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Raumfahrt
Musk plant direkte Demokratie für den Mars

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Falcon-Rakete: Nächstes Jahr will Elon Musk die schwere Version der Rakete testen.Quelle: Joe Raedle/Getty Images

2019 will Elon Musk seine Mars-Rakete testen. Auf dem Roten Planeten möchte der Unternehmer die direkte Demokratie etablieren.

Von Stefan Beutelsbacher («Die Welt»)
am 12.03.2018

Fast zehn Millionen Kilometer ist er jetzt von der Erde entfernt. Und mit jeder Sekunde werden es drei Kilometer mehr. Der Tesla, den Elon Musk Anfang Februar mit seiner neuen Rakete Falcon Heavy in den Weltraum geschossen hat, ist schon ein gutes Stück vorangekommen.

 

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Die Bilder, die die Kameras nach dem Start lieferten, waren spektakulär: ein rotes Cabrio hoch über der Erde, hinter dem Steuer eine Astronautenpuppe, auf dem Armaturenbrett der Hinweis «Don’t Panic», keine Panik. Die Aktion war ein voller Erfolg, aber Musk, dieser rastlose Unternehmer, hat offenbar nicht vor, sich darauf auszuruhen. Stattdessen plant er nun den nächsten grossen Schritt.

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Rotes Cabrio: Musk schiesst exotische Fracht ins All.
Quelle: Keystone

Jungfernflug im nächsten Jahr

In Texas, auf der Messe South by Southwest, einer der wichtigsten Veranstaltungen für die Digital- und Kreativwirtschaft der Welt, hat Musk angekündigt, dass im kommenden Jahr die BFR zum Jungfernflug abheben soll – jene seit langer Zeit versprochene Riesenrakete, die eines Tages Menschen zum Mars bringen soll.

«Wir kommen mit dem Bau der BFR sehr gut voran», sagte Musk, Gründer der Weltraumfirma SpaceX. «Sie wird wahrscheinlich in der ersten Hälfte 2019 starten können.» Musk plant zunächst keine langen Flüge, sondern kurze Hüpfer in den Weltraum, um die BFR zu testen. Vor allem der Hitzeschild, entscheidend für den späteren Eintritt in die Marsatmosphäre, müsse ausgiebig erprobt werden.

 

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Elon Musk: Ein äusserst umtriebiger Unternehmer aus dem Silicon Valley.
Quelle: Keystone

Raumschiff für interplanetare Reisen

Die BFR – kurz für Big Falcon Rocket oder, wie manche sagen, Big Fucking Rocket – soll das erste Raumschiff der Menschheit für interplanetare Reisen werden. Ein 106 Meter hoher Gigant, der doppelt so viel Schub aufbringt wie die bisher mächtigste Rakete, die Saturn V. Bis zu 150 Tonnen Last kann die BFR tragen, wie Musk sagt. Das ist etwas mehr als ein moderner Jumbojet.

Musk sprach auf der Bühne eines Theaters in Austin, er trug eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd, darüber eine Lederjacke mit Fellkragen. Der Milliardär kam gut gelaunt, Applaus war ihm sicher. Das Publikum der South by Southwest vergöttert risikobereite Tech-Unternehmer wie ihn geradezu.

Neue Entschlossenheit

Musk nannte schon früher das Jahr 2019, wenn er über den Erstflug der BFR sprach, fügte aber stets das Wort «vielleicht» hinzu. Bei seinem Auftritt in Texas zeigte er sich nun erstmals entschlossen, dass es klappt. Wie weit SpaceX tatsächlich ist, lässt sich nur schwer sagen.

Die Öffentlichkeit hat von der BFR bisher nur schöne Bilder aus dem Computer gesehen. Und in der Vergangenheit musste Musk seine grossspurig verkündeten Zeitpläne oft über den Haufen werfen. Die Falcon Heavy mit dem Tesla an Bord hob zum Beispiel fünf Jahre später als gedacht ab. «Ich wurde schon häufiger darauf hingewiesen, dass meine Planung manchmal ein bisschen eng ist», sagte Musk lächelnd.

