Die Weltbörsen tun sich derzeit noch schwer mit der sonst oft typischen Jahresendrally. Aber das passt zum Verlauf des gesamten Jahres. Denn unter dem Strich hat sich beim MSCI Weltindex auf Dollar-Basis im auslaufenden Jahr kaum etwas getan. Geht es nach J.P. Morgan, wird sich daran auch 2016 wenig ändern.

Mit Blick auf das kommende Jahr bezeichnen die Analysten der US-Investmentbank das Chance-Risiko-Verhältnis bei Aktien verglichen mit den Vorjahren als weniger attraktiv. Wie es heisst, könnte die bisher zu beobachtende Bereitschaft der Anleger zum Aktienkauf in jede Kursschwäche hinein auslaufen. Als Konsequenz daraus wurde die Übergewichtung von Aktien in einem Modellportfolio auf 5 Prozent gesenkt. Das entspricht der geringsten Übergewichtung für diese Assetklasse seit Beginn des laufenden Bullenmarktes.

Europäische Aktien übergewichten

In der 160 Seiten umfassenden Studie wird gleichzeitig dazu geraten, Aktien aus der Eurozone in einem global ausgerichteten Portfolio 2016 überzugewichten. Zur Begründung wird auf eine Konjunkturerholung verwiesen, die sich noch in einem frühen Stadium befinde.

Ausserdem rechne der Analystenkonsens für das kommende Jahr mit einem Ergebnisplus von im Schnitt 8,5 Prozent bei den im Euro Stoxx Index vertretenen Unternehmen. Eine Zielvorgabe, die gut zu der von den hauseigenen Volkswirten erwarteten Wachstumsbeschleunigung in der Eurozone von 1,5 Prozent auf 1,8 Prozent passe. Als potenzielle Bremse werden aber die als nicht gerade günstig eingestuften Bewertungsrelationen gesehen.

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Die Favoriten – Italien, Deutschland, Exporteure

Als besonders interessant herausgestrichen, wird auf Länderebene der italienische Aktienmarkt, der bereits bisher favorisiert worden ist. Auch an der Übergewichtung der als relativ günstig bezeichneten deutschen Börse wird festgehalten, ebenso wie an der bereits seit Jahren gültigen Untergewichtung des rohstofflastigen und von einem EU-Ausstieg bedrohten britischen Aktienmarktes.

Wie schon zuletzt wird unter anderem Aktien von Unternehmen am meisten zugetraut, die von einer Erholung der Wirtschaft in Europa profitieren. Zumal diese Titel auch mit einem Bewertungsabschlag gegenüber dem Gesamtmarkt behaftet sind. Wegen der anhaltenden Euro-Schwäche werden wohl zudem auch Exporteure gut abschneiden.

Nestlé und Novartis zählen zu den Top-Picks

Bei den von J.P. Morgan beobachteten Einzelwerten werden 36 Titel als besonders kaufenswert herausgestrichen. Darunter befinden sich zwei Aktien aus der Schweiz. Der eine Valor, jener des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé (ISIN: CH0038863350), wird favorisiert wegen relativ guter Gewinnaussichten, wegen vernünftiger Bewertungsrelationen im Branchenvergleich, wegen den bestehenden Optionen beim Portfolioumbau und wegen des Potenzials für steigende Ausschüttungen. Bei einem Kursziel von 84 Franken beträgt das Kurspotenzial rund 15 Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Aktien aus der J.P.-Morgan-Top-Pick-Liste aber eher bescheiden, gibt es unter den 36 Empfehlungen doch gleich acht Werte, denen ein Kurspotenzial von mehr als 30 Prozent zugebilligt wird.

