Der weltgrösste Online-Händler Amazon will 2016 in Europa mehrere Tausend Jobs neu schaffen, teilte der US-Konzern am Freitag mit. Dies, nachdem Amazon bereits im letzten Jahr seine Mitarbeiter-Zahl in Europa um rund ein Drittel auf über 40'000 Vollzeit-Beschäftigte ausgebaut hatte. Die Nachfrage von Kunden aus ganz Europa sei «grösser als je zuvor», und «wir nehmen in allen Amazon-Unternehmensbereichen mehr Potenzial für Innovation und Investition in die Zukunft wahr», erklärte der Vize-Chef für den Vertrieb in Europa, Xavier Garambois.

Amazon plane, mehrere tausend Positionen auf allen Qualifikations-, Erfahrungs- und Fähigkeitsebenen einzurichten - von Sprech- und Sprachwissenschaftlern über digitale Medienexperten bis zu Logistik- und Kundenservicemitarbeitern. Auch weitere Computerwissenschaftler und Software-Entwickler sollen eingestellt werden.

Schon 2015 massiv aufgestockt

Im vergangenen Jahr habe Amazon mehr als 10'000 neue unbefristete Arbeitsplätze in Europa geschaffen, teilte Garambois mit. Dies seien 50 Prozent mehr als 2014 gewesen; 2015 sei ein «Spitzenjahr in Sachen Arbeitsplatzschaffung» gewesen. Der Konzern machte keine Angaben dazu, wie sich die neuen Arbeitsplätze auf einzelne Geschäftsbereiche verteilen.

Amazon hat in Europa mehr als 80 Firmenniederlassungen, davon 29 Logistikzentren sowie Kundendienstzentren, Entwicklungs- und Forschungslabore und Datenzentren. Das Unternehmen betreibt in Europa neben seinen Online-Warenhäusern auch Standorte für Cloud-Dienste und die Entwicklung selbstlernender Computer. Schweizer Kunden bedient Amazon aus den umliegenden Nachbarländern.

Kampf um Gesamtarbeitsvertrag in Deutschland

In Deutschland ringt die Gewerkschaft Verdi seit zwei Jahren mit Amazon um die Einführung eines Gesamtarbeitsvertrages auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels - bislang jedoch ohne Erfolg. Amazon betont in dem Streit immer wieder, ein guter Arbeitgeber zu sein und vergleichsweise hohe Löhne zu zahlen.

Laut dem Versandhändler erhält ein Mitarbeiter in einem Logistikzentrum nach zwei Jahren - zusammen mit Boni, Aktien und jährlichen Sonderzahlungen - einen durchschnittlichen Monatslohn von 2311 Euro.

Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur

Seit 2010 hat Amazon nach eigenen Angaben mehr als 15 Milliarden Euro in Infrastruktur und Anlagen in Europa investiert. Beispielsweise in Deutschland seien es 5,8 Milliarden Euro seit 1998 gewesen. Dort solle die Zahl unbefristeter Stellen 2016 um 1500 auf 14'500 wachsen. Amazon machte keine Angaben dazu, aus welchem Anlass diese Zahlen jetzt veröffentlicht wurden.

Das Unternehmen stand in Europa nicht nur seitens der Gewerkschaften unter Druck. So gab der Konzern im vergangenen Jahr nach Steuer-Ermittlungen der EU-Kommission seine Struktur auf, in der Umsätze über das steuerlich günstigere Luxemburg gebucht wurden.

(sda/gku/hon)

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