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Internet-Plattform
Tamedia fällt auf Betrüger herein

Hauptsitz in Zürich: Tamedia verliert Millionen wegen Betrüger. Keystone

Das Medienhaus ist einem Betrüger aufgesessen. Der Ex-Chef der dänischen Mode-Plattform Trendsales fälschte über Jahre die Bilanzen. Nun muss Tamedia weitere Millionen einschiessen.

Von Sven Millischer
am 04.01.2017

Der Zürcher Medienkonzern Tamedia hat Ärger in Dänemark. Vor zweieinhalb Jahren kaufte das Unternehmen den elektronischen Second-Hand-Marktplatz Trendsales für umgerechnet gut 35 Millionen Franken. Was der Tamedia-Führung um  Digitalchef Christoph Brand beim Kauf nicht auffiel: Der damalige Trendsales-Chef Rasmus Goth Engel hatte über Jahre die Bilanzen der Internetfirma frisiert.

«Der Betrug umfasst Veruntreuung, Urkundenfälschung und betrügerisches Finanzreporting in den Jahren 2012 bis 2016», heisst es im jüngsten Geschäftsbericht. Erst im letzten Frühjahr kam Tamedia dem mutmasslich fehlbaren CEO auf die Schliche, entliess ihn fristlos und stellte Strafanzeige gegen Goth Engel.

2017 soll wieder schwarz werden

Damit nicht genug: Trendsales hat aufgrund von weiteren Verlusten im 2016 das Eigenkapital aufgezehrt. Tamedia musste deshalb vor wenigen Tagen 3,4 Millionen Franken ins Second-Hand-Portal einschiessen, das seit Jahren Millionenverluste scheibt. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer betont: «Der Betrugsfall ändert nichts daran, dass Trendsales eine der reichweitenstärksten Transaktionsplattformen Dänemarks und klarer Marktleader im Bereich Vintage Fashion ist.»

Mit der Kapitalspritze sei nun die Basis für «weiteres Wachstum» gelegt, so Zimmer. Der Tamedia-Sprecher rechnet  2017 «mit der Rückkehr in die schwarzen Zahlen», was aber auch von weiteren «Invesitionen ins Wachstum» abhänge.

Second-Hand-Kleider

Im Juli 2014 übernahm Tamedia 88 Prozent an der dänischen Second-Hand-Plattform Trendsales. 70 Prozent der Aktien kaufte Tamedia der südafrikanischen Naspers-Gruppe ab, die sich damals schrittweise aus Westeuropa zurückzog. 18 Prozent gehörten den Gründern. Die Plattform wurde 2002 gegründet und ist heute der grösste Marktplatz für Second-Hand-Kleider in Skandinavien.

Über eine Million Kleider, Schuhe und Accessoires stellen private Nutzer wie professionelle Anbieter auf der Plattform bereit. Der Zürcher Medienkonzern Tamedia ist seit 2012 im nordischen Königreich präsent. Damals kaufte das börsenkotierte Unternehmen die beiden Gratiszeitungen «MetroXpress» und «24timer» von der schwedischen Mediengruppe Metro International.

Tamedia legt Wert auf folgende Präzisierung: Durch Titel, Bild und Gestaltung des Artikels «Dänischer Plunder» in der gedruckten Ausgabe der Handelszeitung vom 5. Januar kann der Eindruck entstehen, Tamedia-Digitalchef Christoph Brand sei direkt in den Betrugsfall bei der dänischen Tamedia-Tochter Trendsales involviert. Das ist natürlich nicht der Fall.

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