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Standpunkt
Axel Weber: Zentralbanken sollten Krypto ernst nehmen

Umstrittener Bitcoin: UBS-Präsident Axel Weber mahnt an, den Trend zu sehen. Quelle: Gettyimager/Nurphoto

Zentral- und Grossbanker spotten über Bitcoin und seine Käufer. UBS-Präsident Axel Weber beendet die Häme und warnt Notenbanken, den Anschluss nicht zu verlieren.

Von Karen Merkel
2017-11-14

Die Front der Zentralbanken und Grossbanken gegenüber Krypto-Währungen ist breit. Der Bitcoin steht dabei im Fokus und die sogenannten ICOs – Initial Coin Offerings, eine neue Art des digitalen Börsengangs. Erst am Montag warnte die europäische Börsenaufsicht ESMA, dass Anleger bei einem solchen Investment einen Totalverlust riskieren. China hat ICOs kurzerhand verboten.

Der Hinweis auf die Unwägbarkeiten der Kryptowährungen ist dabei an mancher Stelle berechtigt. Gleichzeitig zeigen die Warnungen auch, dass im Finanzsystem ein Machtkampf um die Deutungshoheit entbrannt ist. Darauf weisen auch die Worte eines Branchen-Schwergewichts hin: UBS-Präsident Axel Weber warnt jetzt, und zwar nicht die Anleger, sondern die Zentralbanken selbst.

Zentralbanker sollten Möglichkeiten ausloten

Zentralbanken sollten offener sein, Digitalwährungen zu schaffen, so sagte Weber in einem Interview mit der «Financial Times». «Während der öffentliche Sektor dazu neigt, auf das Risiko der neuen Zahlungsmethoden zu schauen, sieht der private vor allem die Möglichkeiten.» Es sei falsch, dass viele Zentralbanken in alten Parametern denken würden.

Weber ist dabei kein Befürworter der existierenden Kryptowährungen. Der frühere Präsident der deutschen Bundesbank betonte erst vor einem Monat, dass der Bitcoin keines der wichtigen Kriterien für eine Währung erfüllen würde. «Die wichtigste Funktion einer Währung ist diejenige als Zahlungsmittel», sagte Weber laut Reuters. «Dafür muss sie aber breit akzeptiert sein.» Das sei bei Bitcoin nicht der Fall. Auch gegenüber der «Financial Times» betonte Weber: «Bitcoin ist unbedeutend.»

Skepsis von führenden Bankenmanagern

Doch Weber warnt davor, über den Problemen und Risiken von Kryptowährungen das Phänomen an sich zu unterschätzen. Er sorge sich darum, dass der öffentliche Sektor in Sachen Zahlungsmitteln den Anschluss verliere. Würden Zentralbanken digitale Währungen als Gelegenheit betrachten, könnten sie der Bevölkerung günstigere und sinnvollere digitale Zahlungsmethoden anbieten.

Weber bildet damit einen Kontrapunkt zu den kritischen Stimmen der vergangenen Wochen auf, in denen Zentral- und Grossbanker die Haltbarkeit von Bitcoin und Krypto angezweifelt hatten. Deutschlands oberster Notenbanker, Jens Weidmann, plädierte für einen Ausbau der herkömmlichen Zahlungssysteme. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon bezeichnete Bitcoin-Käufer als Betrug.

Befürworter des Bitcoin sehen allerdings in solch herber Kritik auch eine Bestätigung, dass die Zentral- und Grossbanken das Potenzial des Bitcoins fürchen.

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