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Startup
«Die Schweiz und London sollten jetzt eng kooperieren»

 

Fintech-Guru Eric van der Kleij über den Startup-Platz Schweiz und die Besonderheit des Kickstart-Accelerators.

Kommentar  
Von Stefan Mair
am 15.08.2016

Eric van der Kleij hat den Startup-Platz London und vor allem die dortige Fintech-Szene entscheidend geprägt. Er baute den Level39 Accelerator in London auf und führte das Programm Tech-City. Er ist Berater des Kickstart Accelerator von Digital Zurich 2025, bei dem ­Startups aus aller Welt ab Mitte August für elf Wochen an ihren Geschäftsmodellen arbeiten und dabei von ­Grossfirmen und Mentoren unterstützt werden.

Eric Van der Kleij glaubt an das Modell der Co-Opetition
Können Sie sich noch an das erste Schweizer Startup ­erinnern, das auf Ihrem Radar aufgetaucht ist?
Eric van der Kleij: Ich denke, das war Advanon. Mich beeindruckte die Tatsache, dass die Gründer direkt von Google kamen und relevante Preise gewonnen haben. Die Gründer haben eine Firma rund um das Thema KMU-Finanzierung gegründet und bringen sie gerade auf ein neues Level.

Welche Rolle spielt die Schweiz heute als Standort für Startups im europaweiten Vergleich?
Ich war positiv überrascht, dass es ein sehr ernsthaftes Interesse gibt, noch besser zu werden. Wenn ich an den Schweizer Finanzplatz denke, der immer noch sehr stark ist, habe ich oftmals das Gefühl, dass er etwas unzugänglich für Startups und deren Produkte ist. Die Digital-Zurich-2025-Initiative bringt eine Community zusammen, die die Dinge ändern will. ­Eigentlich das, was wir auch bei Tech-City in London gemacht haben. Als ich gemerkt habe, dass die grössten Sponsoren des Programms gleichzeitig die grössten Schweizer Firmen sind und nicht nur Geld geben, sondern POC (Machbarkeitsstudien und -nachweise) machen, merkte ich, dass sie sich wirklich engagieren.

Was unterscheidet denn das Kickstart-Programm von anderen Accelerator-Programmen?
Es ist das Konzept, dass die grössten Wettbewerber miteinander arbeiten. Ich nenne das Konzept «Co-Opetition». Wettbewerber kooperieren, um eine ganze Branche voranzubringen. Oft sieht man eine einzelne Firma, die einen Accelerator betreibt – Kollaboration im Bereich Innovation ist schwieriger zu ­managen, aber der Gewinn für alle Seiten ist höher. Mit ein bisschen Glück bemerken die Firmen, dass diese Offenheit für Innovation ein Treiber für die Transformation ihres eigenen Geschäfts ist. Diese POC und die Co-Opetition sind die zwei herausragenden Bestandteile dieses ­Programms. Und ich muss sagen, dass auch die tolle ­Location in Selnau dem Programm helfen wird.

Sie haben den Startup-Platz in London lange begleitet, der jetzt mit dem Brexit konfrontiert ist. Eine Chance für den Startup-Platz Schweiz?
Es gab vielleicht noch nie einen besseren Zeitpunkt für die Schweiz und das Vereinigte Königreich, eng zusammenzuarbeiten. Bedenken Sie die Ähnlichkeiten zwischen unseren Ländern. Wir haben einen sehr starken Finanzsektor und wir haben beide den starken Willen, die digitale Transformation zu schaffen. Das Vereinigte Königreich mag der Schweiz in einigen Bereichen ­voraus sein, aber die Situation des Brexit ist förmlich eine Aufforderung, zu kooperieren. In anderen Punkten, etwa wenn man an die vielen Handelsabkommen denkt, ist uns die Schweiz voraus und wir können von ihr lernen. Ich denke, wir werden an einen Punkt ­kommen, an dem Startups in der Schweiz und im Ver­einigten Königreich jeweils uneingeschränkten Zugang zum Konsumenten- und Investorenmarkt der beiden ­Länder haben. Wenn das passiert, können diese ­Länder eine Führungsrolle in Europa übernehmen.

 

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