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Technologie
Datenschutz braucht neue Geschäftsmodelle

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Mark Zuckerberg: Der Facebook-Chef steht unter Druck, den Datenschutz wesentlich zu verbessern. Quelle: Keystone .

Facebook muss die Daten seiner User besser schützen. Doch jeder Ansatz wird Stückwerk bleiben. Datenschutz passiert nur dort, wo er Profit sichert.

Karen Merkel
Kommentar  
Von Karen Merkel
am 27.03.2018

Die Empörung über den Facebook-Datenskandal schlägt hoch. Doch welche Konsequenzen das hat, ist fraglich. Zum einen, weil bereits Mark Zuckerbergs lauwarmen Worte vergangene Woche zeigten, dass das rüde Vorgehen von Cambridge Analytica bei Facebook keine Läuterung einleiten wird. Zum anderen, weil die betroffenen Konsumenten zwar ihrem Ärger Luft machen (gerne auch auf Facebook), sie aber wenig Lust zum Handeln zeigen. Es siegt der Komfort, es siegt der Wunsch, weiter dabei zu sein auf der dominanten Plattform.

Facebook, Google und Amazon werden nicht in neuem Boden wurzeln, nicht nach diesem und nicht nach künftigen Datenskandalen. Denn ihr Geschäftsmodell beruht darauf, Daten zu sammeln, auszuwerten und daraus Angebote zu generieren, die es dem Nutzer einfach machen. Das gilt für ihre eigenen Dienste, für die Dienste ihrer Partner, für die lukrative personalisierte Werbung. Gesetzlichen Vorgaben wie der neuen Europäischen Datenschutzverordnung müssen sich die Tech-Riesen beugen. Und ja, auch sie müssen verhindern, dass das Nutzervertrauen erodiert. Aber jede Massnahme, die das Vertrauen bestärkt, ist zugleich eine, die das Geschäftsmodell beschneidet.

Echten Datenschutz kann es nur mit der Blockchain geben

Echten Datenschutz kann es nur da geben, wo er kein Hindernis ist, sondern die Grundlage für ein Geschäftsmodel. Wenn der Profit fliesst, weil Datenschutz gelingt.

Das ist nicht nur, aber in neuer Grössenordnung überall dort der Fall, wo dezentralisierte Datenspeicher zum Einsatz kommen - etwa die Blockchain als selbstkontrollierendes Netzwerk. Bitcoin ist nur bekannteste Anwenderfall, Konzerne wie Intel, IBM und Microsoft hoffen auf viele unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Sie investieren grosse Summen in der Hoffnung auf das Geschäft der Zukunft.

Kein Wunder, schlug sich IBM-Chefin Ginni Rometty am Montag mit einem Kommentar auf die Seite der Datenschützer. Sie rief dazu auf, dass Nutzer mehr Entscheidungsgewalt haben sollten, was mit ihren Daten passiert. Das ist die Haltung der Blockchain-Firmen, die zugleich an Lösungen basteln, um Nutzern diese Macht zu geben. Nicht aus Altruismus, sondern durchaus mit ökonomischem Kalkül.

Ob die selbstbestimmte digitale Identität oder der Herkunftsnachweis für Biokaffee: Experimente mit der Blockchain-Technologie gibt es zahlreiche. Mindestens genauso zahlreich sind die offenen Fragen in Zusammenhang mit den Versuchen, ohne Garantie, dass Antworten gefunden werden. Aber sollte die Wette aufgehen, ist allen Blockchain-Ansätzen gemeinsam: Datenschutz stört hier nicht, sondern ermöglicht das Geschäftsmodell, das stets auf der Kooperation aller Teilnehmer beruht. Eine Hoffnung für Firmen, ein Versprechen für den Konsumenten.

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