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Andrang
Barcelona testet Tools gegen Touristenmassen

Park Güell
Park Güell in Barcelona: Hier schieben sich im Sommer die Menschenmassen. Quelle: Keystone

Barcelona ist eine von sechs Städten, die Tourismus besser zu lenken versuchen. Damit Top-Ziele weniger unter Massenandrang leiden.

Veröffentlicht am 11.03.2018

Ob auf dem Markusplatz in Venedig oder der Promenade «Las Ramblas» in Barcelona - an vielen schönen Orten stehen sich die Touristen in der Hochsaison gegenseitig auf den Füssen. Das ärgert nicht nur manchen Reisenden, es ruft auch vermehrt Proteste der Anwohner gegen «Overtourism» hervor. Das Phänomen ist ein viel diskutiertes Thema auf der Touristikmesse ITB in Berlin, die am Wochenende zu Ende geht.

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Der Reisebranche macht es Kopfschmerzen, wenn Urlauber als Plage betrachtet werden. «Schliesslich schafft Tourismus Arbeitsplätze und Wohlstand und bekämpft die Armut - aber er sollte für jeden ein Vorteil sein», sagte Gloria Guevara, Präsidentin des Welttourismusverbandes WTTC. «Wir sind gefragt, an Lösungen zu arbeiten und nicht als Branche Opfer unseres eigenen Erfolges zu werden», mahnte auch der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, Michael Frenzel.

Barcelona Protest
Protest gegen Tourismus am Strand von Barcelona.
Quelle: Keystone

Mit dem Beratungsunternehmen McKinsey arbeitet der WTTC an einer Strategie gegen die Überfüllung, die in sechs Städten erprobt werden soll. Einige Orte setzen bereits Smartphone-Apps und Car-Sharing-Angebote ein, um dichte Menschenansammlungen zu entzerren. Denn nicht nur die Anwohner beschweren sich. Auch neun Prozent der Touristen gaben in einer Umfrage der Beratung IPK an, Überfüllung habe im vergangenen Jahr ihre Urlaubsfreude getrübt.

Spanien stieg in der Beliebtheit besonders stark

Spanien war davon besonders betroffen, weil nach Anschlägen und politischen Unruhen viele Reisende die Türkei oder Ägypten mieden und sich im vergangenen Jahr am westlichen Mittelmeer ballten.Barcelona arbeitet deshalb mit seiner Regionalvertretung an einem Marketingplan, wie Touristen auch ins Umland gelockt werden können. «Barcelona ist klein, und es hat noch viel mehr an Attraktionen zu bieten ausserhalb der Stadt«, sagte Tourismusdirektor Joan Torrella Rene. Auch New York City hat eine Kampagne gestartet, damit die Gäste sich nicht mehr so dicht in Manhattan oder an der Freiheitsstatue drängen. Sonderangebote zu Restaurant- oder Broadway-Wochen sollen die Besucher dazu bringen, schon im Januar oder Februar anzureisen.

Freiheitsstatue
Pflichttermin für Touristen in New York: die Freiheitsstatue.
Quelle: Keystone .

Mit dem Problem zu vieler Menschen auf zu engem Raum schlägt sich auch Mato Frankovic herum, der Bürgermeister von Dubrovnik. «Überfüllte Reiseorte sind erfolgreich, aber es ist eine Gratwanderung zwischen Erfolg und Misserfolg«, sagte er. In der malerischen Altstadt an der kroatischen Adriaküste ist im Sommer kein Durchkommen mehr, wenn Tausende Erholungssuchende aus gleich mehreren Kreuzfahrtschiffen strömen.

App zeigt in Dubrovnik, wenn die Altstadt überlaufen ist

Das Stadtoberhaupt ergriff die Initiative und handelte mit dem Kreuzfahrtverband aus, dass die Schiffe ihre Anlegezeiten besser abstimmen. Auch moderne Technik soll helfen: Ende des Jahres will Dubrovnik eine App anbieten, die es anzeigt, wenn die Altstadt zu voll ist und den Weg zu anderen Sehenswürdigkeiten ausserhalb der Stadtmauern weist. Günstige Car-Sharing-Angebote sollen auch dazu beitragen, den Besucheransturm zu kanalisieren.

Altstadt von Dubrovnik: Entzerrung per App.

Auch das grösste chinesische Online-Buchungsportal Ctrip versucht, die Touristen schon bei der Buchung von überlaufenen Orten mit hohen Hotelpreisen abzubringen. Für hoch frequentierte Reiseziele empfiehlt Ctrip frühzeitig Alternativen. Davon haben alle was, wie Firmenchefin Jane Jie Sun erklärt. «Die Verbraucher freuen sich, wenn sie das Beste aus ihrer Reise herausholen. Die Hotels können die Kunden besser bedienen. Und die Airlines vermeiden Überkapazität auf der einen und Unterauslastung auf anderen Strecken.» Die Einwohner der Reiseländer sollten bei aller Kritik eines nicht vergessen: Reisen trage zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung weltweit bei.

(reuters/me)

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