Grausig, die Grillen! So reagieren viele auf die Nachricht, dass Coop neu Insekten verkauft. Dabei serviert der Detailhändler seinen Kunden vorerst nur die Light-Variante: Falafel und Burger mit verarbeitetem Mehlwurmmehl, maximaler Insektenanteil: 31 Prozent. Und das zu Recht. Denn der Schweizer Konsument ist nicht besonders probierfreudig. Wie wenig er bereit ist, von Altbewährtem abzuweichen, zeigt sich etwa beim Handy-Vertrag oder Bankkonto.

Die meisten Swisscom-Kunden behalten ihr teures Abonnement, obwohl es wesentlich günstigere Optionen gäbe. Ebenso viele bleiben bei der Bank, bei der sie schon immer waren. Ähnlich irrational wird der Kunde wohl bei Käfer und Co. vorgehen. Er pult sich durch haufenweise Shrimps, aber die Heuschrecke verschmäht er. Er beisst genüsslich in Chicken-Nuggets aus undefinierbaren Poulet-Abfällen – aber Mehlwurmbällchen kriegt er nicht runter. Dabei sind die Krabbelviecher besser für die Umwelt, sie bieten mehr Nährstoffe als das Cordon bleu und sind dank einem geringen Fettanteil besser für die Linie.

Ernährungstrend «Insektoflexitarier»

Hat das Gekräuch also gar keine Chance, einen Platz auf den Schweizer Tischen zu ergattern? Vielleicht in der Nische. Etwa bei gelangweilten Vegetariern, die sich nicht trauen, endgültig zum Flexitarier – also gelegentlichen Fleischesser – zu mutieren. Wenn sich alle vor Insekten ekeln, könnte die Hemmschwelle geringer sein, diese noch vor dem Steak auf den Speiseplan aufzunehmen. Der Insektoflexitarier würde garantiert beim nächsten Apéro oder in der Mittagspause Gesprächsstoff liefern.

Vielleicht müssen aber auch erst die Foodblogger ans Werk und ihre grünen Smoothies mit Grillen & Co. anreichern, bis der Durchschnittsesser sich an Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer traut.

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