Sie schwingen am liebsten Rosenkranz und Bibel - und die Moralkeule. An vorderster Front werben christliche Kirchen und ihre Organisationen - Brot für alle, Heks, Fastenopfer und die Jesuiten - für die Konzernverantwortungsinitiative, in deren Trägerschaft sie sitzen. Sie füllen dafür Pfarrblätter ab, die immer weniger gelesen werden, verbreiten einseitige Stellungnahmen - und finanzieren ihre Pamphlete erst noch mit Zwangseinnahmen der hiesigen Firmen.
 
Ausgerechnet die Kirchen, die in Afrika, Südamerika und Asien als Missionare bis heute die Menschen mit mehr oder weniger Zwang zum «einzig richtigen» Glauben umpolen und so kulturimperialistisch gewachsene Strukturen zerstörten und den Boden für die wirtschaftliche Nutzung dieser Regionen legen, wollen dort nun die Menschenrechte und Lebensweisen schützen - das heisst durch die «Konzerne», die bei uns ansässig sind und Steuern zahlen, schützen lassen.
 

Das Image der Wirtschaft wird vorsätzlich beschädigt

 
Es stellt sich die Grundsatzfrage, wo die Verantwortung anzusiedeln ist. Der internationale Handel ist eine schier unendlich lange Kette: Arbeitendes Individuum, Gewerbe, Unternehmer, Staaten, internationale Handelsfirma, Konsument. Mit dieser Initiative soll die Verantwortung allein den «Konzernen» zugeschoben werden.
 
Das ist billig, perfid, verlogen: Man isoliert einen einzigen Akteur, dessen Image man vorsätzlich beschädigt und den man politisch angreifen kann. Warum nicht den Staat unter Druck setzen, der sich um Menschenrechte foutiert und die eigene Bevölkerung malträtiert? Wie wäre es mit Simbabwe oder Kuba? Etwa durch den Entzug von Hilfsgeldern? Oder weshalb nicht die Konsumenten in die Pflicht nehmen und sie auf ihre Fruchtimporte aus Barbarenstaaten hinweisen?
 
Die gesamte Initiative aber ist auf dem beliebten Sündenbock-Mechanismus aufgebaut - schuld an allem ist die böse Wirtschaft.
 
Dabei ist diese Initiative, die von den Kirchen flächendeckend unterstützt wird, absolut unnötig, unwirksam, illusionär: Die «Konzerne» können die Staaten, in denen sie tätig sind, ja gar nicht zu arbeitsrechtlichen und anderen Änderungen zwingen - sonst sind sie imperialistisch. Wie sollen zweitens die in der Schweiz ansässigen «Konzerne» die ganze Welt retten? Und: Wollen wir mit Schweizer Recht, Schweizer Richtern, Schweizer Anwälten die Welt beglücken? Und wenn es den Firmen wegen drohender Rechtsunsicherheit, Beweisumkehr, Rundumhaftung, Bürokratie, Mehrkosten hierzulande verleidet, dislozieren sie nach Deutschland oder in die USA.
 

Die nächste Niederlage für die Glaubensbrüder

 
Die scharf links politisierenden Kirchen haben in letzter Zeit alle Abstimmungen, in die sie sich eingemischt haben, verloren: Grüne Wirtschaft, Zuwanderung, Heiratsstrafe, Nahrungsmittelspekulation, Erbschaftssteuer, Kriminellen-Ausschaffungen. Die Konzernverantwortungsinitiative wird - hoffentlich - die nächste Absage sein, welche die Volksmehrheit den heiligen Imperialisten erteilt.
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