1. Home
  2. Roter Teppich für Schweizer Startup an den Oscars

Erfolg
Roter Teppich für Schweizer Startup an den Oscars

«Vanity Fair»-Party: Schweizer App kontrolliert Einlass. Keystone

Dem Startup aus der Schweiz gelingt ein Coup: An der Oscar-Party von Vanity Fair gewährt die Zkipster-App den Mega-Promis Einlass.

Von Nele Husmann
am 07.02.2016

Die Stones spielen leise im Hintergrund. Ganz allein sitzt Daniel Dessauges an der Bar des «Waverly Inn» im trendigen West Village in New York. Der 30-jährige Schweizer beisst in einen Crab-Cake. Dazu geniesst er einen Schluck von seinem Negroni. Er stösst mit sich selbst an - auf den Durchbruch. Gerade hat er «Vanity Fair» als Kunden gewonnen, deshalb toastet er sich im Lokal des «Vanity Fair»-Chefredaktors zu. «Seit fünf Jahren habe ich auf diesen Moment gearbeitet», sagt Dessauges.

«Vanity Fair» wird die Zkipster-App von Dessauges und seinem Geschäftspartner David Becker zum Einchecken aller Gäste bei ihrer glamourösen Oscar-Party in drei Wochen benutzen. «Das ist die Party aller Partys - der Ritterschlag in Hollywood», schwärmt Dessauges. «Auf dieser Flughöhe gibt es null Spielraum für Experimente.» Auf der Party gibt es die höchste Dichte an berühmten Menschen pro Quadratmeter.

Jeder will rein - doch Eintritt erhalten nur geladene Gäste. Es gibt die abenteuerlichsten Versuche, sich hineinzuschmuggeln. 1996 versuchte ein Reporter des «Star Magazine» es sogar mit einem frisch gewaschenen Ferkel auf dem Arm - er müsse den Star von «Ein Schweinchen Namens Babe» reinbringen.

Armani und Art Basel

Die beiden Zürcher Dessauges und Becker, die in New York leben, schaffen es inzwischen, die Crème de la Crème der Event-Welt zu bedienen - Partys für die Modemarke Armani, am Rande des World Economic Forum in Davos oder beim Sundance Film Festival in Park City oder bei der Art Basel in Miami. Wo immer sich der Jetset trifft, sorgt Zkipster mit dem orangefarbenen Knopf auf dem iPad dafür, dass nur die geladenen Gäste Einlass erhalten - und ohne dass ein Super-Promi peinlicherweise nach dem Ausweis gefragt wird.

Doch so sehr das Geschäft wächst - Start-up-Multimillionäre werden die beiden Gründer so schnell nicht. Zu sehr unterscheidet sich das Startup von den Unicorns im Silicon Valley, bei denen sich Finanzierungsfonds gegenseitig überbieten. Zu wenig skalierbar ist diesen das Geschäft mit dem Einlass zu Promi-Partys.

Gatecrashing unmöglich machen

Zum Interview trifft sich die «Handelszeitung» mit den Gründern im Crosby-Hotel - einem unter Modeschöpfern und der Filmszene besonders beliebten Hotel in New York. Hierhin lädt der Sender zu Privatvorführungen seiner Serien ein - und checkt die Gäste mit Hilfe von Zkipster ein. Die App der beiden Schweizer soll Gatecrashing unmöglich machen und zugleich die VIP ohne Wartezeit oder gar peinliche Fragen elegant durchschleusen. «Vanity Fair» zum Beispiel machte dies zuvor noch per Hand auf ausgedruckten Listen.

Sie prüften Zkipster auf Herz und Nieren, ehe sie den Schritt aus der analogen in die digitale Welt wagten. «Wir müssen uns das Vertrauen von jedem einzelnen Kunden lange Jahre erarbeiten», sagt Dessauges. «Unser Geschäft braucht viel Handholding.» Alle Geräte mit der App synchronisieren sich, sodass jeder am Check-in jederzeit die richtige Information hat und auch aktuell die Sitzplätze und Tischnummern vergeben kann. Die Namensliste wird gekoppelt an aus dem Internet heruntergeladene Bilder der Besucher. Sollte das Internet streiken, gibt es immer noch einen Offline-Modus - dann aber aktualisieren sich die Listen nicht.

Derzeit arbeitet Zkipster daran, dass die App auch Einladungen verschickt und man sich voranmelden kann. Geplant ist auch ein Analyse-Tool, das zusammen mit der ETH Zürich entwickelt werden soll. Dann kann Zkipster tracken, welcher Gast wie zuverlässig erscheint und wer auf Social Media am meisten über die Events absetzt.

