Was für ein Tag! High Noon in Springs Flield, dem Sitz der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA. Er habe noch nie ein so aufregendes Experten-Panel erlebt, schrieb der Reporter von Pharmaportal Stat in seinem Live-Blog zum ersten Zulassungsentscheid in Sachen CAR-T gestern.

Auf dem Tisch lag ein Dossier des Basler Pharmakonzerns Novartis für die Zulassung einer CAR-T-Therapie für die Behandlung von Kindern mit akuter lymphoblastischer Leukämie, bei denen etablierte Standardtherapien wie Chemotherapie und Knochenmarktransplantationen nicht zur Heilung führen. Das ist bei 10 bis 15 Prozent der erkrankten Kinder der Fall.

Kampf gegen Leukämie

CAR-T ist eine revolutionäre Krebstherapie, bei der erstmals mit den Zellen des einzelnen Patienten gearbeitet wird. Dem Patienten werden weisse Blutkörperchen entnommen, anschliessend werden sie genetisch zu Krebskillern getunt und am Schluss werden sie wieder ins Blut des Patienten initiiert.

Die Zulassung zeigt, dass es sich für ein Pharmaunternehmen durchaus lohnen kann, gegen den Strom zu schwimmen und Therapieansätze weiter zu verfolgen, bei denen am Anfang manch einer nur den Kopf schüttelt. Zu gefährlich, nicht kommerzialisierbar, unbezahlbar hiess es nämlich, als Novartis 2012 zusammen mit der Universität von Pennsylvania in die Entwicklung der Technologie einstieg.

Es wird eng

Gewiss, das Zauberwort in der Immunonkologie heisst nicht CAR-T, sondern Checkpointinhibitor. Wer als Pharmaunternehmen heute in der Immunonkologie vorne mitschwimmen will, der braucht eines dieser kleinen Moleküle, die es schaffen, die Abwehrmechanismen der Krebszellen gegen die körpereigene Immunabwehr auszuschalten. Hier sind in den nächsten Jahren die Milliardenumsätze zu holen, die Investoren zum Träumen bringen.

Gewiss, das gilt auch für Novartis, wo, anders als bei Roche, der erste Checkpointinhibitor noch immer auf sich warten lässt. Wenn das Unternehmen als Krebsmedikamentenhersteller weiter in der obersten Liga spielen will, dann braucht es auch hier bald Resultate.

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Nicht nur auf ein Pferd setzen

Doch es gibt auch gute Gründe, nicht nur auf ein Pferd zu setzen. Bereits zeichnet sich nämlich ab, dass es bei den Checkpointinhibitoren zu einem Gerangel kommen wird. In der Immunonkologie gebe es bedeutende Überschneidungen bei den Portfolios, schrieb das Beratungsunternehmen EY Anfang Jahr. Zur Zeit seien zwanzig verschiedene Antikörper in der klinischen Entwicklung.

Je mehr von ihnen ins Ziel einlaufen, desto kleiner werden die Kuchenstücke, die es für die einzelnen  Unternehmen zu holen gibt, und desto grösser wird der Preisdruck. Es kann sich also durchaus auszahlen, wenn man noch andere Köcher im Pfeiler hat – zumal in einer Zeit, in der die Geschichte ständig neu geschrieben wird, wie das bei der Immunonkologie der Fall ist.