Und er bewegt sich doch! Entgegen der ­Behauptung der Euro-Apokalyptiker ­gewinnt der Euro seit Monaten an Wert. Zunächst gegenüber dem Dollar. Dann gegenüber dem Franken. Mit den Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat das dementsprechend wohl kaum etwas zu tun.

Tatsächlich beginnt sich international die Einstellung zum Euro grundlegend zu ändern. Mehr als vier Jahre Aufschwung. Arbeitslosigkeit wie vor der Finanzkrise. Preisstabilität. Budgetdefizit bei nur noch knapp über 1 Prozent des Volkseinkommens. Die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. Eine wieder optimistischere Europäische Zentralbank (EZB). All das sind gute Gründe, warum die Euro-Phobiker wieder einmal unrecht hatten. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion, aber das heisst weder, dass es ihn morgen nicht mehr gibt, noch dass er dauerhaft schwach sein muss.

Und sie bewegt sich doch! Entgegen den Prognosen der meisten Kommentatoren hat die SNB begonnen, ihre Geldpolitik zu ändern. Noch in den Winterquartalen hat sie in aussergewöhnlicher Menge Geld gedruckt. Von Anfang Oktober bis Ende Mai hat die Notenbankgeldmenge um satte 45 Milliarden Franken zugelegt. Das entspricht der gesamten Basisgeldmenge vor Ausbruch der Finanzkrise. Seit Ende Mai stagniert die Geldzunahme. Und das, obwohl der handelsgewichtete Wechselkurs noch bis Mitte Juli auf praktisch gleich ­hohen Werten notierte wie im Winter.

Euro-Festgeld hat gleichen
 Wertzuwachs hingelegt wie der SMI

Für viele Beobachter, Kommentatoren und Prognostiker sind das unangenehme Nachrichten. Erinnern Sie sich: Nach der Aufhebung der Untergrenze waren sich fast alle einig, dass der Franken noch auf Jahre hinaus stark bleiben würde. Dabei wertete sich der Franken ­bereits im ersten Jahr gut 8 Prozent ab. Mittlerweile sind es 16 Prozent.

Die Chancen stehen gut, dass diese Entwicklung weitergehen wird. Die europäische Konjunktur macht auch im fünften Jahr des Aufschwungs einen soliden Eindruck. Pro Kopf betrachtet, wird die Euro-Zone auch weiterhin schneller wachsen als die USA. Das spricht unter anderem für eine Normalisierung der Geldpolitik der EZB in den kommenden Monaten. Das spricht ebenso dafür, dass sich der Euro weiter aufwerten kann.

Die SNB gewinnt neue geldpolitische 
Freiheit – tatsächlich?

Für die SNB ist das vorderhand eine gute Entwicklung, gewinnt sie dadurch doch Freiheitsgrade in der Gestaltung der Geldpolitik. Gleichzeitig würden mit steigendem Euro wohl auch die Devisenreserven weiter aufgewertet. Bei genauerem Hinschauen schwinden diese Freiheitsgrade der SNB aber gleich wieder. Noch in ihrer Lagebeurteilung im Juni hat die SNB prognostiziert, dass die Inflation zum Jahresende bei lediglich 0,2 Prozent liegen würde. Doch bereits heute liegen wir darüber. Und wenn man annimmt, dass die Wechselkurse dort bleiben, wo sie jetzt sind, dann werden wir wohl im ­Dezember in der Nähe von 1 Prozent ankommen.

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Damit bleiben wir bei unserer von mir in dieser ­Kolumne im März formulierten Einschätzung: Die SNB wird ihre Geldpolitik viel schneller ändern, als die meisten Beobachter das für möglich halten. Das Geldmengenwachstum ist eingestellt. In den kommenden Monaten geht es an die Negativzinsen. Angesichts einer auch hierzulande zunehmend besseren Konjunktur, abgenommener politischer Risiken im europäischen Ausland, einer in Aussicht stehenden Normalisierung der Geldpolitik der EZB und einer Inflation von gegen 1 Prozent ist ein Belassen der Geldmarktzinsen bei minus 0,75 sehr unwahrscheinlich.