Herr Mendoza, Sie arbeiten in Hongkong und sind der Zeit in Sachen Corona voraus. Haben Sie den Ausverkauf kommen sehen?
Nein, ich habe mit einem lokal beschränkten Ausbruch, vergleichbar mit Sars, gerechnet. Jetzt ist man in Europa dort, wo wir vor vier Wochen standen. In Hongkong sind die Schulen noch nicht offen, aber die Leute gehen bereits wieder an den Strand, wenn auch mit Masken.

Wie geht es an den Börsen weiter?
Der grosse Ausverkauf ist vorbei. Jetzt geht es darum, die Corona-Verbreitung in den Griff zu bekommen. Das ist der Schlüssel für die Erholung.

Sie sind auf Marken spezialisiert. Auf welche setzen Sie jetzt?
Auf solche, die ihre Geschäfte online machen. Ein Beispiel ist GSX Techedu. Das chinesische Unternehmen ist auf Online­lernen spezialisiert und erlebt enorme Nachfrage. Star-Lehrer haben bis zu 500 000 Schüler. Besonders gefallen mir Firmen, die von Abos und Mitgliederbeiträgen leben. ­Digitale Top-Brands wie Adobe, Netflix, Microsoft, Slack gehören dazu. Die haben die Gebühren schon vor der Krise eingeholt.

Der Portfoliomanager

Juan Mendoza arbeitet in Hongkong bei Lombard Odier Investment Managers und verwaltet im LO Funds – Global Prestige 300 Millionen Franken.

Viele Marken aus der Reiseindustrie wurden stark abgestraft. Greifen Sie zu?
Firmen wie Hilton, Hyatt, Booking und die Kreuzfahrer haben enorm gelitten. Da sind sicher Kaufgelegenheiten dabei. Blind kaufen darf man aber nicht. Man muss sich bei jeder Firma genau an­sehen, wo die Assets im Vergleich zum Marktwert liegen. Im Moment sind auch eine starke Bilanz und der Cash-Bestand sehr wichtig. Hilton sollte ­genug Cash für mehr als 18 Monate haben. Bei den Plattformen sollte Booking in einer guten Position sein. Die fixen Kosten sind sehr tief, und die Firma hat Sparmassnahmen bereits vor der Gesundheitskrise einge­leitet. Derzeit würde ich ­zuwarten und Positionen wenn, dann sehr selektiv und langsam aufbauen

Was sind die aussichtsreichsten Luxuswerte?
Die starken Namen – Ferrari, LVMH und Hermès zum Beispiel.

Werden jetzt Ferraris gekauft?
Wer sich jetzt von der Warteliste nimmt, kommt so schnell nicht wieder darauf. Das überlegt man sich zweimal. Ferrari baut jährlich nur 9000 Autos. In zwei Jahren sollen es 10 000 sein. Fantasie bringen ein Hybrid und ein SUV, der auch Frauen als Kunden erschliesst. Ähnlich stark positioniert ist Hermès. Auch die arbeiten mit Wartelisten. Die Aktie hat in der Finanzkrise keine sieben Prozent verloren.

Die Aktien von Swatch oder Richemont wären Schnäppchen.
Mit einer Uhr holt man nicht alle ab. Ich mag Brands, die an alle Generationen ­ sowie an Frauen und Männer verkaufen.