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Meinung
Telekom: Letzte Chance für den Wettbewerb

 

Mobilfunkanbieter Salt steigt ins Festnetzgeschäft ein. Möglicherweise die letzte Chance, den eingeschlafenen Wettbewerb im Schweizer Telefonmarkt neu zu beleben.

Kommentar  
Von Michael Heim
am 01.02.2017

Die Vereinbarungen zwischen Salt und den Glasfasernetzen stimmen optimistisch. Sollte der Mobilnetzbetreiber mit einem breiten Angebot auf Konfrontation mit Swisscom und UPC gehen, so würde das den Markt so sehr beleben, wie kaum etwas zuvor.

In den letzten Jahren ist es ruhig geworden auf dem Telekommarkt. Zum Schaden der Konsumenten. Sie bezahlen – trotz Preissenkungen – noch immer deutlich mehr als Kunden in anderen europäischen Ländern. Zufall oder nicht: In keinem Land hat der frühere Staatsmonopolist einen so hohen Marktanteil wie hierzulande die Swisscom.

Der Telekommarkt ist eingeschlafen, keiner will sich wehtun

Um die Swisscom herum scheinen sich die Anbieter mehr oder weniger gemütlich eingerichtet zu haben. Sunrise hat den aggressiven Kurs, den sie einst unter Chrisoph Brand geführt hat, aufgegeben und buhlt mit Aushängeschild Roger Federer um den Mittelstand. Die frühere Orange hat gar nicht erst versucht, die Swisscom preislich zu unterbieten.

Zum letzten Mal richtig aufregend war es in der Branche, als die Swisscom ins TV-Geschäft einstieg und kurz darauf UPC Cablecom unter dem neuen Chef Eric Tveter die wohl erste dynamische Phase überhaupt erlebte. Doch das ist lange vorbei. Swisscom TV hat sich etabliert, UPC beschäftigt sich vor allem noch mit dem historisch einmaligen Projekt, Österreich und die Schweiz zu verschmelzen.

Unter einer Festnetzoffensive von Salt dürfte vor allem UPC leiden. Ausgerechnet. Denn sie war bisher der natürliche und erklärte Partner von Salt. Der eine hatte kein Festnetz, der andere kein Mobilnetz. Letzteres borgt sich UPC seit einigen Jahren bei Salt, um den eigenen Kunden ein Vollsortiment anbieten zu können. Oft wurde über eine Kooperation beim Festnetz spekuliert. Doch das war offenbar technisch oder organisatorisch zu schwierig.

Jene Kunden, die selber diese Konstellation für sich gewählt haben – Internet von UPC, Handy von Salt – dürften die ersten sein, die sich einen Wechsel zu einem Salt-Vollsortiment überlegen. Sie profitieren nicht von Paketrabatten, wie es sie bei Swisscom und Sunrise gibt. Ein Swisscom-Kunde dagegen wechselt fürs Fernsehen kaum zu Salt.

Dank Xavier Niel könnte die Weko doch noch recht bekommen

Kommt nun etwas Bewegung in den Telekommarkt, ist das nicht zuletzt eine späte Genugtuung für die Wettbewerbskommission. Sie musste sich böse Worte anhören, als sie 2010 die Fusion von Sunrise und Orange verbot – aus Angst, es könne ein mächtiges Duopol mit der Swisscom entstehen. Für viele war das ein Fehlentscheid, da man Orange und Sunrise separat für nicht potent genug hielt, um die Swisscom angreifen zu können. Weil nach dem Verbot die Aktionäre von Orange (France Télécom) und Sunrise (TDC) die Lust auf Schweizer Abenteuer verloren, schienen die Kritiker bald auch recht zu bekommen. Der Wettbwerb schlief ein.

Es wäre zu schön, würde Salt-Eigentümer Xavier Niel die Kritiker von damals nun doch noch widerlegen. Es wäre bitter nötig.

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