Nach Musikstreaming und Blogging wagt Aldi den nächsten Schritt in die digitale Welt. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, dem weltgrössten Publishing-Event, startet der deutsche Discounter in dieser Woche seinen E-Book-Service. Dieser ist ein gemeinsames Angebot von Aldi Süd und Aldi Nord und startet vorerst mit gut einer Million kostenpflichtigen und kostenlosen Büchern.

Zum Vergleich: Bei Amazon sind nach eigenen Angaben 4,5 Millionen E-Books erhältlich, 450'000 davon auf Deutsch. Und die Tolino-Allianz, die 2013 von Buchhändlern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegründet wurde, kommt auf zwei Millionen elektronische Bücher. Trotz dieser starken Konkurrenz ist das Aldi-Angebot aber nicht als Nischenprodukt gedacht. Vielmehr unterstreicht es die Hinwendung der Firma zu digitalen Zusatzdiensten.

Zusammenarbeit mit Napster

Während Aldi in der Schweiz weiterhin vor allem als Supermarktkette mit Fokus auf Lebensmittel wahrgenommen wird, ist der digitale Wandel in Deutschland in vollem Gang. «Gemeinsam mit Aldi Nord bieten wir mit unseren Services wie Aldi Blumen, Aldi Talk, Aldi Reisen und Aldi Life bereits seit Jahren im Onlinebereich verschiedene Angebote an», sagt eine Sprecherin von Aldi Süd. Der Vorstoss in den E-Book-Markt scheint damit nur folgerichtig.

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Vor einem Jahr hat Aldi den Streamingdienst «Aldi Life Musik powered by Napster» gestartet. Offenbar hat der Discounter mit dem Service, der in Deutschland für 7,99 Euro im Monat etwa 40 Millionen Songs und 15'000 Hörbücher verfügbar macht, bisher gute Erfahrungen gemacht. Preislich schafft es Aldi mit dem Musikdienst, den Grossteil der Konkurrenz – wie etwa Spotify – um rund 2 Euro zu unterbieten.

Neue Kunden ansprechen

Die Content-Strategie von Aldi ist aus zweierlei Gründen sinnvoll, schreibt die deutsche Fachzeitung «Horizont»: Erstens wird mit digitalen Angeboten eine jüngere Kundschaft an die Marke herangeführt. Zweitens baut das Unternehmen damit eine digitale Kundenbasis auf, die bei einem allfälligen Einstieg in den allgemeinen Onlinehandel noch sehr wertvoll werden könnte.

Davon ist man im Moment jedoch noch weit entfernt. «Aktuell planen wir keinen Onlinehandel, der über unsere bisherigen Serviceangebote hinausgeht», sagt die Aldi-Süd-Sprecherin. Über zukünftige Entwicklungen könne man keine Auskunft geben.

Anderer Fokus in der Schweiz

In der Schweiz ist Aldi ohnehin in einer anderen Position als in Deutschland. Mit gut 180 Filialen liegt man im Kerngeschäft hinter den Marktführern Migros und Coop zurück. Aktuell möchte Aldi deshalb vor allem das Filialnetz ausbauen und von der Peripherie, wo sich heute die meisten Läden befinden, in die Zentren vordringen. Erst Ende September eröffnete der deutsche Discounter hinter dem Zürcher Hauptbahnhof im Kreis 5 eine weitere Filiale.

Laut Aldi Suisse ist ein Einstieg in den Schweizer E-Books-Markt zur Zeit nicht geplant. «Aldi Suisse verfolgt aber mit grossem Interesse die Entwicklungen auf dem E-Books-Markt» heisst es unverbindlich in einer Stellungnahme gegenüber handelszeitung.ch.