Der Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» («NZZ») vom 16. Dezember schlug ein wie eine Bombe. Er zeigt, dass nebst Iqbal Khan ein weiterer Topmanager aus CS-Reihen beschattet worden war: Ex-Personalchef Peter Goer­ke. Ein Image-GAU für die CS-Chefs Tidjane Thiam und Urs Rohner, die stets betont hatten, die Khan-Bespitzelung sei eine «isolierte Angelegenheit» gewesen.

Mit Goerke traf die Massnahme zudem just jenen Mann, der in seiner Zeit als Konzernleitungsmitglied für jenes Gremium zuständig war, das unter anderem auch die Überwachung scheidender Mitarbeiter verantwortet: das «Conduct and Ethics Board». Diesem GL-Ausschuss stehen traditionsgemäss jeweils der Head Human Resources und der Head Compliance als Co-Präsidenten vor. Bis zum Management-Revirement vom 26. Februar waren dies Goer­ke und seine Kollegin Lara Warner. Mitglieder waren aber auch andere hochkarätige GL-Mitglieder wie Pierre-Olivier Bouée als COO, Romeo Cerutti als Chefjurist und Jo Oechslin als Risikochef.

Peter Goerke

CS-Geschäftsleitungsmitglied Peter Goerke wurde bespitzelt.

Quelle: ZVG
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Untersuchung gegen Illy

Das «Conduct and Ethics Board» war unter anderem auch für den Fall des scheidenden Schweizer Investmentbanking-Chefs Marco Illy zuständig, dessen Wechsel zur UBS die CS torpedierte. Illy war allerdings nicht bespitzelt worden. Das war auch gar nicht nötig, denn er hatte der CS selber gemeldet, was ihm später zum Verhängnis wurde: dass er einen Kunden an seinen neuen Arbeitgeber vermittelt hatte. Das Board nahm dies zum Anlass, eine Untersuchung gegen Illy zu starten.

Die Bespitzelung von Goerke fand laut «NZZ» vom 20. bis 22. Februar und damit wenige Tage vor dem Revirement statt. Die Degradierung von Goerke zum Senior ­Advisor war eine Überraschung, galt dieser doch als einer der engsten Vertrauten von Thiam, mit dem er schon beim britischen Versicherer Prudential war.

Getrübtes Verhältnis zu Thiam

Doch zuletzt habe sich das Verhältnis verschlechtert, heisst es aus dem Umfeld von Goerke. Es begann damit, dass Thiam den Tätigkeitsbereich von Goerke zu reduzieren begann, der Bereich Kommunikation etwa ging an Adam Gishen. Beim Plan von Thiam, die tiefe Frauenquote aufzustocken und zwei zusätzliche Frauen in die GL zu berufen, geriet Goerke weiter unter die Räder: Für Antoinette Poschung als neue Personalchefin musste er weichen. Dies soll er im kleinen Kreis bissig kommentiert haben: Poschung, seit Ewigkeiten bei der Bank, hätte man ja schon 2015 nehmen können, statt ihn damals zu beknien, zur CS zu wechseln.

Als im Spätsommer die Bespitzelungs­affäre um Khan aufkam, sei Goerke bereits stark auf Distanz zu Thiam gewesen, wissen Beobachter zu berichten. Thiam konnte damals noch den Kopf aus der Schlinge ziehen: Bouée habe das Ganze angeordnet, der CEO sei nicht involviert gewesen, so die Bank. Doch Goerke soll die Meinung vertreten haben, Thiam selber hätte umgehend öffentlich Stellung nehmen sollen. Aber dieser tauchte ab. Als Thiam später doch noch vor die Medien trat und über Wegbegleiter Bouée verlauten liess, dieser sei «kein Freund», sie hätten «vielleicht einmal zu Mittag gegessen», dürfte auch Goerke klar geworden sein, dass es mit Thiams Loyalität gegenüber Freunden nicht weit her ist.

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