Serie: So leben wir in Zukunft

Journalismus trifft auf Kunst Die Handelszeitung und der Studiengang Cast / Audiovisual Media der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) haben den technologischen Wandel und seine Folgen als Ausgangslage für ein gemeinsames Projekt genommen. In sechs Teilen erklären wir ab dieser Ausgabe jede Woche anhand von Texten, Videos und Infografiken, wie wir in Zukunft leben werden. Drei Redaktoren der Handelszeitung haben die Antworten auf die grundlegenden Fragen recherchiert. Zwölf Studierende unter der Leitung von Dozent William Crook haben diese Rechercheergebnisse in Videos künstlerisch umgesetzt. Das Video zum ersten Teil «Gesundheit in der Zukunft» haben Anna Raymann und Jessica Reust erstellt.

ZHdK Die Zürcher Hochschule der Künste im Toni Areal vereint rund 2500 Studierende unter ihrem Dach und ist damit eine der grössten Kunsthochschulen Europas. Unterrichtet wird in den Bereichen Design, Film, Kunst, Medien, Musik, Tanz, Theater und Vermittlung der Künste. Im Mittelpunkt der Fachrichtung Cast / Audiovisual Media stehen Gestaltung und Produktion von audiovisuellen Inhalten für Online- und mobile Medien. Leiter des Bereichs ist seit der Gründung im Jahr 2007 Professor Dr. Martin Zimper. (moh)

Flüge waren für Manager lange vor allem eines: Pure Erholung. Auf 12'000 Metern Höhe ohne Handy-Empfang oder Internet bot sich die einzige Möglichkeit, einfach nichts zu tun oder zu schlafen. Damit ist es inzwischen vorbei: Zahlreiche Fluggesellschaften bieten inzwischen mindestens Internet an Bord an. Laut dem Fachportal Routehappy waren es Anfang des Jahres rund 60 Fluggesellschaften mit WLAN-Angebot, monatlich kommen neue hinzu. Bei Swiss kann man bisher nur in der Boeing 777 surfen, von der die Airline neun Stück bestellt hat.

Noch hakt es aber bei der Qualität. Nur auf 6 Prozent aller Flüge weltweit ist der Internetservice ähnlich gut wie am Boden. Die Technik ist noch nicht ausgereift. Im Jahr 2050 wird  das nicht mehr so sein, zumindest ist das die Vision von Airbus. Werden die Pläne des -europäischen Flugzeugbauers Wirklichkeit, ist es mit der Entspannung von Managern über den Wolken endgültig vorbei.  Dank Virtual-Reality-Technik sollen Geschäftsleute während des Fluges an Konferenzen teilnehmen. Immerhin – auch ein virtueller Golfplatz ist in einer Airbus-Konzeptstudie enthalten. Sie soll zeigen, wie wir in nicht allzu ferner Zukunft reisen werden.

Reiseinfos im Flugzeugfenster

Informationen über die Landschaft, die man überfliegt, würden laut den Entwürfen von Airbus auf der Decke oder den Wänden gezeigt, die auch als Bildschirme funktionieren. Schon jetzt ist man zumindest einen Schritt weit in diese Richtung gekommen. So entwickelt das französische Unternehmen Vision Systems Flugzeugfenster, auf denen Flugdetails oder Informationen über den Zielort in Touchscreen-Form abrufbar sind. Laut Firmenchef Carl Putman sind schon einige Airlines am An-gebot interessiert. In zwei bis drei Jahren könnten die Fenster marktreif sein.

Online buchen

Doch auch vor und nach der Landung hat die Digitalisierung Reisen radikal verändert. Mehr als zwei Drittel aller Reisenden informieren sich vor der Buchung online über das Reiseziel, mehr als ein Drittel buchen tatsächlich ihre komplette Reise online. Jede noch so kleine Pension im Dschungel ist bei TripAdvisor eingetragen. Kein Wunder: Mehr als 350 Millionen Reisende surfen jeden Monat auf dem Portal.  Wollen Hotels und Gasthäuser in Zukunft Erfolg haben, müssen sie sich darauf einstellen. Eine Studie der Pennsylvania State University hat ergeben, dass Rezensionen einen höheren Stellenwert bei der Entscheidungsfindung für oder gegen ein Hotel einnehmen als der Preis.

Und ein weiteres Opfer könnte der digitale Wandel haben: Die gute, alte Postkarte. Die Internetfirma O2 hat bei einer Befragung von 2000 Reisenden herausgefunden, dass 45 Prozent von ihnen noch niemals eine Postkarte versandt haben. Und das wirkt sich auf die Verkäufe aus. Postkartenhersteller berichten von Verkaufsrückgängen von über 60 Prozent im letzten Jahrzehnt.

Eine Zeitreise in sechs Teilen:

Teil 1 Gesundheit
Teil 2 Reisen
Teil 3 Wohnen
Teil 4 Beziehungen
Teil 5 Bezahlen
Teil 6 Arbeit

Wenigstens ist es deutlich einfacher geworden, Urlaubserlebnisse mit den Daheimgebliebenen zu teilen. Laut der O2-Studie nutzen 60 Prozent der Reisenden SMS- und MMS-Nachrichten, um ihre Verwandten und Freunde zu grüssen, 34 Prozent verlassen sich auf Facebook, 29 auf E-Mails. Die Schweizer Post hat sich auf diese Entwicklung immerhin schon eingestellt und bietet wie andere private Anbieter auch in einer App das Postkartenversenden vom Handy aus an – mit eigenen Fotos als Kartenmotiv.

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