Journalist und Private Banker

Auch in der Politik, in der Kunstszene und bei Charity-Galas gewinnt Zkipster schnell neue Kunden. Im vergangenen Jahr managte Zkipster 22 000 Events mit knapp 3 Millionen Gästen. Zehn Mitarbeiter arbeiten in vier Büros - neben Zürich und New York auch in London und Hongkong. Pro Event verlangt Zkipster 100 bis 400 Dollar Checkin-Gebühren.

Der Umsatz von Zkipster hat noch Luft nach oben - er ist tief siebenstellig. «Die amerikanischen Venture-Capital-Gesellschaften machen einen grossen Bogen um uns», lacht Mitgründer Becker. «Unser Geschäft bringt nicht das 1000-prozentige Wachstum, das sie suchen.» Die beiden Schweizer finanzieren sich über einen Kredit der Zürcher Kantonalbank.

«Wir bauen eher auf unsere Schweizer Tugenden - das Geschäft geduldig, Schritt für Schritt mit persönlichen Beziehungen aufzubauen. Die VC würden uns eher finanzieren, wenn wir den skalierbaren Hochzeitsmarkt bedienen würden», sagt der 36-jährige Becker, der früher als Journalist arbeitete. Der 30-jährige Dessauges hat bei der Kundenpflege besonders gute Karten - er war früher im Private Banking bei der HSBC.

«Wir sind nicht traurig, dass wir kein Unicorn sind»

Zkipster mag für die Gründer nicht der Weg zum schnellen Reichtum sein - wohl aber ein langer Klettersteig hin zu einem soliden Geschäft: «Wir sind nicht traurig, dass wir kein Unicorn sind - der überproportionale Erfolg von heute kann der vorzeitige Tod von morgen sein», sagt Dessauges. Sie haben zwei Partner mit ins Boot genommen, die für einen Anteil an der Firma ihre Kontakte eröffnet haben: Die PR-Beraterin Nadine Johnson sowie ein Washingtoner Insider, der Zkipster Türen in die Politik öffnen soll.

«Papier ist noch immer unser grösster Konkurrent», sagt Becker. «Es ist leicht und billig.» Inzwischen wittern aber auch amerikanische Konkurrenten das Geschäft: Es gibt die beiden Einlass-Apps Eventfarm und Social Table aus Washington sowie das Startup Splash aus New York - die aber nicht an dieselbe hochklassige Klientel kommen wie Zkipster.

App in Tschechien programmiert

Becker und Dessauges sind alte Freunde. Gemeinsam organisierten sie 2008 eine Studenten-Party im Zürcher Nachtclub Kaufleuten. Nur wahre Studenten sollten rein - doch mangelnde Organisation mit 1000 Namen auf Papierlisten sorgte dafür, dass die Gäste um die Häuserblocks anstehen mussten.

Irgendwo im Chaos der Nacht reifte den beiden die Idee: «Das muss doch effizienter gehen.» Die beiden liessen die App in Tschechien programmieren. Schnell merkten sie, dass Europa im Annehmen neuer technologischer Lösungen nicht so offen ist wie die USA - deshalb der Sprung über den Atlantik nach New York.

«Ja» heisst noch lange nicht «Ja»

Heute treten die beiden Zkipster-Gründer jährlich beim Market Entry Camp der Schweizer Wirtschaftsförderung Swissnex vor neuen Gründern aus der Schweiz auf, die Amerika als Markt ansteuern: «Der wichtigste Rat ist, seine Geschäftsidee in zwei Sätzen stichhaltig auf den Punkt bringen zu können», erklärt Becker. «Das haben wir auch auf dem harten Weg gelernt.» Denn das «Ja» eines Amerikaners sei noch lange nicht als «Ja» gemeint: «Sie sagen zwar nie Nein, melden sich aber nie mehr zurück.»

Ursprünglich öffnete Beckers Cousin Serge den beiden die ersten Türen in New York. Er designt Clubs und Restaurants und brachte sie mit Nadine Johnson zusammen. Inzwischen gehen Becker und Dessauges selbst auf die Partys, zu denen ihre App den Einlass managt. «Wie soll man sagen? Die sind auch nicht aufregender als ein Klassentreffen», sagt Becker. «Leute, die sich kennen, unterhalten sich.» «Nun ja», wirft Dessauges ein, «wir nehmen ja auch eher den Lieferanteneingang».

Anzeige