Wer den Satz «Ich mag keine Kinder!» laut ausspricht, zieht meist empörte Blicke auf sich. Aber nicht immer: Für eine Frau zwischen 20 und 30 im Bewerbungsgespräch könnte sich die Aussage vorteilhaft auswirken. Frauen im gebärfähigen Alter sind ein Risiko für Unternehmen.

Schliesslich droht ein wochen- oder monatelanger Ausfall nach der Geburt und bei der Rückkehr womöglich noch ein Wunsch nach Teilzeitarbeit oder gar die Kündigung. Kein Wunder, wagen es Chefs trotz Verbots der Frage in Bewerbungsgesprächen immer wieder, intimste Informationen über Kinderwunsch und Beziehungsstatus aus Frauen herauszukitzeln. Es gilt, Kosten zu umgehen.

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Falsche Rechnung machen

Und jetzt droht den Firmen noch ein Vaterschaftsurlaub. Vier Wochen sollen Männer nach der Geburt des Kindes zu Hause bleiben dürfen, fordert eine kürzlich lancierte Initiative. Die Kosten werden auf Hunderte Millionen Franken veranschlagt.

Diese Rechnung ist falsch. Sie zeigt nur die Aufwand-, nicht die Ertragsseite. Eine höhere Integration der Frauen in die Arbeitswelt bringt der Wirtschaft auf Dauer mehr, als sie kostet – gut ausgebildete Arbeitskräfte, die sonst zu Hause bleiben würden.

Lohnschere hält sich hartnäckig

Doch diese Argumente helfen nicht. Das Problem liegt tiefer. Wenn es gesellschaftlich akzeptabel ist, den Satz «Frauen wollen oft gar nicht Karriere machen» als Argument für die Beibehaltung des Status quo auszusprechen, stimmt etwas in Sachen Gleichberechtigung nicht.

Das zeigt sich auch in der Statistik. Bei zu 100 Prozent angestellten Frauen hat sich die Lohnschere in den vergangenen Jahren zwar deutlich geschlossen. Doch sie ist nicht ganz zu. Zudem ist der Anteil Teilzeit arbeitender Frauen in der Schweiz immer noch deutlich höher als anderswo. Mit «nicht wollen» hat das wenig zu tun.

Um die Ungleichheit zu beheben, sind radikale Schritte nötig – auch wenn sie kurzfristig kosten. Quoten sind eine diskutierte Lösung. Doch das wahre Problem würde sich durch sie nicht lösen: Frauen würden weiter mehr als Randgruppe gelten – nicht als gleichberechtigte Jobkandidaten.

Nicht Vaterschaftsurlaub sondern Elternzeit

Ein Urlaub für Väter ist effektiver – aber nur, wenn er nicht Vaterschaftsurlaub heisst. Die Schweiz braucht eine Elternzeit, die mehrere Monate dauert und die beide Elternteile unter sich aufteilen können. Der Effekt: Der Mann wird auch zum Risiko. Müssen sich Chefs bei der Einstellung eines Mannes wie bei einer Frau gleichermassen fragen, ob er oder sie für Monate ausfällt, wenn das Kind kommt, löst sich der sexistische Knoten langsam. Und nur dann ändert sich auch in den Köpfen der Eltern etwas und es sind nicht mehr automatisch die Frauen, die auf Teilzeit setzen.

Mittelfristig erkennen dann auch Unternehmen, dass man, will man qualifizierte Mitarbeiter halten und rekrutieren, etwas für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun muss. Ändert sich nichts, wandern die guten Mitarbeiter in Länder ab, die bei der Gleichberechtigung schon weiter sind.