Von Star-Investor Marc Andreessen stammt der berühmte Satz: «Software frisst die Welt auf.» Technologiefirmen dominierten immer mehr Bereiche der Wirtschaft, sagte Andreessen – und dieses Phänomen stehe heute erst am Anfang.

Die Geschäftsgrundlage vieler der neuen Internetfirmen sei solide und erfolgversprechend. Aus Sicht von Andreessen hatten dies die Anleger nicht verstanden - «der Markt mag Technologie nicht», sagte er im August 2011.

Der Markt liebt Tech-Aktien

Vier Jahre später trifft Andreessens Feststellung nicht mehr zu: Der Markt liebt Tech-Aktien. Auch wenn es bei vielen Unternehmen rumort. So setzten etwa Microsoft, Twitter, Hewlett-Packard den Rotstift an und setzen Tausende Mitarbeiter auf die Strasse. Auch hippe Tech-Startups sparen.

Doch die Anleger scheinen sich am Aderlass nicht zu stören – und setzen weiter auf den Tech-Boom. Apple, die Google-Mutter Alphabet und Microsoft sind heute die wertvollsten Unternehmen weltweit – noch vor dem Ölkonzern Exxon. Facebook und Amazon sind in den Top Ten.

Ende letzte Woche schossen die Aktien von Amazon und vom Google-Mutterkonzern Alphabet rund zehn Prozent in die Höhe, die Microsoft-Titel gewannen rund fünf Prozent. Die drei Unternehmen hatten zuvor ihre Quartalsergebnisse präsentiert. Heute Dienstag legt Apple seine Zahlen vor, Twitter ebenfalls. Und zumindest vom iPhone-Konzern erwarten Analysten ein starkes Resultat.

Google steckt Milliarden in Zukunftsprojekte

Für Analyst Mark Hatwin vom Vermögensverwalter Gam sticht von den bisherigen Resultaten Google hervor: Zu stabilen Wechselkursen gerechnet legte das Kerngeschäft mit Webseiten um ein Viertel zu – das widerlege die Behauptung, die schwache Weltkonjunktur werde den Suchmaschine-Konzern bremsen.

Googles Ergebnis sieht laut Hatwin noch besser aus, wenn die immensen Kosten für visionäre Projekte berücksichtigt werden: Das Unternehmen steckt zwischen 3 und 9 Milliarden Dollar in sein Forschungslabor Google X, wo es an selbstgesteuerten Autos, tragbaren Computer wie Google Glass oder Paketlieferungen per Drohne tüftelt.

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Angesichts dieser Kosten hält Hatwin eine noch höhere Aktienbewertung für möglich: Alphabet/Google könnte noch vor Apple einen Börsenwert von 1 Billion Dollar erreichen, glaubt der Analyst.

Schwieriges Schlussquartal für Amazon

Vom Amazon-Ergebnis zeigte sich Hatwin weniger beeindruckt: Zwar steigerte der Online-Händler Gewinn und Umsatz kräftig. Doch der Analyst sieht verschiedene Risiken für das vierte Geschäftsquartal, etwa die Kosten für den Streaming-Dienst Prime Instant Video oder der Aufwand fürs Weihnachtsgeschäft – Amazon will 100'000 Temporärmitarbeiter anstellen. Langfristig hat Hatwin allerdings keine Bedenken. Nur schon das Geschäft mit der Cloud-Datenwolke AWS könnte den Aktienkurs von Amazon rechtfertigen.

Das Cloud-Geschäft macht den Gam-Analysten auch zuversichtlich für Microsoft: «Wir sind beeindruckt von der Profitabilität, die Microsoft bei seinem Schritt hin zur Cloud aufweist», schreibt Hatwin. Doch er bleibt skeptisch, ob Microsoft rasch genug die riesigen Einnahmen aus dem Geschäft mit Windows und anderer Software kompensieren kann.

(mbü)