Darunter befindet sich mit Novartis (ISIN: CH0012005267) auch der zweite Mitfavorit aus der Schweiz. Bei diesem Pharmakonzern sind die Analysten zuversichtlich in Sachen positiver Gewinnüberraschung. Nebst der Hoffnung auf gute Nachrichten zur Produkt-Pipeline wird auch erwartet, dass sich die Bedenken beim im 2015 eingeführten Herzmedikament Entresto legen werden. Beim Gewinn je Aktie rechnet J.P. Morgan jedenfalls für 2017 mit einem Wert von 6.14 Franken, was über der Konsensschätzung von 5.99 Franken liegt. Als Kursziel werden 110 Franken genannt, was bei Erreichung dieser Zielvorgabe auf ein Kursplus von rund 32 Prozent hinauslaufen würde.

Royal Mail Group und Norsk Hydro – 30 Prozent Potenzial

Ein identisches Kurspotenzial wird bei einem Kursziel von 6,05 britischen Pfund mit ebenfalls rund 30 Prozent den Anteilsscheinen der Royal Mail Group (ISIN: GB00BDVZYZ77) zugetraut. Wie es zum Übergewichten-Anlageurteil heisst, sieht sich die britische Post zwar mit einigen Risiken wie mit einem unklaren Ausgang der Tarifverhandlungen oder mit eventuell neuen Herausforderungen im regulatorischen Umfeld konfrontiert, doch viel davon steckt inzwischen auch in den Kursen drin. Auf Basis eines für 2016 prognostizierten Ergebnisses je Aktie von 0,406 Pfund ergibt sich ein geschätztes KGV von 11,3. Hinzu kommt als Pluspunkt eine für das kommende Jahr auf 4,8 Prozent taxierte Dividendenrendite.

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Etwas tiefer als bei den beiden erstgenannten Vertretern veranschlagt J.P. Morgan das Kurspotenzial bei Norsk Hydro (ISIN: NO0005052605). Aus einem Kursziel von 40,00 norwegischen Kronen, das für Ende 2016 auf einem unterstellten Verhältnis des Kurses  gegenüber dem Nettogegenwartswert von 1,0 basiert, ergibt sich ein Potenzial von 30 Prozent. Der Aluminiumproduzent leide zwar auch unter den niedrigen Rohstoffpreisen, verfüge verglichen mit anderen Vertretern aus der Branche aber über strukturelle und zyklische Vorteile.

So seien die Norweger vertikal integriert, die Kostenbasis relativ günstig und die Bilanz vergleichsweise stark. Ausserdem profitiere Norsk Hydro von der Schwäche der heimischen Krone und des Euro gegenüber dem Dollar. Attraktive freie Cashflow-Renditen und die Möglichkeit, dass es zu steigenden Ausschüttungen kommen wird, würden vor diesem Hintergrund am Markt nicht richtig gewürdigt.

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Land Securities Group – Kurse unter dem Vermögen

Beim nächsten Favoriten Land Securities Group (ISIN: GB0031809436) gefällt den Analysten von J.P. Morgan unter anderem die Bewertungsseite. Denn gemessen an dem für Ende März 2016 ermittelten Nettoinventarwert ergibt sich ein Abschlag von fast 20 Prozent. Wobei sich dieser Discount angesichts eines unterstellten weiteren Anstiegs des Nettoinventarwertes bis Ende März 2017 noch weiter erhöhen dürfte.

Wegen der guten Aussichten für den gewerblichen Immobilienmarkt in London sei das ein zu grosser Abschlag für die Aktie des grössten kommerziellen Immobilienentwicklers in Grossbritannien. Zufrieden zeigt man sich ansonsten auch mit der von den Branchenvertretern im aktuellen Zyklus bewiesenen Finanzdisziplin. Als Kursziel werden für Land Securities 16,00 Pfund genannt – ein Kurspotenzial von rund 35 Prozent.

