Es sind Aussagen, die aufhorchen lassen. «Die öffentliche Vorstellung über die Medikamentenpreise ist komplett verzerrt. Der Prämienanstieg hat nichts damit zu tun», sagt Roche-Chef Severin Schwan in einem Interview von «20 Minuten». Weiter sagt Schwan, dass Medikamente nur zehn Prozent der Gesundheitskosten ausmachen würden. Und dass die Preise in der Schweiz in den letzten Jahren gesunken seien.

Einem fairen Faktencheck halten Schwans Aussagen nicht Stand. Europas bestbezahlter Manager erzählt immer nur jenen Teil der Wahrheit, die seinen Interessen als Verkäufer von Medikamenten dient.

Richtig ist, dass die öffentliche Schweizer Statistik – zusammengestellt vom Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) – die Medikamentenkosten mit rund zehn Prozent ausweist. Darauf bezieht sich Schwan. Allerdings weiss auch er, dass dabei ein wichtiger Teil der Medikamente ausgeklammert wird. Nämlich jene Präparate, die während Spitalbehandlungen eingesetzt werden. Das BAG rechnet sie den Spitalkosten zu. Die allermeisten Produkte von Roche tauchen in dem von Schwan bemühten Prozentsatz also gar nicht erst auf. Es sind notabene genau jene Produkte, die in der Regel besonders teuer sind. Teuer, aber auch innovativ.

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Medikamentenpreise seit 2012 stark gestiegen

Kommt hinzu: Die Preise für Einzelmedikamente wurden in den letzten Jahren durch staatliche Eingriffe und gegen das Lobbying der Pharmaindustrie tatsächlich leicht gedrückt. Fakt aber ist auch, dass die Medikamentenkosten zwischen 2012 und 2015 um zwölf Prozent gestiegen sind. Das jedenfalls geht aus den Daten der Krankenversicherung Helsana hervor, die als repräsentativ für den Gesamtmarkt einzustufen sind.

Und: In jenem Therapiebereich, in dem Roche Weltmarktführer ist – die Behandlung von Krebs –, sind die von der Helsana ausgewiesenen Kosten fast doppelt so stark, nämlich um 21 Prozent, gestiegen. Ausgerechnet in einem Bereich, in dem die Kosten pro Behandlung ohnehin schon hoch sind – auch deshalb, weil die Präparate so teuer sind.

Kurz: Schwan erzählt nur die halbe Wahrheit. Redlich ist das nicht.