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Zukunft
Was Google-Missionar Jeremy Abbett Schweizer Firmen rät

Jeremy Abbett: Der Google-Mann war einer der Keyspeaker beim Worldwebforum in Zürich. Keystone

Jeremy Abbett prägt Googles Innovationskultur. Im Videointerview verrät der Amerikaner, wie der Tech-Gigant die Kreativität seiner Mitarbeiter fördert und wo Schweizer Firmen noch dazulernen könnten.

Von Mathias Ohanian und Pascal Scheiber
am 28.01.2016

Jeremy Abbett ist Missionar. Zumindest steht das auf der Visitenkarte des Google-Mannes: Creative Evangelist. Seit mittlerweile rund drei Jahren ist der Designer und Technik-Enthusiast bei dem Giganten aus dem Silicon Valley beschäftigt. Abbett arbeitet an den Schnittstellen: «Google ist bekannt für den technischen Aspekt von Dingen – aber sie sind auch extrem kreativ«, sagt er im Interview am Rande des Worldwebforum in Zürich.

Wichtig für ihn in seiner täglichen Arbeit: Wie kann die Kreativität der Mitarbeiter bestmöglich für die Entwicklung neuer Produkte genutzt werden? «Wenn wir älter werden, vergessen wir, was es heisst, kreativ zu sein», sagt Abbett. Wie aber schafft es Google, ein kreatives Umfeld zu schaffen? Abbett verweist im Interview auf die Lebensläufe der beiden Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin. Beide gingen als Kinder auf Montessori-Schulen.

Silos funktionieren nicht, dafür flache Hierarchien

Die Ausbildung dort sei ganzheitlicher und auf die Entwicklung des Menschen ausgerichtet, sagt Abbett. «Es gibt keine Noten.» Er selbst schicke seine beiden Kinder in Hamburg, wo er für Google arbeitet, ebenfalls auf eine Montessori-Schule. Die Parallelen zur Innovationskultur bei Google seien gross. Bei neuen Entwicklungen gehe es heute vor allem um Learnings. «Die Dinge verändern sich so schnell – wenn du nicht ständig lernst, wirst du irrelevant», sagt Abbett.

Hier das ausführliche Video-Interview:

Was können Schweizer Firmen von Google lernen, wenn sie kreativer und innovativer werden wollen? Die Schweiz sei in einer grossartigen Position – um aber wirklich innovativ zu sein, brauche es auch einen gewissen Leidensdruck, ist Abbett überzeugt. Man müsse verstehen, dass die Welt heute ganz anders funktioniere als noch vor wenigen Jahren. Und: «Viele europäische Firmen basieren auf gestern», so Abbett.

Wichtig: Die Innovationskultur muss von der Spitze des Unternehmens vorgelebt werden. Es braucht eine Kultur des Teilens innerhalb von Firmen. Wissensaustausch sei entscheidend, so Abbett, Silos hingegen funktionierten nicht. Auch dürfen die Hierarchien nicht zu streng sein. Ebenfalls wichtig: Die Etablierung eines kreativen Umfelds, in dem viele Fragen gestellt werden können, auf die man heute womöglich noch keine Antworten habe. Und Chefs, die ihre Mitarbeiter ermutigen.

Europäische Firmen basieren auf gestern»

Diese sind sowieso wichtig: Eine Innovationskultur entstehe erst dann, wenn die Geschäftsleitung das auch vorlebe – Abbett kennt das bekannte Sprichwort auch auf Deutsch: «Der Fisch stinkt vom Kopf.»

Doch sind europäische Firmen weniger risikofreudig als in den USA? Für den in Hamburg lebenden Amerikaner ist klar, dass dem so ist. Legten amerikanische Unternehmen oft Optimismus an den Tag, seien sie in Europa eher «angstgetrieben» (auch dieses Wort kennt Abbett auf Deutsch). Dies hänge auch mit der alternden Gesellschaft zusammen: Jungen falle es leichter, Risiken zu nehmen. Die Schweiz habe dabei womöglich einen Nachteil: Denn dem Land geht es gut, das könnte Innovationen hemmen.

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