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Meinung
Bahn-Fusion bringt Peter Spuhler unter Zugzwang

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Kaum hat Peter Spuhler angekündigt, den Chefposten bei Stadler Rail zu räumen, um mehr Zeit für die strategische Weiterentwicklung zu haben, ist es bereits 5 vor 12.

Marcel Speiser
Kommentar  
Von Marcel Speiser
2017-09-27

Stadlers europäische Rivalen Siemens und Alstom haben angekündigt, ihre Bahngeschäfte zu fusionieren. Es entsteht ein Bahn-Gigant mit einem Umsatz von gut 17 Milliarden Franken.

Einzig die europäischen Wettbewerbsbehörden könnten den Zusammenschluss noch verhindern. Doch die Chance, dass es ein Veto gibt, ist klein: Alstom und Siemens sind staatsnahe Unternehmen, ihre Chefs mit den politischen Entscheidern in Frankreich und Deutschland bestens vernetzt. Und das Argument von Siemens-Chef Joe Kaeser, es gelte ein europäisches Bollwerk gegen die Konkurrenz aus China zu bauen, sticht in Paris und Berlin allein schon wegen der Verteidigung der industriellen Jobs. Solche Gedanken beeinflussen die Kartellhüter. Wahrscheinlich daher ist, dass sie die Fusion mit Pro-Forma-Auflagen durchwinken – Marktmacht hin oder her.

Völlig verändertes Wettbewerbsumfeld

Stadler Rail sieht sich also einem völlig veränderten Umfeld gegenüber. Nach Jahrzehnten der Konsolidierung buhlen nurmehr die chinesische CRRC, das europäische Fusionsprodukt, die kanadische Bombardier, die von den Chinesen umgarnte Skoda und Stadler um Aufträge. Stadler ist dabei der kleine, feine Anbieter, der politisch aber im luftleeren Raum agiert.

Würde Spuhler den Kanadiern Avancen machen, um auf eine global relevante Grösse zu kommen, bliebe das kombinierte Unternehmen dennoch vergleichsweise klein und in den grössten Märkten vergleichweise schlecht gestützt durch die  meist staatlichen Auftraggeber.

Dass sich Spuhler alternativ den Chinesen als europäischen Brückenkopf anbietet, ist schwer vorstellbar, obwohl die Chinesen einen solchen dringend suchen. Es würde nicht zum Credo des SVP-Unternehmers passen. Zudem hat er aus Angst, kopiert zu werden, einen Bogen um China gemacht.

Geduld oder Nischenstrategie?

Der Zug wiederum, mit Siemens etwas aufzubauen, ist mit dem Alstom-Deal ist in weite Ferne gerückt. Spuhler hat mit den Deutschen zwar bereits verhandelt, aber lange bevor das Zusammengehen mit Alstom konkret wurde. Will er nun mit dem Duo anbandeln, muss er sich in Geduld üben.

Bleibt die Nischenstrategie. Stadler Rail ist im Unterschied zu allen Rivalen stark in Kleinserien, Spezialloks und Sonderzügen. Doch konzentriert sich Spuhler darauf, muss er deutlich kleinere Brötchen backen – und massig Arbeitsplätze abbauen.

Kurz: Es ist ungemütlich geworden in Bussnang.

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