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Wanderbüros – warum mobiles Arbeiten zufriedener macht

Arbeiten am Strand: Entspannter geht es wohl kaum. Flickr

Mobiles Arbeiten fördert die Zufriedenheit von Angestellten, zeigt eine neue Studie. Die Frage ist allerdings: Wo ist die Balance zwischen Mobilität und modernem Nomadentum?

Kommentar  
Von Karen Merkel
am 10.05.2016

Schreibtische sind Insignien der Macht. Trutzig und aus Eiche, so stellt man sich vor, thront der Unternehmenschef.  Nüchtern, mit viel Glas und Stahl, der Top-Manager im Bankenwesen. Der handelsübliche Angestellte dagegen markiert sein Revier eher mit Topfpflanze, WM-Fahne oder Bürohumor.

In jüngster Zeit aber markiert er immer seltener. Denn der Büronomade wird zum Normalzustand, wie eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung bestätigt. Mehr als jeder Zweite ist demnach vorwiegend oder sogar ausschliesslich an wechselnden Arbeitsplätzen tätig. Die Umfrage wurde unter 674 Unternehmensvertretern in Deutschland ausgeführt.

Wanderarbeiter ohne Festanstellung

Angesichts der zunehmenden Mobilität am Arbeitsplatz gibt es wiederum zwei Denkschulen: Kulturskeptiker zeichnen das Horrorszenario einer kalten, anonymen Arbeitswelt der Zukunft, in der die modernen Wanderarbeiter ohne sichere Festanstellung einer wechselhaften Auftragslage ausgeliefert sind. «Mobil» ist hier eher die Übersetzung von haltlos, gesichtslos, überwältigend.

Auf der anderen Seite stehen die digitalen Hipster. Sie feiern zelebrieren es als Teil ihres Lebensstils, eine Ecke in einem Coworking-Space zu belegen und zum Arbeiten nicht mehr zu brauchen als ihren Laptop und anständiges WLAN. Für sie bedeutet mobiles Arbeiten vor allem Freiheit und Flexibilität.

Mobiles Arbeiten steigert die Zufriedenheit

Die Studie verbindet beide Seiten: Mobiles Arbeiten steigert die Zufriedenheit, verlangt Angestellten aber auch mehr ab. Sie müssen sich eigenständig organisieren und motivieren, zuverlässig und klar kommunizieren (78 Prozent Zustimmung). Sie müssen kreativer Lösungen finden und das Team besser im Blick haben (49 Prozent Zustimmung).

Das Gute daran ist: Diese Fähigkeiten werden in Zukunft ohnehin gefragter sein, wie eine bekannte Oxford-Studie prognostiziert – spätestens dann, wenn Roboter uns Routinearbeiten abnehmen. Umso besser also, dass ein Grossteil der Angestellten die zunehmende Mobilität als Verbesserung empfindet: 67 Prozent der Befragten sehen hier einen positiven Einfluss, nur 7 Prozent eine deutliche Verschlechterung. Jeder Zweite gibt ausserdem an, seine Leistung gesteigert zu haben. 

Wichtig ist allerdings: Die Studie hat nach Arbeitsmöglichkeiten ergänzend zum festen Platz in der Firma gefragt. Es ist zu bezweifeln, dass ein Grossteil aller Angestellten Laptop und WLAN ihrer angestammten Topfplanze auf Dauer vorziehen würden. Sicher ist, dass sie die Abwechslung schätzen.

 

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