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Meinung
Globus: Ein Frühlings-Putz reicht nicht für eine Zukunft

Beat Zahnd: Chef des Departements Handel der Migros.

Beat Zahnd räumt auf. Der Chef im Migros-Departement Handel versucht den Niedergang der Warenhaus-Gruppe Globus zu stoppen. Wahrscheinlich zu wenig radikal.

Marcel Speiser
Kommentar  
Von Marcel Speiser
am 12.05.2017

Die Realität im stationären Detailhandel – gerade in der Schweiz – ist brutal: Immer weniger Kunden kommen in die Läden, die Preise sinken, reine Onliner fressen Umsatz weg, das Billig-Paradies Deutschland ist gleich um die Ecke.

Besonders ungemütlich ist die Situation im Geschäft mit Mode. In den letzten Jahren ist der Markt um rund 2,5 Milliarden Franken geschrumpft. Das entspricht umgerechnet etwa dem Umsatz von 600 durchschnittlichen Mode-Filialen.

Die Mitte ist unter Druck

Am düstersten ist die Lage – wie fast überall – in der preislichen Mitte.

Unterhalb dieser Mitte haben Textil-Discounter, Fast-Fashion-Ketten wie Zara, C&A oder H&M der Konkurrenz längst alles Wasser abgegraben. Weshalb soll ein modebewusster Konsument 99 Franken für eine Jeans bezahlen, wenn er sie auch für 29 Franken bekommt – und darin trotzdem gut aussieht? In der Mitte selbst bleibt den Anbietern deshalb kaum mehr Luft zum Atmen. Schild zum Beispiel hat in nur drei Jahren 9 Millionen Franken an Umsatz verloren. Und eine Trendwende wird es nicht geben.

Globale Riesen beherrschen das Luxus-Segment

Bleibt als Lebensraum für einen Anbieter wie die Migros-Tochter Globus nur noch das Premium- und das Luxus-Segment. In Letzterem spielen fast nur noch globale Riesen eine Rolle: LVMH, Richemont, Kering. Sie verkaufen ihre Ware schon seit Jahren am liebsten über eigene Läden und längst auch über eigene, exklusive Online-Shops. In diesen Markt vorzustossen ist so gut wie ausgeschlossen.

Also Premium. Und also das Preis-Segment, das sich markenbewusste Konsumenten zwischendurch für ein besonderes Teil leisten. Es ist das Segment, in dem sich die Warenhaus-Kette Globus seit Jahren tummelt. Alles ist edel, alles ist ausgesucht, aber für ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung noch erschwinglich. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Der Entscheid ist konsequent...

Die Entscheidung von Migros-Handelschef Beat Zahnd – er hat Retailer wie Digitec Galaxus, Interio und Ex Libris unter sich, aber eben auch Schild, Globus und Herren Globus –, die Marken Schild und Herren Globus aufzugeben und alles auf die Karte Globus zu setzen, ist vor diesem Hintergrund konsequent.

Wenn ein auskömmliches Leben nur noch im Premium-Segement möglich ist, setzt man mit Vorteil auf das Format, das in diesem Segment über einen ausgezeichneten Ruf und eine starke Marke verfügt. Globus eben.

.. aber die Massnahme genügt nicht

Ob aber diese Strategie genügt, Globus in die Zukunft zu führen, ist höchst fraglich.

Erstens, weil auch Globus in den letzten Jahren nicht mit Wachstum geglänzt hat, sondern im Gegenteil kontinuierlich geschrumpft ist.

Zweitens, weil die Strategie unweigerlich dazu führt, dass sich ein Grossteil der Schild-Kundinnen und -Kunden eine neue Heimat suchen müssen.

Und drittens, weil sich Zahnd und Globus-Chef Thomas Herbert in bester Migros-Tradition nicht zu einem radikalen Schritt durchgerungen haben, sondern nur zu einem optisch radikalen. So wird die Marke Schild verschwinden, doch die meisten physischen Schild-Standorte bleiben. Dies obwohl der Trend in Richtung E-Commerce unaufhaltsam ist. Zudem versuchen Zahnd und Herbert, einen Teil der Schild-Kundschaft bei Stange zu halten, indem sie das Globus-Angebot nach unten arrondieren.

In einer fundamental veränderten Detailhandelslandschaft sind solche Konzessionen auf Dauer wohl nicht zu halten.

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