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Meilenstein
Norwegens Staatsfonds könnte noch grösser werden

In Norwegens Staatsfonds haben sich eine Billion Dollar angesammelt. Das Land erwartet, dass der Fonds bald noch viel schwerer wird. Ob das Wachstum anhält, ist allerdings nicht sicher.

Norwegens Staatsfonds hat in dieser Woche zum ersten Mal die Marke von 1 Billion Dollar durchbrochen, angetrieben von steigenden Aktienmärkten und einem schwächeren US-Dollar. Laut Norges Bank Investment Management wurde der Meilenstein am Dienstag um 2.11 Uhr in Oslo erreicht. Und ein Ende des Wachstums ist laut Prognosen nicht in Sicht.

«Ich glaube nicht, dass jemand erwartet hatte, dass der Fonds jemals auf 1 Billion Dollar steigen wird, als die erste Überweisung von Öleinnahmen im Mai 1996 getätigt wurde», sagte Yngve Slyngstad, Chief Executive Officer des Fonds. «Das Erreichen von 1 Billion Dollar ist ein Meilenstein, und das Wachstum beim Marktwert des Fonds ist erstaunlich.»

Politiker kommen in Versuchung

Aber das grosse Vermögen, das ungefähr dem Bruttoinlandprodukt von Mexiko gleicht, ist nicht ausnahmslos eine gute Nachricht. Die schiere Grösse des Fonds hatte es zuletzt nämlich zu einer Herausforderung für den Fonds gemacht, Märkte zu finden, die gross genug sind, um zu investieren. Inzwischen können norwegischen Politiker auch nur schwer der Versuchung widerstehen, das weltweit grösste staatliche Sparschwein anzuzapfen.

Der Fonds hat nur wenige Konkurrenten in Bezug auf seine Grösse. Der japanische Government Pension Investment Fund kam zu Ende März auf 1,3 Billionen Dollar bei derzeitigen Wechselkursen. China verfügt über etwa 3 Billionen Dollar an Währungsreserven. Auch bei einigen Vermögensverwaltern und Fondsgesellschaften sind Geldberge zu finden, beispielsweise 5,7 Billionen Dollar bei BlackRock und 4,4 Billionen Dollar bei der Vanguard Group.

Tiefe Verwaltungskosten

Gross zu sein, das hat auch seine Vorteile, vor allem für eine schlanke Organisation wie Norges Bank Investment Management. Der Fonds beschäftigt nur rund 550 Mitarbeiter in Büros in der ganzen Welt, etwa in Oslo, New York, London, Schanghai und Singapur. Die Verwaltungskosten betrugen im vergangenen Quartal nur 0,02 Prozent des Vermögens, verglichen mit 0,07 Prozent vor fünf Jahren.

Die Kosten sind gesunken, obwohl der Fonds in den Anlagesektor Immobilien vorgedrungen ist. Er sicherte sich Top-Objekte am Times Square, auf den Champs Elysees und in der Londoner Regent Street. Der Wert des Immobilien-Portfolios belief sich Ende Juni auf umgerechnet 26 Milliarden Dollar.

Wachstum bis 2025

Wie geht es jetzt weiter? Norwegen erwartet, dass der Fonds bis 2025 weiter wachsen wird. Zu diesem Zeitpunkt soll seine Grösse bei 10,5 Billionen Kronen liegen – oder 1,3 Billionen Dollar beim heutigen Wechselkurs. Allerdings sind solche Schätzungen notorisch unzuverlässig. Die aktuelle Grösse überschreitet bereits den Meilenstein, der erst für 2018 erwartet worden war.

Angesichts von Zinssätzen auf Rekordtiefs und nur schwer zu erzielenden Erträgen ist das Management des Fonds weniger optimistisch. Zentralbank-Gouverneur Oystein Olsen warnte bereits davor, dass der Rückgang der Ölpreise bedeuten könne, dass der Fonds bereits seinen Höhepunkt überschritten habe. Die norwegische Regierung hatte 2016 zum ersten Mal in der Geschichte Gelder direkt aus dem Fonds abgezogen. Es wird erwartet, dass in diesem Jahr weitere etwa 70 Milliarden Kronen folgen werden. Mittlerweile hat Norwegen die erwartete Rendite des Fonds von 4 Prozent von 3 Prozent gesenkt.

(bloomberg/mbü)

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