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Fussball
Countdown: 45 Tage vor der WM brennts in Brasilien

Vier WM-Stadien sind auch kurz vor dem Start noch in Bau. Die Fifa muss Tickets zurückhalten – weil sie nicht weiss, wie viele Plätze es geben wird. Zudem gefährden Ausschreitungen Brasiliens Traum.

Von Mathias Ohanian
am 29.04.2014

Der Countdown läuft: In gerade einmal anderthalb Monaten wird die Fussballweltmeisterschaft angepfiffen. Gastgeber Brasilien wird am 12. Juni das Auftaktspiel gegen Kroatien bestreiten. Stattfinden soll das Match in Sao Paulo – eigentlich. Das Problem: 45 Tage vor dem Start ist die Arena von des Fussballclub Corinthians noch immer nicht ganz fertig gestellt. Nachdem ein Arbeiter im März starb, verzögerten sich die Arbeiten.

Wie es scheint, sind drei weitere Stadien sind ebenfalls noch in Bau. Das hat sogar Auswirkungen auf die Ticketvergabe: Der Fussballweltverband sieht sich gezwungen, sieben Prozent der Tickets zurückzuhhalten: Die Fifa weiss bis zum heutigen Tage schlicht nicht, wie viele Sitzplätze am Ende in die Stadien eingebaut werden – und das, obwohl Brasilien mit sieben Jahren besonders viel Vorlaufzeit für die Vorbereitungen hatte.

«Wie können nicht sagen, wie viele Tickets es gibt»

«Wir können nicht exakt sagen, wie viele Tickets es gibt, weil wir die exakte Zahl der Plätze im Stadion nicht kennen» wird Thierry Weil, Marketingdirektor der Fifa, vom US-Webportal Soccerly.com zitiert. Demnach hätten alle zwölf Stadien bereits Ende Dezember vergangenen Jahres fertig sein müssen. Nur in sechs davon könnte heute jedoch angepfiffen – ausgerechnet in jenen Sportstätten, in denen letzten Sommer bereits der Confederations Cup ausgetragen wurde. 

Damit nicht genug: Laut übereinstimmenden Berichten hängen viele Infrastrukturbauten im öffentlichen Nahverkehr, bei Schienen, Strassen und Flughäfen weit hinter dem avisierten Zeitplan zurück. Entsprechend steigt die Frustration bei der Fifa – und in der Bevölkerung. Im Netz werden bereits Vergleiche mit dem misslungenen Start der Winterolympiade im russischen Sotschi in diesem Jahr gezogen.

Ausschreitungen bedrohen Brasiliens Traum

Die unfertigen Bauten indes sind nicht der einzige Hotspot. Sorgen bereiten zunehmend die Proteste der Bevölkerung. Vor der WM sind die Preise im Land kräftig gestiegen. Die Inflation liegt bei rund sieben Prozent. Zudem sind die hohen Wachstumsraten der Vorjahre vorerst Geschichte.

Die Ausschreitungen riefen in dieser Woche bereits Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari auf den Plan. Er warnte davor, dass die landesweiten Proteste die Titelchancen seiner Mannschaft gefährden könnten. Die Demonstrationen kämen zu einem ungünstigen Zeitpunkt, sagte er in einem Fernsehinterview. Noch bleiben anderthalb Monate Zeit – um die Bauten fertig zu stellen und die brasilianischen Landsleute zu befrieden.

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