Manche Ökonomen sagen: Die Schweizer Wirtschaft wird infolge des starken Frankens zumindest im 2015 schrumpfen. Andere wiederum sind der Ansicht: Der starke Franken ist mittel- und langfristig gut für Unternehmen. Jetzt läuft die aktuelle Berichtssaison mehr und mehr an. Was sagen Unternehmen tatsächlich zum starken Franken? Etwa 80 Prozent sind der Meinung: Alles nicht so schlimm! Ein Überblick:


Ascom: Beim Spezialisten für Kommunikationslösungen herrscht Zuversicht: Für 2015 wird erwartet, dass der Umsatz um 3 bis 7 Prozent steigen und die Marge im Bereich zwischen 13 und 16 Prozent landen wird. 2014 waren es 15,4 Prozent. Im nächsten Jahr werden weitere Steigerungen erwartet. Der Umsatz soll dann rein organisch um 5 bis 10 Prozent nach oben gehen, die Marge auf 14 bis 18 Prozent steigen. Zum Franken sagt das Unternehmen: Nur rund 6 Prozent der Mitarbeiter sind in der Schweiz beschäftigt. Zwar wird angenommen, dass der in Franken umgerechnete Nettoumsatz und Betriebsgewinn um 10 bis 15 Prozent fallen wird, doch aus der Umrechnung der lokalen Währungen in Franken erwartet das Unternehmen keine wesentlichen Folgen auf Wachstum und Margen.

Barry Callebaut: Der Schokoladenkonzern hat ein abweichendes Geschäftsjahr, hat aber nach Präsentation der Zahlen zum ersten Quartal vor zwei Wochen ebenfalls bezüglich Franken gesagt: 99 Prozent der Umsätze werden ausserhalb der Schweiz abgewickelt, das Geschäft hat damit eine begrenzte Abhängigkeit vom Franken. Lediglich Umrechnungseffekte für die Schweizer-Franken-Bilanz sind möglich.

Belimo: Der Anbieter von Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von 6 bis 8 Prozent, sagt aber auch, es könnte auf Frankenbasis Stagnation geben. Dennoch herrscht in der Firmenzentrale in Hinwil mehr oder weniger Zuversicht. Belimo führt Preisverhandlungen mit Lieferanten, die Produktionskosten sollen optimiert werden und die internationale Aufstellung ist sehr gut. Es scheint: Die Frankenstärke ist bei Belimo kein grosser Aufreger.

Bobst: Der Verpackungsspezialist senkt die Prognose und sieht erhebliche negative Einflüsse auf sein Geschäft durch den starken Franken. Beim Umsatz wird damit gerechnet, dass er in diesem Jahr nur zwischen 1,15 und 1,23 Milliarden liegen wird, zuvor hat die Schätzung noch bei 1,25 bis 1,33 Milliarden gelegen. Der Gewinn soll etwas mehr als 15 Millionen Franken betragen. Das wäre die Hälfte des 2014er-Ergebnisses. Mögliche Gegenmassnahmen bezüglich starken Franken sind da noch gar nicht drin.

Bucher: Der Maschinenbauer hat weniger als 10 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz und sieht Belastungen aus dem starken Franken vor allem in der Umrechnung der Fremdwährungen. Beim aktuellen Frankenkurs nennt Bucher für 2014 einen hypothetischen Effekt auf den Umsatz von 400 Millionen Euro – das wäre ein Minus von rund 15 Prozent, bei der operativen Marge soll der Effekt bei weniger als einem Prozentpunkt liegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern würde damit geschätzt um weniger als 10 Prozent zurückgehen.

Burckhardt Compression: Im kommenden Geschäftsjahr 2015/16 ab 1. April rechnet der Maschinenbauer mit Umsatzsteigerungen. Der Betriebs- und Nettogewinn soll 2014/15 sogar deutlich höher liegen, und bei der operativen Marge wird davon ausgegangen, dass sie wieder auf den langfristigen Zielkorridor von 15 bis 20 Prozent steigen wird. Wegen der Frankenstärke ist Burckhardt Compression wenig beunruhigt, weil mehr als die Hälfte der Betriebskosten in Fremdwährung anfällt. Das Statement: «Kurzfristig können Mitbewerber aus dem Euro-Raum kostenseitig einen Vorteil haben. Es hat sich jedoch in der Vergangenheit gezeigt, dass Burckhardt Compression in der Lage ist, diese Nachteile mittelfristig wieder auszugleichen.» Als Grund wird ein klarer Mehrwert für die Kunden durch die Burckhardt-Produkte genannt.

Dätwyler: Der Distributor für elektronische Komponenten hat sich schon vor Jahren auf einen starken Franken eingestellt und produziert inzwischen weniger als 5 Prozent des Umsatzes in der Schweiz. Der Konzern aus Altdorf sieht lediglich einen Umrechnungseffekt der Fremdwährungsbeiträge in Franken – Translationseffekte – von rund 10 Prozent.

