Es kommt selten gut, wenn sich Politiker als Manager gerieren. Genau dies tun sie derzeit jedoch bei der Post und der SBB. Gestern sprach sich der Nationalrat dafür aus, dass die SBB ihre Drittverkaufsstellen nicht schliessen darf. Das Bahnunternehmen will diesen Verkaufskanal nicht mehr aufrechterhalten, weil  immer mehr Kunden ihre Fahrscheine via Internet und Handy erwerben – und die Billetterlöse an Kiosken, Poststellen und bei privaten Stationshalter auf mittlerweile weniger als ein Prozent des gesamten Billetterlöses geschrumpft sind.

So verständlich der Schritt der SBB aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist, im Bundeshaus wird er bekämpft. Eine Überraschung ist das nicht: Die Einmischung ins operative Tagesgeschäft der Bundesbetriebe hat in Bundesbern Programm. Wenn die SBB ihre Durchsagen in den Zügen reduzieren will, eine Zusammenarbeit mit Uber ins Auge fasst, oder auch nur  ein Bahnhofsrestaurant mit vegetarischer Küche  eröffnet – irgendein Hinterbänkler findet sich immer, der sich im Parlament  dagegen zur Wehr setzt – und der für sein Anliegen gar noch mit Mehrheiten in den Räten rechnen darf.

Vorletzte Woche traf der Bannstrahl der Politik bereits die Post: Obwohl immer weniger Menschen die Postschalter nutzen, sprach sich der Nationalrat dafür aus, die Auflagen für die Schliessung von Poststellen sogar noch zu erhöhen. Dass diese Filialen tiefrote Zahlen schreiben, interessierte die Strukturerhalter  im Parlament nicht.

Überflüssiges Moratium für Drittverkaufsstellen

Um Missverständnisse zu vermeiden: SBB und Post sollen keinen Freipass für den Abbau von Service Public- Leistungen erhalten. Der Bund als Eigentümer sollte sich jedoch  darauf beschränken, übergeordnete Leistungsaufträge und Ziele zu definieren, die eine sichere Grundversorgung garantieren. An diesen Zielen sollen die Unternehmen dann gemessen werden. Dass die SBB in jedem Dorf eine bediente Verkaufsstelle aufrecht erhalten muss, ist jedoch nicht Teil der Grundversorgung. Entsprechend überflüssig ist das vom Nationalrat geforderte Moratorium für die Schliessung von Drittverkaufsstellen.

Der Entscheid des Nationalrats macht aber auch aus ökonomischer Warte keinen Sinn. Im Zuge der Digitalisierung wandeln sich die Bedürfnisse der Menschen – und das führt oftmals zu schmerzhaften Veränderungen. Weil sie Kleider und Lebensmittel immer häufiger online bestellen, müssen viele Läden schliessen. Und weil die Leute ihre Bankgeschäfte online tätigen, verschwinden überall Bankfilialen. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, den Banken und Detailhändlern zu verbieten, zum Rotstift zu greifen.

SBB und Post drohen den Anschluss zu verlieren

Bei den Bundesbetrieben erachtet es die Politik dagegen als opportun, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Doch der Ruf nach einem Strukturerhalt wird sich rächen: Die Politik macht damit aus den heute einigermassen agilen Post und SBB Staatskolosse, die nicht mehr mit der Konkurrenz Schritt halten können. Am Schluss werden die ständig neuen Fesseln zu einer Verteuerung ihrer Angebote führen.

Kommt es so weit, werden die Politiker in Bern die ersten sein, die wieder Zeter und Mordio schreiben, wenn die Bundesbetriebe ihre Preise erhöhen.

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