Können die Banken Apple Pay noch aufhalten? Diese Frage höre ich oft, seit bekannt ist, dass Apple auch den Schweizern das Bezahlen mit seinen Handys beibringen will. Doch ich höre die Frage nur ausserhalb der Payment-Branche. Denn dort wissen alle: Nein, das geht nicht. Der Grund ist einfach: Apple Pay ist zu gut. Das hat weniger mit Apple zu tun als damit, wie Apple Pay funktioniert.

Handys haben heute die gleiche Funktechnologie eingebaut wie Kreditkarten. Werden sich Handy-Bauer und Kreditkartenfirmen einig, braucht es wenig, um aus dem Telefon ein Portemonnaie zu machen. Überall, wo Karten akzeptiert werden, funktioniert dann auch das Bezahl-Handy. Gleichzeitig kann die Allianz genutzt werden, um Online-Shopping zu erleichtern. Die installierte Kreditkarte übernimmt beim Einkauf mit dem Handy automatisch das Bezahlen. Das ist elegant.

Apple Pay ist da. Samsung kommt bald

Apple Pay ist da. Samsung kommt bald. Beides wird funktionieren. Damit ist das System Apple Pay eigentlich zum Erfolg verdammt. Genau wie ähnlich gelagerte Kooperationen von Samsung, Google und Microsoft. Die Idee ist immer dieselbe. Der eine organisiert den Zugriff aufs Telefon, der andere liefert ein Kreditkartenkonto. Samsung führt bereits Gespräche mit Detailhändlern in der Schweiz. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Samsung Pay lanciert wird.

Anzeige

Dagegen kämpfen die Schweizer Banken an. Die Twint-Allianz ist ein eigentliches Payment-Reduit. Da haben sich Firmen zusammengeschlossen, die in der Vergangenheit kaum miteinander geredet haben. Unter das Dach des trägen Six-Konzerns gestellt, soll Twint gleichzeitig die Wünsche aller Banken und des Schweizer Detailhandels befriedigen und zugleich die Konsumenten davon abhalten, zu Apple, Samsung und Google überzulaufen.

Twint versucht es, indem es an den Patriotismus appelliert und gleichzeitig mit Stempelkarten und massgeschneiderten Rabatten wirbt. Den Handel kann man damit sicherlich umwerben, aber die Konsumenten? Zweifel sind zumindest angebracht. Schliesslich hat längst nicht jeder eine Cumulus oder Superpunkt-Karte. Bei Twint ist diese jedoch obligatorisch eingebaut. Mehr oder weniger.

Die Debitfunktion könnte ein Argument für Twint sein

Dabei gäbe es für Twint durchaus ein Argument. Das zeigt die alte, physische Welt. Jahrzehnte nach der Einführung von Visa und Mastercard bezahlen die Schweizer noch immer am liebsten mit den Debitkarten Postcard und Maestro, obwohl sie da keine Umsatzprämien oder kostenlosen Reiseversicherungen erhalten. Der Grund dafür ist wohl alleine, dass es sich bei diesen Karten gerade nicht um Kreditkarten handelt. Denn Schweizer lieben die Kontrolle. Und Debitkarten, die jeden Einkauf direkt auf dem Konto belasten, verschonen sie vor Überraschungen.

Das will auch Twint können, bloss umgesetzt wurde es bisher mehrheitlich nicht. Schafft es Twint-Chef Thierry Kneissler, dass sein Produkt am Ende gleich elegant funktioniert wie Apple Pay – das ist heute nicht der Fall – , und liefert er gleichzeitig die Debitfunktion, hat Twint eine Chance. Sonst nicht.