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DSM – Phantasie aus dem Verkauf von Randaktivitäten

In einer ähnlichen Grössenordnung beim Kurspotenzial bewegt sich auch DSM (ISIN: NL0000009827). Das Kursziel von 62 Euro liegt um 35 Prozent über den derzeit gültigen Notierungen. Beim Unternehmen aus den Niederlanden, das Industriechemikalien, Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel produziert, wird Potenzial zum Heben von stillen Reserven beim Verkauf von Randaktivitäten gewittert. Zudem birgt ein im Kerngeschäft eingeleitetes Effizienzprogramm die Chance auf steigende Ergebnismargen. Den Schätzungen zufolge wird der Gewinn je Aktie 2016 und 2017 auf 2,89 Euro und 3,36 Euro steigen.

Moncler – Gewinne bis zu 50 Prozent

Noch deutlich mehr ist bei den drei Top-Picks von J.P. Morgan drin. Dazu zählt zum einen Moncler (ISIN: IT0004965148). Der erst seit Ende 2013 börsennotierte italienische Mode-Bekleidungshersteller, der vor allem für seine wattierten Daunenjacken im oberen Preissegment bekannt ist, wird auf einem weiterhin anhaltenden Wachstumskurs gesehen. Obwohl das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren stärker zugelegt habe als andere Vertreter aus dem Luxussegment, gebe es noch immer viele ungenutzte Hebel, um diesen Trend auch künftig verteidigen zu können.

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Trotz dieser positiven Erwartungshaltung werde die Aktie auf Basis der für 2016 und 2017 angenommenen Gewinne je Aktie von 0,78 und 0,88 Euro mit einem so geringen Bewertungsaufschlag gegenüber der Branche bewertet wie noch nie seit dem IPO. Gerechtfertigt seien deutlich höhere Kurse von 21,50 Euro – entsprechend einem Kurspotenzial von rund 50 Prozent.

Deutsche Bank – weit unter Buchwert

In der Bankenbranche hievt J.P. Morgan für 2016 die Aktien der Deutschen Bank (ISIN: DE0005140008) auf das Favoritenschild. Die zuletzt weiter gefallenen Kurse dürften auch mit der Sorge um eine Verwässerung des Buchwertes zu erklären sein. Doch damit rechnen die hauseigenen Analysten nicht, und unter dieser Prämisse sei bei einem derzeitigen Buchwert von 38 Euro ein Verhältnis des Kurses gegenüber dem Buchwert von unter 0,6 einfach zu niedrig. Zumal der neue Vorstand die Geschäftsprognosen für das grösste deutsche Kreditinstitut konservativ angesetzt und vermutlich auch bei der Erfüllung der Zielvorgabe bei den angestrebten Kostensenkungen noch Spielraum habe.

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Stimmt diese Annahme, könnte es auf der Ergebnisseite positive Überraschungen geben. Wobei sich schon jetzt bei einem für 2016 unterstellten Gewinn je Aktie von 3,82 Euro nur ein geschätztes KGV von unter sechs ergibt. Das Kursziel ist hier auf 35,00 Euro veranschlagt, was rund 55 Prozent über der momentan gültigen Notierung liegt.

Peugeot – enormes Kurspotenzial

Getoppt wird dieses Kurspotenzial nur noch von Peugeot (ISIN: FR0000121501). Bei einem auf 27,00 Euro taxierten Kursziel besteht hier theoretisch sogar rund 70 Prozent Potenzial. Der hier zum Ausdruck kommende Optimismus beruht auf drei Pfeilern: So dürfte sich bei diesem französischen Autobauer dank einer Erholung des europäischen Automarktes und der Einstellung unprofitabler Modelle die Preismacht verbessern. Zudem wird mit einer steigenden Kapazitätsauslastung gerechnet sowie mit erheblichen Kosteneinsparungen.

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Die J.P.-Morgan-Analysten sagen: Wenn der Markt erst einmal erkenne, dass die selbstgesteckten Margenziele erreichbar seien, könne mit einer Neubewertung des Titels gerechnet werden. Auf Basis der für 2016 und 2017 vorhergesagten Gewinne je Aktie von 1,8 und 2,2 Euro bewegt sich das KGV nur im einstelligen Bereich.

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