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Meinung
Hariolf Kottmann ist nicht mehr der Alleinherrscher

Clariant-Chef Hariolf Klariant
Hariolf Kottmann: Verspürte Drang zu Grösse und Glamour. KeystoneQuelle: Keystone

Hariolf Kottmann hat verloren. Sein grosser Deal ist gescheitert. Doch der Übungsabbruch ist für Clariant eine grosse Chance.

Kommentar  
Von Stefan Barmettler
am 27.10.2017

Der geplante Merger von Clariant und Huntsman endet abrupt. Unter dem wachsenden Druck unzufriedener Aktionäre – allen voran des US-Hedgefunds White Tale – lässt Clariant-Chef Hariolf Kottmann den Fusionszug stoppen. Der geplante Merger mit der US-Firma Huntsman ist auf der letzten Meile mit quietschenden Bremsen zum Stillstand gekommen. Nicht zu früh, eher zu spät.

Der angekündigte Deal zwischen Clariant und Huntsman stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Die Schweizer hatten überhastet analysiert und schlecht verhandelt. Die mediale Inszenierung der Schlussverhandlung im Schweizer Fernsehen – in der Hauptrolle präsentierte sich Hariolf Kottmann als transatlantischer Dealmaker – war an Unprofessionalität nicht mehr zu überbieten.

Drang nach Grösse und Glamour

Kottmann, der faktische Alleinherrscher bei Clariant, war in seinem Drang nach Grösse und Glamour weder intern noch extern zu bremsen. Schliesslich hielt er viel zu lange am Zusammengehen fest, obwohl der Unmut unter den Aktionären mit jedem Tag weiter stieg. Als White Tale Mittwochabend bekanntgab, dass man nun die 20-Prozent-Hürde übersprungen habe, war der Bruchpunkt erreicht. Gestern zogen die Verwaltungsräte von Huntsman und Clariant die Reissleine.

Was aus Sicht der Basler Chemiefirma bleibt, ist der Eindruck eines wenig durchdachten Fusionsplans mit einem amerikanischen Unternehmen, das seit Jahren auf der Suche nach dem grossen Deal war. Immerhin ist Kottmann hoch anzurechnen, dass er doch noch Einsicht bewies und realisierte, dass er an einer ausserordentlichen Generalversammlung von Clariant nie und nimmer die notwendige Zweidrittelsmehrheit zusammenkriegen würde.

20 Millionen Franken für die Katz'

Noch grösser ist sein Verdienst, dass er es schaffte, ohne allzu grosse finanzielle Blessuren aus dem Vertragswerk zu kommen. Dieses sah nämlich vor, dass Clariant bei einem einseitigen Übungsabbruch eine Strafzahlung von 210 Millionen Dollar und bei einem Nein der Aktionäre von 60 Millionen an Huntsman leisten müsse. Offenbar gelang es Kottmann, sein Gegenüber Peter Huntsman vom Streichen dieser Strafzahlung zu überzeugen. Was an ihm hängen bleibt, sind aufgelaufene Fusionskosten der eigenen Anwälte, Berater und Investmentbanker in der Höhe von geschätzten 20 Millionen.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Klar ist: Konzernchef Kottmann und Clariant-Präsident Rudolf Wehrli haben eine Niederlage erlitten. Doch es ist im Interesse der Firma, der Aktionäre und der Mitarbeitenden, wenn zumindest der Konzernchef an Bord bleibt. Immerhin hat er es in den letzten Jahren mit Bravour geschafft, aus einer angeschlagenen Chemie-Firma einen respektierten Markteilnehmer zu formen.

White Tale gehört in den Verwaltungsrat

Was Kottmanns aber dringend lernen muss: Künftig kann er sich nicht mehr als Alleinherrscher im Unternehmen gebärden und dem Verwaltungsrat den Takt vorgeben. Dieser ist zwar weiterhin schwach besetzt, dafür hat er jetzt mit White Tale einen zweiten Ankeraktionär im Boot, auf den er Rücksicht nehmen muss. Zu erwarten ist aber auch, dass White Tale mit 20 Prozent der Stimmen zumindest einen Sitz im Verwaltungsrat einfordern wird.

Das wäre für alle Stakeholders ein Segen. Mit einem Sitz von White Tale im Verwaltungsrat würde die Qualität des Strategiegremiums markant verbessert und es würden all jene Gemüter beruhigt, die den Amerikanern nur einen kurzfristigen Horizont unterstellen. Ein Glücksfall wäre es gar, wenn man sich gemeinsam auf einen Alleingang von Clariant einigte und an dem von Kottmann vor Jahren eingeschlagenen Kurs mit Fokus auf hochmargiges Geschäft festhalten würde.

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