Der junge Hayek ist am Ende seines Lateins. Wieder einmal. Immer dann, wenn die Zahlen in seinem Milliardenreich ruckeln und zuckeln, sind die Meinungen gemacht. Klar doch, Nick Hayek hat sämtliche Trends verschlafen, die Kosten nicht im Griff, die falsche Kommunikation, auf Halde produziert, zu viele Uhrenmacher im Betrieb. Folgerichtig dröhnt es aus der Wirtschaftspresse: «Swatch schmiert ab.» Und Hayek dazu. 

Es ist Sommer 2016. Doch man wähnt sich in der Zeit, als Nicolas G. Hayek, der Vater von Nick Hayek, am Ruder des Uhrenkonzerns stand – und diesen ebenfalls mehrfach gegen die Wand steuerte. Exakt vor zwanzig Jahren formulierte das US-Magazin «Forbes» den Titel: «Swatch is out». 

Der grösste Exporterfolg der Nachkriegszeit

Swatch, die damals ihrem Ende entgegentickte, setzte ausgerechnet in den 1990er-Jahren zum Sturmlauf an. Bis dann hatte Hayek senior 200 000 000 Swatch-Plastikuhren verkauft, doch statt südwärts, wie «Forbes» prognostizierte, ging es nun steil nach oben. Bis heute dürfte die Swatch-Uhr weltweit eine halbe Milliarde Mal verkauft worden sein – der grösste Schweizer Exporterfolg der Nachkriegszeit. Ein Ende ist nicht abzusehen.

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Im Gegenteil: Der Zyklus wird weiter befeuert: Weil Hayek in Indien endlich die Genehmigung für eigene Swatch-Shops erhielt. Und weil die Marke letztes Jahr 200 industrielle Patente anmeldete und die Innovation weitertreibt. «Swatch is out» – eine Zeitungsente, damals, heute.

Hayek ist trotz seinen 1000 Kritikern und noch mehr Besserwissern seit Jahrzehnten über alle Massen erfolgreich. Allein in den letzten fünf Jahren hat die Swatch-Firmengruppe 7 Milliarden Franken Reingewinn generiert. Die saftigen Renditen der Vergangenheit haben die Investoren verwöhnt und ungeduldig gemacht. Werden von Swatch nicht -jedes Jahr neue Rekorde gesetzt, reagiert die Börse besonders bei Hayek gnadenlos und überrissen. Dem Patron freilich geht es nicht um den schnellen Franken, sondern ums Prinzip. 

Warnungen an Notenbanker vom Senior und vom Junior

Senior wie Junior haben regelmässig die Notenbanker gewarnt, sie würden mit ihrer Geldpolitik die industrielle Basis im Land unterminieren. Nicolas G. Hayek schoss gegen SNB-Chef Markus Lusser, welcher dem Land in den 1990er-Jahren eine Rezession bescherte; Nick Hayek feuert gegen SNB-Chef-Thomas Jordan. Ausgerechnet also die Hayeks, die gestern wie heute vor einer rigiden oder mutlosen Geldpolitik warnen, beissen sich als Unternehmer durch.

Um Know-how in ihren 150 Fabriken und 15 Manufakturen zu halten, nehmen sie auch Margenschwund und Gewinneinbruch in Kauf. Und kriegen es als Grossaktionäre am meisten zu spüren, wenn im Gegenzug der Aktienkurs schwächelt. Doch Kurven auf dem Tableau mochten die Hayeks nie zu erschüttern. Sie sahen es stets als Chance und investierten gleichentags in ihre funkelnde Uhrenwelt. Für ihren Kampfgeist müssten die Hayeks nicht mit Häme eingedeckt werden, sondern mit Preisen.

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