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Industrie
Eine eindrückliche Beschleunigung

Digitalisierung Industrie
 

Wo bringt die Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette einen realisierten Mehrwert? Vier Beispiele verschiedener Branchen machen das anschaulich.

Veröffentlicht am 29.11.2018

Während sich viele Startups mit dem Aufbau neuer, digitaler Geschäftsmodelle beschäftigen, die die digitalen Bausteine durchgängig einsetzen, gehen viele industrielle Unternehmen das Thema Digitalisierung schrittweise an. Hierbei werden Teile ihres bestehenden Geschäftsmodells nach und nach digitalisiert, wobei neben dem Aufbau digitaler Dienstleistungen oft auch Initiativen rund um die Leistungserstellung entlang der Wertschöpfungskette lanciert werden. Einige nutzen zudem das «Digitalisierungs- Momentum»,umihre Kernapplikationen (beispielsweise ERP, CRM, CAD, PLM, MES), ihre Datenstrukturen sowie ihre IT-Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, was sich spätestens bei der technischen Anbindung und Umsetzung der Digitalisierungsinitiativen auszahlt.

Projekte müssen unternehmerisch sein

Digitalisierungsprojekte haben unternehmerisch insofern Sinn zu ergeben, als sie einen Nutzen für das Unternehmen erzielen. Während das übergeordnete Ziel digitaler Bestrebungen rund um digitale Produkte und Services sowie Kundeninteraktion in der Erhöhung des Kundennutzens und der Erhöhung oder Sicherung der «topline» liegen, bietet die Digitalisierung der Wertschöpfungskette ein grosses Potenzial im Bereich der Effizienzsteigerung und Kostenreduktion. Doch bei der Planung und Umsetzung kämpfen viele KMU mit mangelndem internen Digitalisierungswissen. Um es aufzubauen, investieren die Firmen in die Ausbildung der internen Mitarbeiter oder arbeiten mit ausgewählten externen Partnern zusammen.

Anwendungsfälle

Die Anzahl der Anwendungsfälle – auch Use Cases genannt – entlang der Wertschöpfungskette ist vielfältig. Während zu Beginn der Digitalisierungsdiskussion noch sehr ungenaue Angaben zu effektiv erzieltem und quantifizierbarem Nutzen vorlagen, wird er in den aktuellen Publikationen immer konkreter. Die eindrückliche zeitliche Beschleunigung durch Nutzung digital unterstützter Lösungen wird beispielhaft durch folgende vier Fälle aus der Praxis gezeigt:

1. Digitalisierung: Angebotswesen und Arbeitsvorbereitung bei einem Dichtungshersteller: Kundenanfrage erfolgt online inklusive CAD-Zeichnung vollautomatisch. Offerte samt Preisfindung wird durch das Angebotssystem automatisch und in Echtzeit ermittelt. Nach der Bestätigung des Angebotes wird anhand der eingereichten CAD-Dokumentation automatisch ein CNC-Programm generiert, welches nach entsprechendem Planungslauf auf die entsprechende Maschine eingespielt wird. Zwischen Anfrage und Produktion auf der Maschine ist kein manueller Eingriff mehr notwendig, was zu einer weitgehenden Eliminierung der Transaktionskosten, einer Reduktion der Durchlaufzeiten um 50 Prozent (von vier auf zwei Tage) sowie zu kleineren Losgrössen und tieferen Kosten (um 30 Prozent) führte.

2. Digitale Gemüseplattform im Gastronomiebereich: Bestellprozess erfolgt über einemobile und offlinefähige Applikation, die es den Gastronomen erlaubt, Bestellungen laufend in Küche und Kühlraum (oft ohne Netzabdeckung) zu erfassen. Die Anwendung schlägt laufend Neuheiten und saisonale Produkte vor. Zudem können Menupläne abfotografiert werden und das System erstellt anhand der Anzahl benötigter Menus automatisch einen Bestellvorschlag. Die Bestellung wird anschliessend direkt an den Gemüselieferanten versandt (150 Prozent mehr Neukunden pro Jahr beim die App zur Verfügung stellenden Gemüsehändler).

3. Einsatz von OCR und künstlicher Intelligenz in der Qualitätssicherung: Die Qualitätskontrolle bei der Montage eines Automobilherstellers erfolgt mithilfe hochauflösender Kameras. Eine auf künstlicher Intelligenz basierte Anwendung hilft bei der Auswertung der Ultra-High- Definition-Kamerabilder und verbessert die Auswahl laufend aufgrund der Selektion des menschlichen Prüfungsexperten. Bis zu 80 Prozent der ursprünglich für die Prüfung veranschlagten Zeit konnten in einem Test der IBM-Watson-IoT-Plattform bei einem acht Tage dauernden Produktionszyklus eingespart werden.

4. Einsatz von Mixed Reality bei der Spezifizierung eines Treppenlifts: Die Raumverhältnisse im Treppenhaus werden mithilfe einer Mixed-Reality-Brille digitalisiert erfasst und helfen dabei, die kundenspezifische Konfiguration beim ersten Treffen wahrheitsgetreu darzustellen. Dank der vollständigen Integration in die darauffolgenden Geschäftsprozesse verkürzt sich der gesamte Verarbeitungsprozess von acht auf zwei Wochen. Fortschrittliche Unternehmen setzen sich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung aktiv auseinander. Welche Ansätze und Anwendungsfälle jeweils relevant sind und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, ist unternehmensspezifisch. Ausgerichtet auf den Mehrwert, strategisch geplant und richtig umgesetzt, bringt der Einsatz digitaler Bausteine entlang der Wertschöpfung einen entscheidenden Kosten- und Wettbewerbsvorteil.

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