«Heute erzähle ich euch ein Märchen.» Immer wenn der 51-jährige Aargauer ­Unterstufenlehrer Peter M. aus Baden seinen Unterricht so beginnt, kann er gewiss sein, dass er die ganze Aufmerksamkeit seiner Schülerschaft hat. Und er weiss sehr wohl, dass Märchen weit mehr als nur ­einen ­pädagogischen Wert haben. Deshalb freuen sich ja auch Erwachsene an Märchen aller Art. Denn auch sie und nicht nur die Kinder wünschen sich, dass zum Schluss die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden.

Beim neuesten Märchen für Erwachsene will beim Badener Lehrer aber gar keine Freude aufkommen. Es beginnt zwar genau so, wie ein Märchen beginnt: Es war einmal. Es war einmal ein Instrument, das aus einem kleinen Vermögen über die Jahre und Jahrzehnte ein grosses oder ­sogar ein sehr grosses machte. Ganz auto­matisch, ohne eigenes Dazutun. Allein das Geld musste arbeiten, sonst niemand. Doch dieses Instrument, genannt Zins, ist in den letzten zehn Jahren sukzessive von der Bildfläche verschwunden. Still und leise. Heute ist es so gut wie unsichtbar geworden oder hat sich gar ins Gegenteil verwandelt, in den Minuszins.