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Meinung
Jean-Claude Bivers neue Smartwatch ist ein Geniestreich

Jean-Claude Biver: Die neue Connected Modular ist ab sofort für rund 1650 Franken zu haben. Keystone

Jean-Claude Biver zeigt der Schweizer Uhrenindustrie, wie der Weg ins nächste Jahrzehnt aussieht: mit der Symbiose von Silicon Valley und Schweizer Tradition.

Marcel Speiser
Kommentar  
Von Marcel Speiser
am 14.03.2017

Die zweite Version der Luxus-Smartwatch von TAG Heuer ist ein Geniestreich. Ein strategischer Wurf, der ganz klar die Handschrift von Uhren-Zampano Jean-Claude Biver trägt. Der Chef der Uhren-Division des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH ist ein Visionär, der stets das Neue sucht. Dabei aber ist er tief verwurzelt in den Traditionen seines Metiers.

Und das zeigt sich exemplarisch an seiner neuen Uhr: Sie vereint traditionelle Uhrmacherkunst mit der allerneusten Technologie. Wobei der Kunde jederzeit frei wählen kann, was ihm gerade wichtiger ist. Egal, ob er an der Supermarkt-Kasse mit seiner Smartwatch bezahlen will oder ob er am Abend seine Freunde mit einer klassisch-mechanischen Schweiz Uhr beeindrucken will: Biver respektive die TAG Heuer Modular 45 kann alles. Die Uhr ist die richtige für jede Situation.

Umsatz in hoher Kadenz

Noch viel wichtiger aber ist, dass Biver mit der Modular eine Uhr erfunden hat, die bei TAG Heuer nicht nur beim Kauf einmalig die Kassen füllt. Vielmehr wird sie in hoher Kadenz für Umsatz sorgen. Kunden können sich neue Gehäuse, Bänder, Verzierungen, ja ganze neue Uhr-Werke bis hin zu einem Tourbillon-Werk kaufen. Die Uhr ist nicht nur eine Uhr, sondern ein System, das fast nach Belieben erweitert und personalisiert werden kann. Bereits im vergangenen Jahr haben die Umsätze mit der ersten Smartwatch dafür gesorgt, dass TAG Heuer entgegen dem Markttrend deutlich zugelegt hat. Dieses Jahr dürfte sich dies akzentuieren - auch dank Bivers cleveren Modular-Verkaufsmaschine.

Hier sehen Sie die neue TAG Heuer Modular in Bildern.

Hinzu kommt, dass Biver mit der Modular 45 etwas geschaffen hat, das ganz klar ein Luxusgut ist. Ab minimal 4000 Franken kann man in die mechanisch-smarte Welt eintauchen. Luxuskunden können aber auch sechsstellige Frankenbeträge loswerden. Erstmals stösst damit eine Smartwatch in wirkliche Prestige-Dimensionen vor. Und das ist etwas, was Elektronik-Unternehmen wie Apple oder Samsung vorerst nicht schaffen werden, selbst wenn sie - wie Apple - mit Luxuskonzernen wie Hermes Kooperationen suchen. Konkret: Kunden mechanischer Zeitmesser führt Biver in Versuchung, die Vorzüge einer Smartwatch zu testen. Umgekehrt führt er Smartwatch-Kunden in die Welt Schweizer Uhrmacherkunst ein.

Vorbild für die ganze Schweizer Branche

Das ist clever – und könnte für die ganze Schweizer Branche ein Vorbild sein. Denn es kann der hiesigen Industrie neue, junge Kundengruppen erschliessen. Biver versteht es ohnehin meisterhaft, sich dort breit zu machen, wo die Jungen sind. Er hat für TAG Heuer Superstar-DJs als Markenbotschafter engagiert, sponsort diverse Fussballmannschaften. Und jüngst hat er sich gar als Partner des Computerspiels Gran Turismo - seit Jahren eines der beliebtesten Games weltweit - etabliert. Sein Ziel ist klar: Er will seine Uhren als etwas darstellen, das nicht nur für Herren mittleren Alters attraktiv ist.

Biver mag nach gängigen Massstäben selbst schon im Rentenalter sein. Aber er hat heute der Schweizer Uhrenindustrie gezeigt, wie ein Weg ins nächste Jahrzehnt aussehen kann: mit der Symbiose von Silicon Valley und Schweizer Tradition.

 
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