanziell grösste Coup für CEO Satya Nadella, seit er seinen Posten vor zwei Jahren antrat. Tatsächlich stellt der Zukauf einen Puzzlestein in der Neuausrichtung des Unternehmens dar. Dazu zählt, dass Nadella intern die verkrusteten Strukturen des Grosskonzerns entstaubt. Und auch, dass er den strategischen Fokus auf mobile, vernetzte Angebote für Unternehmen setzt, einem Bereich mit viel Potenzial.

Nadella ist zuzutrauen, dass ihm die Verjüngungskur des angegrauten Tech-Riesen Microsoft glückt.

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