Die Business-Idee
Bei 95 Prozent der Zahnimplantationen ist Handarbeit der Zahnärzte gefragt. Sie setzen die Implantate ohne technische Ausrichtungshilfe ein. Bei rund einem Viertel der Eingriffe kommt es zu Komplikationen, weil die Implantate nicht optimal positioniert werden. Zahnärzte, die nicht freihändig hantieren wollen, verwenden teils sogenannte Bohrschablonen. Die sind aber für den Patienten schmerzhaft und teuer. Mininavident hat deshalb ein miniaturisiertes Navigationssystem entwickelt, das ein präziseres Setzen der Implantate ermöglicht. Es besteht aus einer auf den Bohrer aufgesetzten Minikamera, einer Software und einem keramischen Marker. Das Gerät liefert dem Zahnarzt laufend Bilder von Kieferknochen, Zähnen und Nervenstrukturen. Es zeigt ihm die korrekte Posi­tion, den Eintrittswinkel und die Bohrtiefe für das Implantat an und lotst ihn millime­tergenau an die richtige Stelle. Das Risiko von Fehlern und Verletzungen ist mit dem neuen System deutlich geringer. Mininavident-Chef Frank Berlinghoff will das neue System an Zahnarztpraxen und Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgiekliniken verkaufen. «Ziel ist, dass unser System in den nächsten Jahren zum Standard wird», sagt Berlinghoff.

Die Gründer
Eine Gruppe erfahrener Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen sowie Medizintechnik-Ingenieure gründete das Startup 2013 als Spin-off des Unispitals Basel und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Dort hatte eine Arbeitsgruppe beider Hochschulen schon entscheidende Entwicklungsarbeit geleistet. Die eigentliche Idee lieferten die Professoren Hans-Florian Zeilhofer und Erik Schkommodau sowie Privatdozent Philipp Jürgens. Sie hatten, basierend auf ihrer beruflichen Erfahrung, einen «Vorpiloten» entwickelt. Die drei gründeten das Startup, das seine Wurzeln damit im klinischen Alltag hat. Als Vierten holten sie den Ingenieur Frank Berlinghoff mit an Bord. Er bringt 25 Jahre Erfahrung aus verschiedenen Führungspositionen in der Dentalindustrie mit. 

Der Markt
Weltweit setzen Zahnärzte jährlich rund 14 Millionen Patienten Implantate ein. Primäre Zielgruppe von Mininavident ist die schnell wachsende Zahl von Praxen und Kliniken, die beim Implantieren heute schon 3D-Visualisierung verwenden. Denn das Kamerasystem des Startups ist mit jeder gängigen 3D-Implantations-Planungssoftware kompatibel. Rund 1000 bis 2000 ihrer Denacam-Systeme möchten die Basler nach der Lancierung jährlich verkaufen. Angesichts des riesigen Marktes mutet diese Zielsetzung eher bescheiden an, umso mehr, als derzeit kaum ernsthafte Konkurrenten auszumachen sind. Nach erfolgreichen Tests mit Prototypen ist Mininavident momentan daran, das Denacam-System weiter zu miniaturisieren. Die Produktion wird an industrielle Partner ausgelagert. Bei der auf 2017 geplanten Markteinführung kooperiert das junge Unternehmen mit etablierten Grössen aus der Dental­industrie.        

Das Kapital
Mininavident hat über zwei Finanzierungsrunden 2,8 Millionen Franken in­vestiert. Hinzu kam ein KTI-Projekt, das in ­Kooperation mit der Fachhochschule Nordostschweiz und dem Unispital Basel abgewickelt wurde. Noch in diesem Jahr
ist laut Berlinghoff die «dritte und letzte» Finanzierungsrunde über 1,5 Millionen Franken vorgesehen. Nachdem Mininavident im letzten Jahr das CTI-Label erhalten hat und im November mit dem renommierten Swiss Technology Award 2015 ausgezeichnet worden ist, dürfte die Beschaffung der Mittel in diesem Fall nicht mehr allzu schwierig sein. Jedenfalls gäbe es bereits einige namhafte Interessenten.