EFG International: Nicht so schlimm wie befürchtet, dürfte sich auch der starke Franken bei EFG International auswirken. Die Bank, die sich auf ausländische Anleger konzentriert, hat vor zwei Wochen bekannt gegeben, sie würde bei anhaltender Dollar- und Euroschwäche jeweils einen einstelligen Prozentwert im Gewinn verlieren. Die Auswirkungen auf die Eigenkapitalquote wurden hingegen sogar als unerheblich bezeichnet.

Emmi: Die Auswirkungen dürften eher gering sein. Beim Milchverarbeiter sollen lediglich Exportumsätze von etwa 400 Millionen Franken betroffen sein. Damit wären rund 12 Prozent der Umsätze von 3,4 Milliarden Franken von der Frankenstärke berührt und dann mit dem Effekt von rund 15 Prozent. Dennoch hat Emmi schon ein Paket geschnürt, um möglichen Folgen entgegenzuwirken. Darin enthalten sind Preisanpassungen bei Exportprodukten, Effizienzprogramme und Preisverhandlungen mit internationalen Lieferanten. Der Gewinn soll trotz Frankenstärke im Rahmen der mittelfristigen Prognose liegen.

EMS: Das Chemieunternehmen erwartet beim Umsatz in Franken eine leicht fallende Tendenz im 2015. Der operative Gewinn soll aber auf 2014er-Niveau bleiben.

Evolva: Der Biotechnologie-Konzern will sogar vom starken Franken profitieren. Nicht nur der Umsatz soll 2015 steigen, auch der Gewinn soll zulegen. Positive Kosteneffekte auf Frankenbasis sollen dabei möglicherweise negative Umsatzeffekte übersteigen.

Gurit: Der Kunststoffspezialist erwartet einen Umsatzrückgang um 5 bis 8 Prozent. Die operative Marge soll aber wegen der starken internationalen Geschäftstätigkeit kaum belastet sein.

Huber + Suhner: Beim Spezialisten für die Übertragung von Daten und Energie werden sehr negative Auswirkungen erwartet. Beim Konzern aus Pfäffikon fallen rund 35 Prozent der Kosten in Franken an, fakturiert werden jedoch nur 10 bis 15 Prozent in Franken. Das heisst, die Kosten werden wohl überproportional stark steigen. Sollte sich der Euro jedoch vom Tief lösen, könnten sich die Befürchtungen aber auch als überproportional übertrieben herausstellen.

Hügli: Das Lebensmittelunternehmen geht davon aus, dass die negativen Effekte der Frankenstärke durch organisches und anorganisches Wachstum in etwa kompensiert werden. Umsatz und operativer Gewinn sollen in etwa auf 2014er-Niveau verharren.

Komax: Das Technologieunternehmen mit Fokus auf die Automatisierung sagt: «In der Vergangenheit ist es uns immer gelungen, den Einfluss von Wechselkursveränderungen aufzufangen und die Profitabilität der Gruppe zu sichern.» Massnahmen sind beispielsweise der Ausbau des natürlichen Hedges, also der natürlichen Währungsabsicherung, durch mehr Produktion und höhere Kostenbasis im Ausland.

Logitech: Der IT-Zulieferer bilanziert in Dollar und hat erst Ende Januar die Ziele erhöht. Analysten rechnen mit der Verdopplung der Dividende.

Lonza: Der Pharmakonzern nennt bei einem Rückgang von Dollar und Euro um je 5 Prozent einen Rückgang im operativen Ergebnis um rund zehn und fünf Millionen Franken. Das wären etwa 3 Prozent des Gewinns. Für 2015 wird allerdings angenommen, dass Umsatz und Gewinn weiter steigen werden.

Looser: Die Industrieholding sieht zwar Umrechnungseffekte, ist jedoch grundsätzlich positiv gestimmt fürs neue Jahr.

Rieter: Auch beim Spezialisten für Textilmaschinen herrscht keine Krisenstimmung. Das Unternehmen will wegen der Frankenstärke noch innovativer werden.

Schaffner: Der Anbieter von elektronischen Systemen produziert nicht mehr in der Schweiz und erwartet deshalb vor allem Umrechnungseffekte.

SFS Group: Der Hersteller von Befestigungssystemen will noch mehr Produktion ins Ausland verlagern, rechnet aber mit erheblichen Auswirkungen auf Umsatz und Betriebsgewinn.

Siegfried Holding: Der Pharmakonzern erwartet nur geringe Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn. Da ist mit einem Effekt von etwa 5 bis 10 Prozent zu rechnen.

Starrag: Der Maschinenbauer produziert nur zu rund 25 Prozent in Schweizer Werken und sieht sich im Vergleich zu anderen Industrieunternehmen weniger stark von der Euro-Schwäche betroffen. Der Konzern aus Rorschacherberg will aber Kosten senken.

Straumann: Beim Hersteller von Dentalimplantaten gibt es erstaunliche Gegenmassnahmen. Der Konzern aus Basel will nicht nur Grenzgängern das Gehalt in Euro auszahlen, sondern er kürzt auch die Gehälter des Managements massiv um bis zu 35 Prozent, wie etwa bei CEO Marco Gadola.

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