Der Null-Entscheid kommt überraschend. Gewiss, Novartis hat nie eine abschliessende Entscheidung über die Zukunft der zuletzt 5,8 Milliarden Dollar schweren Sparte in  Ausicht gestellt. Die Rede vom «strategischen Update» war für einmal wörtlich zu nehmen – als Aufdatierung der strategischen Ausgangslage und nicht als Ankündigung eines Verkaufs, wie das meistens der Fall ist. Doch wenn die Marktteilnehmer derart falsch liegen – der Aktienkurs gab nach der Ankündigung  deutlich nach – dann stellt sich die Frage, ob die Erwartungen von Seiten des Unternehmens richtig gemanagt worden waren.

Doch die Vertagung macht Sinn. Der Druck auf eine schnelle Lösung ist weg. Michael Ball, seit 2016 im Amt, scheint im texanischen Texas, dem Sitz von Alcon, einen guten Job zu machen. Die Sparte reisst, anders als anfangs Jahr, kaum mehr Löcher in die Kasse. Dem Sorgenkind geht es bereits wieder deutlich besser. Die Erholung, die sich bereits im zweiten Quartal abgezeichnet hatte, setzte sich im dritten fort. Ein Plus von sieben Prozent beim Umsatz und von zwanzig Prozent bei der Profitabilität : Das  ist zwar noch nicht grossartig, aber ein Anzeichen, dass der Turnaround gelingen könnte.

Hoher Goodwill in den Büchern

Zu vermuten ist, dass Novartis bei der Sondierung möglicher Käufer und möglicher Kapitalmarktlösungen schlicht noch nicht den Preis für die Sparte herausholen konnte, der dem Unternehmen vorschwebte. Zu Erinnerung : Der damalige Konzernchef Daniel Vasella legte 2010 fast 50 Milliarden Dollar für das Geschäft auf den Tisch – wobei dieses damals nebst den augenchirugischen Instrumenten und den Kontaktlinsen auch noch die 2016 in die Division Innovative Medicines überführten ophtalmologischen Medikamente mit einem Umsatz von zuletzt 3,6 Milliarden Dollar umfasste.

Ende 2016 stand die Sparte mit einem Goodwill von 8,3 Milliarden Dollar den Büchern. Noch-Konzernchef Joe Jimenez wollte sich gegenüber Bloomberg in Sachen Preisvorstellungen nicht auf die Äste hinauslassen. In anderem Zusammenhang hatte der scheidende CEO zuvor von einer Spannbreite von 25 bis 35 Milliarden für ein medizinaltechnisches Geschäft dieser Grössenordnung gesprochen.

Ein Plan mit Tücken

Und so sieht der Plan nun aus : Das Geschäft weiter auf Kurs bringen, um dann «aus einer Position der Stärke» hinaus agieren zu können, wie Joe Jimenez sagte. Doch auch er hat seine Tücken. Zur Zeit werden astronomische Preise für Assets in Biotech und Medizinaltechnik bezahlt. Gilead, eines der vier grössten Biotechunternehmen, hat soeben fast 12 Milliarden Dollar für Kite auf den Tisch gelegt – ein Unternehmen, das zwar eine vielversprechende krebsimmunologische Technologie hat, aber kaum Umsätze.

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Gut möglich, dass der Markt dreht und dass solche Summen Vergangenheit sind, wenn Alcon in mehr als einem Jahr für den Verkauf getrimmt ist. Doch das ist dann nicht mehr Jimenez’ Sorge, sondern die seines Nachfolgers Vas Narasimhan.