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Digitalisierung
Warum wir Google und Co. bändigen müssen

Google - Logo am neuen Office in der Sihlpost in Zuerich am Dienstag, 17. Januar 2017. Heute eroeffnet Google seine neuen Bueros in der Zuercher Sihlpost. Gemeinsam mit den Raeumen in der neuen SBB-Ueberbauung Europaallee sind das 50'000 Quadratmeter. Bis Ende 2020 wird Google die neuen Bueros etappenweise beziehen. Bis 5000 Mitarbeiter werden in den neuen Google-Bueros arbeiten koennen. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Google-Logo am neuen Office in der Sihlpost in Zürich.Quelle: © KEYSTONE / WALTER BIERI

Daten sind der zentrale Produktionsfaktor in einer digitalen Wirtschaft. Wir dürfen sie nicht einfach Google und Facebook überlassen.

Kommentar  
Von Sven Millischer
am 24.10.2018

Es muss in den späten Achtzigern ge­wesen sein. Ein Schulzimmer mit klobigen Computern samt Röhrenschirmen. Vorne ein wenig begeisternder Lehrer, der uns sein Halbwissen in «Programmieren mit Basic» kundtat. Schliesslich war damals EDV (für Spätgeborene: elektronische Datenverarbeitung) das Buzzword der Stunde. Und wer als Erziehungsdirektor nicht den Lehrplan für Informatik­lektionen freischaufelte, galt als gestrig. Geblieben ist mir von der Basic-Bleiche nichts.

Ein Leben im gesellschaftlichen Abseits

Die Geschichte wiederholt sich. Auch heute zelebrieren Politiker und Manager ihre Digitalisierungspotenz und fordern allenthalben, jeder Knirps müsse programmieren lernen. Doch das zu postulieren, ist Ausdruck eines hilflosen Aktionismus. Als ob in der industriellen Revolution jeder Arbeiter zu lernen gebraucht hätte, wie man eine Textilmaschine baut.

Anstatt Fertigkeiten zu fordern, sollten Politik und Gesellschaft rechtliche und ethische Bedingungen schaffen, damit die digitale Revolution kein Lumpenproletariat produziert. Was heisst das konkret? Mit den Produktionsfaktoren des Industriezeitalters – Arbeit, Boden, Kapital – hat der Staat und die Gesellschaft inzwischen gelernt, ethisch wie rechtlich umzugehen. Man denke an den umfassenden Arbeitsschutz oder die entwickelten Eigentumsrechte.

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In der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts gesellt sich aber ein weiterer Produktionsfaktor hinzu: das Datenkapital. Und im Gegensatz zu den bestehenden Inputfaktoren scheinen Staat und Gesellschaft diesen essenziellen Rohstoff des Digitalzeit­alters mit grosser Unbekümmertheit zu behandeln. Während ein gut geölter Beamtenapparat über Arbeitszeit oder Investitionsschutz wacht, leistet sich der Bund gerade mal einen Datenschutzbeauftragten. Das dazugehörige Gesetz stammt gar aus ana­loger Vorzeit, den frühen 1990er Jahren.

So lasch der Staat, so freigiebig seine Bürger. Sie verschenken – gegen vordergründig grossen Nutzen – ihr Datenkapital an die FANG-Konzerne. Schliesslich dürsten die Tech-Riesen nach Profilwerten und Verhaltensmustern. Aus diesem Info-Rohstoff raffinieren Google und Co. ihre Quasimonopole, denen sich ein jeder «freiwillig» unterworfen hat.

Ein Leben offline ist heute jedoch ein Leben im gesellschaftlichen Abseits. Wen der Suchalgorithmus von Google nicht indexiert, der existiert nicht. Wen Facebook sperrt, der verliert sein «Gesicht». Und wen Amazon vom Marktplatz verjagt, der bangt um seine geschäftliche Existenz als Händler.

Die Algorithmen der Tech-Riesen sind öffentlicher Kontrolle entzogen

 

Das Digi-Oligopol diktiert. Sodass sich heute ein jeder für die FANG-Algorithmen zu optimieren sucht. Doch wie Google sucht, Facebook informiert oder Amazon handelt, bleibt nebulös. Ihre Algorithmen sind Geschäftsgeheimnis. Sie entziehen sich jeglicher demokratischen Kontrolle. Obgleich ihre Handlungsvorschriften uns die Welt (ausserhalb unserer physischen) überhaupt erst ordnen und vermitteln. Eine gigantische Wirkungsmacht, die es endlich rechtsstaatlich zu bändigen gilt.

Schweizer Digitaltag am 25. Oktoboer

Am 25. Oktober findet unter der Federführung von digitalswitzerland der zweite Schweizer Digitaltag statt, er steht unter dem Motto «digital gemeinsam erleben». Geplant sind zahlreiche Aktionen an zwölf Standorten. Der grösste Event ist im Hauptbahnhof Zürich geplant. Dort wird von 9 Uhr bis 20 Uhr durchgehend ein reichhaltiges Bühnenprogramm geboten, das live vom SRF übertragen wird. Einen Überblick über das Programm finden Sie hier. Unsere Bestandsaufnahme der digitalen Schweiz anlässlich des Digitaltags finden Sie hier.

Die Bevölkerung kann sich ausserdem über verschiedene Kanäle aktiv einbringen. Sie können unter «Digitaldaybrain» bereits im Vorfeld Fragen stellen und gleich beantworten lassen. Und über die Dialogplattform können alle ein Videostatement zur Digitalisierung abgeben.

Am Digitaltag beteiligen sich neben den Hauptpartnern Google, Ringier, SBB, SRG und Swisscom weitere 70 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Politik. Bundespräsident Alain Berset und Bundesrat Johann Schneider-Ammann übernehmen das Patronat und sind auch selber präsent, Bundesrat Ignazio Cassis unterstützt den Aktionstag ebenfalls.