Frachtlieferung für den Mars

Aber es gibt eine weitere ambitionierte Deadline: Schon in vier Jahren, 2022, soll die BFR zum ersten Mal Fracht auf dem Mars absetzen. 2024, so Musks Ziel, werden mit ihr Menschen zu unserem Nachbarplaneten reisen. Sein Ziel ist es, auf dem Mars eine Kolonie zu errichten – als Plan B, falls Naturkatastrophen oder Kriege die Erde unbewohnbar machen. «Wir wollen sozusagen einen Samen der Menschheit ins All tragen», erklärte Musk in Austin, «damit die Menschen, wenn nötig, die Zivilisation auf die Erde zurückbringen können.»

Die ersten Männer und Frauen, die auf dem Mars landen, diesem kahlen, staubigen Planeten, sollen das Nötigste errichten – etwa ein Kraftwerk, um Strom zu erzeugen, und Gewächshäuser, um Getreide anzubauen. «Später», sagte Musk halb im Scherz, halb ernst, «wird es dort auch Pizzaläden und Nachtklubs geben.»

 

Start von Falcon Heavy von SpaceX ins All
Space X: Musks Raumfahrtsunternehmen schiesst Raketen ins All.
Quelle: Keystone

Direkte Demokratie geplant

In Austin beschrieb der Unternehmer auch, wie er sich die Regierung auf dem Mars vorstellt. «Ich denke, es wird eine direkte Demokratie sein.» Musk schlug eine Mehrheit von 60 Prozent vor, um Gesetze zu beschliessen – und eine Mehrheit von 40 Prozent, um Gesetze wieder abzuschaffen. «Es sollte einfacher sein, Regeln loszuwerden, als sie einzuführen», sagte er. Zu viele Gesetze seien schädlich, bremsten den Fortschritt. «Ein Übermass an Regulierung verstopft die Adern der Zivilisation.»

Er überlege noch, welche Rolle er selbst auf dem Mars einnehmen werde, sagte Musk: «Gottkaiser vielleicht?» Auch das war ein Scherz, der Unternehmer spielte damit auf Gerüchte an, die im Internet kursieren. Manche Menschen unterstellen ihm, er strebe die Herrschaft über den Planeten an, wolle ihn autokratisch regieren – Musk, der Marsdiktator.

Chefinnovator der Menschheit

Einen anderen Titel kann man ihm aber tatsächlich zuschreiben, heute schon: Musk ist so etwas wie der Chefinnovator der Menschheit. Seine Auftritte mögen überheblich wirken, seine Ideen verrückt. Die Firma Tesla hat enorme Probleme, die versprochene Zahl an Autos zu produzieren – und den Stunt mit dem Roadster im All kann man grössenwahnsinnig finden. Dennoch funktioniert auch vieles von dem, was Musk plant. Seine Raketen flogen zuletzt ohne Unfälle. Mehr noch: Sie sind gerade dabei, die Raumfahrt zu revolutionieren.

Vor allem ein Prinzip treibt diese Revolution voran: Wiederverwendbarkeit. Herkömmliche Raketen kommen nach nur einem Flug auf den Müll, Musks Raketen hingegen können mehrmals abheben. Das senkt die Kosten je Start dramatisch – für Musk eine wichtige Voraussetzung, damit die Menschheit das All erobern kann. Der Flug einer BFR, so hofft der Unternehmer, soll nicht teurer als fünf Millionen Dollar sein.

Ein Fan der Raumfahrt

Am Ende seines Auftritts in Austin beantwortete Musk auch eine Frage, die sich viele stellen, seit sie die Bilder von dem Tesla im Weltraum gesehen haben: Warum, bitte schön, hat der Mann ein Auto da hoch geschossen? «Ich wollte erreichen, dass die Menschen einmal innehalten und vom All hinab auf die Erde blicken», sagte Musk. Einen solchen Moment habe es im Grunde seit der Mondlandung nicht mehr gegeben. «Allen soll bewusst werden, wie wichtig die Raumfahrt ist – und wie schön.»

Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel: «Elon Musks Mars-Rakete soll schon 2019 fliegen».