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Erfolgsmodell globalisierter Konzern in Gefahr?

Joris D’Incà, SchweizchefOliver Wymanam 18.12.2017

Schweizer Grosskonzerne stehen vor einer massiven Herausforderung: Wo sich einst grosse offene Märkte fanden, löst nun Protektionismus den Freihandel ab. Neue Überlebensstrategien für international strukturierte Unternehmen müssen her.

Brexit, US-Protektionismus, nationalistische Tendenzen: Diese Ereignisse verändern nicht nur die politische Ordnung. Sie sorgen auch in der Weltwirtschaft für einen nachhaltigen Umbruch, der insbesondere das Erfolgsmodell globalisierter Konzerne in Frage stellt.

Die Schweizer Grosskonzerne wie ABB, Roche, Swatch oder Nestlé fanden über Jahre hinweg nahezu ideale Bedingungen auf dem Weltmarkt vor, um Wachstum und Umsatz zu steigern. Wie viele andere Unternehmen aus der Schweiz haben sie sich aufgrund der überschaubaren Grösse des Binnenmarkts bereits sehr früh internationalisiert und die Vorteile global ausgerichteter Geschäftsmodelle genutzt. Regionen- und länderübergreifende Logistikketten, zentralisierte Fertigung in Niedriglohnländern, steueroptimierte Wertschöpfungsmodelle sowie geografisch flexibel eingesetztes Personal haben zu Skaleneffekten und beeindruckenden Ergebnissen geführt. Seit 1990 konnten die globalen Riesen aus der Schweiz ihre Marktkapitalisierung im Vergleich zu lokal ausgerichteten Unternehmen so um mehr als das Sechsfache steigern.

Gegenwind durch Handelsbeschränkungen und Regulierung

Doch die zunehmende Einflussnahme der Politik auf die Wirtschaft zwingt Konzerne zum Umdenken. Die Welthandelsorganisation WTO registriert in den G20-Ländern eine wachsende Zahl an protektionistischen Massnahmen, darunter Exportbeschränkungen sowie neue Quoten und Zölle. Seit 2008 wurden knapp 1.600 Handelsbeschränkungen neu eingeführt – wohingegen nur 400 entfielen.

Die Beschränkungen führen zu komplexeren Wertschöpfungsmodellen und Mehrkosten, zudem wird es immer schwieriger Talente zu rekrutieren und zu mobilisieren. Auch die Expansion innovativer Geschäftsmodelle scheitert oft an Regulierungen, die lokale Unternehmen vor „Disruption“ schützen sollen. Das zeigen nicht zuletzt die Beispiele Uber und Airbnb. Globale Konzerne werden ihre Geschäftsmodelle und Organisationen fundamental verändern müssen, um Handelsbeschränkungen und lokalen Regulierung besser begegnen zu können und weiterhin erfolgreich in unterschiedlichen Märkten tätig zu sein.

Von globaler Skalierung zu lokaler Multiplikation und Verankerung

Globale Konzerne werden Marketing, Fertigung und Entwicklung wieder verstärkt in die Zielmärkte dezentralisieren müssen. Dies erscheint auf den ersten Blick wie ein Rückschritt in vergangene Jahre. Allerdings stehen den Unternehmen heute neue Möglichkeiten offen, reduzierte Skaleneffekte auszugleichen. Mithilfe neuer Technologien wie Digitalisierung oder gezieltem Outsourcing können sie Standards und Know-how effizient multiplizieren und in verschiedenen Ländern einsetzen.

Im globalen Konzern der Zukunft sorgen internationale Netzwerke für Innovation und Bündelung von Know-how. Zentralisiert wird dort, wo trotz Beschränkungen ein globales Geschäftsmodell Sinn macht, etwa bei digitalen Angeboten.

Doch das ist nicht genug. Um in den Kernmärkten erfolgreich zu sein, müssen Konzerne ihre Geschäftstätigkeit weitaus stärker als bisher in der lokalen Wirtschaft und Gesellschaft verankern. Dabei sollte das Engagement weit über klassisches politisches Lobbying hinausgehen. Nur Konzerne, die gesellschaftliche Trends in den Märkten aktiv mitgestalten, werden als lokale Unternehmen wahrgenommen, und nicht als abstrakte Riesen in weiter Ferne.

Weitere Informationen: www.oliverwyman.ch