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"Wir investieren 500.000 Franken in Nanolive"

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Penny Schiffer, Leiterin der Swisscom Startup-Initiative

Die Leiterin der Swisscom Startup-Initiative Penny Schiffer erklärt, welches Image Schweizer Jungfirmen im Silicon Valley haben und welche Gründer für die Swisscom-Startup-Challenge geeignet sind.

Stefan Mair
Kommentar  
Von Stefan Mair
2016-10-04

Vor wenigen Tagen endete die vierte Swisscom Startup-Challenge mit einer Roadshow ins Silicon Valley. Ihr Fazit?

Ich habe ein gutes Gefühl, weil die Startups viele unterschiedliche und für sie anregende und hilfreiche Termine hatten. Bei vielen dieser Termine kommt man an Informationen und Kontakte, zu denen man abseits eines solchen Programms einfach sehr schwer oder gar nicht kommt.

Die Startups kommen aus den verschiedensten Branchen. Gibt es eine Quote für einzelne Bereiche oder ist die Zusammensetzung Zufall?

Wir achten vor allem auf drei Kriterien: Die Qualität der Startups an sich, die Relevanz der Startups für die Swisscom und ob die Startups von so einer Reise überhaupt profitieren können. Die zehn Finalisten, die einen Pitch durchführen, erfüllen alle diese Voraussetzung. Und dann kann bei der Zusammensetzung alles passieren. Also es gibt keinerlei Quoten.

Eine Teilnehmerin vom letzten Jahr, Lea von Bidder von Ava, die ein Fruchtbarkeitsarmband entwickelt hat, ist jetzt in San Francisco aktiv. Ist diese Firmengeschichte der grösste Erfolg des Programms bisher?

Ava gehört sicher zu den Success-Stories. Das Projekt ist gelauncht, sie sind nach San Francisco gekommen, haben hier jetzt ihre Büros. Da hat die Reise sicher einen Beitrag geleistet und Swisscom Ventures hat auch investiert. Die Story ist also ideal abgelaufen von unserer Seite. Wenn sie dann für den Launch in der Schweiz kommen, hoffen wir natürlich, dass die Verbindung mit Swisscom weiter bestehen bleibt, etwas dass wir Ava in unseren Gadgetshop integrieren und weitere Formen der Kooperation finden.

Die Startup-Challenge hat also ganz klar auch das Ziel, Startups für die Swisscom heranzuzüchten?

Wir schauen natürlich, welche Startups für uns interessant sind. Im Bereich Internet of Things beispielsweise, im Bereich Fintech, im Bereich TV. Wir überlegen natürlich bei jedem, mit wem wir vertiefter Gespräche für eine Zusammenarbeit führen können. Wie etwa mit Ava vor einem Jahr.

Gibt es mit einem der diesjährigen Startups eine Vereinbarung?

Swisscom investiert 500'000 Franken in das Startup Nanolive. Das Hightech-Unternehmen ist ein Spin-Off der ETH Lausanne. Nanolive hat eine neuartige Technologie entwickelt, welche die dreidimensionale Erforschung lebender Zellen möglich macht, ohne diese zu beschädigen. 

Die Swisscom-Startupchallenge gibt es seit vier Jahren. Inzwischen poppen immer mehr Programme für Startups in der Schweiz auf. Spüren Sie die Konkurrenz?

Ja, es gibt Wettbewerb. In der Bewerbungsphase ging ich auch persönlich zu Startupevents hin und habe dafür geworben, das sie sich bewerben. Jedes Programm wird seinen konkreten Nutzen für die Startups beweisen müssen.

Wir haben sich Bewerberzahlen entwickelt?

In den letzten drei Jahren hatten wir pro Jahr etwa 150 Bewerber. In diesem Jahr waren es trotz stärkerer Konkurrenz 200.

Wie lange dauert es, bis das einwöchige Programm für alle fünf Startups steht?

Dieses Jahr waren es ab der Verkündung der Sieger ja nur fünf Wochen bis zum Abflug. Das ist sehr kurz. Wir haben uns mit jedem Startup zusammengesetzt und gefragt, was wollt ihr eigentlich genau im Silicon Valley erreichen. An Anfang kamen ganz viele Ziele zusammen, dann haben wir uns auf ein bis zwei konkrete Ziele fokussiert und dann schnellstmöglich mit dem Swisscom Outpost im Silicon Valley die Termine aufgesetzt. Die Startups selbst haben sich natürlich auch an der Terminfindung beteiligt.

Welches Image hat die Schweiz im Silicon Valley? Spielt das Land überhaupt eine Rolle bei den Investoren?

Ehrlich gesagt eher nicht. Es gibt generell eine positive Haltung was die Qualität der Technologie angeht. Wenn es darum geht, globales Wachstumspotenzial zu identifizieren, sind die Annahmen erst mal neutral bis negativ.

Welchen Sinn macht es dann mit Startups herzukommen?

Eben damit sie sich überlegen, wollen wir uns so aufstellen, damit wir die Erwartungen der Venture Capitalists hier efüllen. Wenn man in der Schweiz die Nummer 1 ist, ist man das eben noch nicht global. Es ist wichtig, dass die Startups das klar spüren und für sich entscheiden, ob sie den nächsten Sprung wagen.

Für wen eignet sich Programm nicht?

Für solche, die nicht mit Gedanken spielen ein globales Wachstumsmodell umzusetzen. Und für die, deren Branche hier keine Rolle spielt, etwa Pharma.

Ein Tipp für Schweizer Startups?

Bei vielen vermisse ich einen gewissen Sense of Urgency. Ich sehe das bei vielen ETH Startups, da braucht man teilweise anderthalb Jahre um zu entscheiden, ob man Gründer werden möchte. Es braucht mehr Geschwindigkeit, sonst hat man den Anschluss an den Markt schon verpasst. 

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