Die Wirtschaft - sie stand geschlossen hinter der USR III. Finanzminister Ueli Maurer - er kämpfte wie ein Löwe.  Kantonsregierungen - sie sprachen sich grossmehrheitlich für ein klares Ja aus. Der Gewerbeverband - er führte die Kampagne und hat beträchtliche Resourcen.

Und jetzt stehen sie alle vor einem Scherbenhafen. Klar, die Vorlage war komplex. Doch die Ausgangslage, die war verheissungsvoll. Dass die Schweiz - unter Druck von OECD und EU - ihr Steuerregime anpassen muss, war allen klar. Und unbestritten.

Murks für Maurer

Und jetzt diese Pleite. Nur: Wer bei Steuerfragen mit der Zukunft operiert und eine Trendwende bei den Einnahmen erst in zwei, drei Jahren in Aussicht stellt, der setzt auf das Prinzip Hoffnung. Dieses Prinzip aber kommt beim Stimmvolk in der Regel schlecht an. Die Katze im Sack kaufen - das widerspricht dem Risikoprofil der Schweizer. Auf eine Wette in die Zukunft wollte sich offenkundig keiner einlassen.

Was bleibt, ist die Performance der Befürworter: Ueli Maurer hat nach der Gripen-Niederlage mit der USR III eine zweite schallende Ohrfeige kassiert. Die nächsten beiden Jahre der Legislatur wird er arg geschwächt über die Runden bringen müssen. Es wird ein Murks. Ob er die Neuauflage der nächsten Unternehmenssteuer-Reform überhaupt noch erleben wird, ist fraglich.

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Schwache Kampagne

Schwach und verwirrend war derweilen die Kampagne der Befürworter. Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, hielt sich vornehm zurück und überlies dem Konkurrenten Gewerbeverband die Orchestrierung. Diese prügelte zwar wacker auf den Gegner im linken Lager ein, der mit halbgaren Zahlen operierte. Doch der Gewerbeverband verpasste es sträflich, die eigene Klientel vom Nutze der Vorlage zu überzeugen.

Dass fast alle der über 350 000 Firmen des Landes von der Steuerreform profitieren würden, ging im Getöse dieser Prügelei zwischen Links und Rechts völlig unter. Das ist peinlich. Und es zeigt, dass die beiden mächtigen Wirtschaftsverbände - Economiesuisse, Gewerbeverband - noch lange nicht zu einer schlagkräftigen Truppe gefunden haben.

Steuern stehen zuoberst

Die mangelnde Durchschlagskraft der bürgerlichen Mehrheit, der grossen Wirtschaftsverbände, der kantonalen Säckelmeister - sie alle bescheren der Schweizer Wirtschaft drei Jahre der steuerlichen Unsicherheit. Das ist schlecht und dürfte uns  da und dort Firmenabwanderungen und eine Verringerung des Steuersubstrates bescheren. Auch wenn die Linke und mit ihr die Stadtregierung von Zürich das Gegenteil behaupten: Das Thema Steuern steht zuoberst auf der Prioritätenliste von Firmenstrategen.

Diese Grundsatzfrage stellt sich nach diesem Wahlsonntag: Wie viel Unsicherheit wollen wir unseren Firmen und Arbeitsplatzbeschaffern noch zumuten? Mit der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative und nun mit der gescheiterten Steuerreform gibt die Schweiz kein Bild der Stabilität ab.