Kann sein, dass der Absturz der letzten Wochen an den Börsen noch weitergeht. Trotzdem: Bei vielen Unternehmen läuft das Geschäft, diese sitzen auf sehr hohen Cash-Beständen und zahlen auch noch gute Dividenden. Zudem spricht einiges dafür, dass sich die Weltwirtschaft weiter erholt.

Trotzdem ist es verständlich, dass Privatanleger noch mit der Finanzkrise im Hinterkopf eher die Finger von Investments lassen.

Künstliche Verkomplizierung. Allerdings geht dabei etwas vergessen: Wer sein Geld nicht investiert, vermehrt es auch nicht, sondern geht sogar das Risiko ein, es künftig in einer anziehenden ­Inflation dahinschmelzen zu sehen.

Anleger könnten also dieses Markt­umfeld langfristig nutzen und an der Börse investieren. Das Problem dabei ist oft, herauszufinden, in wie und in was sie investieren sollen. Diese Antworten zu finden, soll allerdings schwierig sein. So zumindest stellen es einzelne Anbieter immer wieder dar. «Erfolgreiches Investieren» wird in manchen Gesprächen mit Beratern der Finanzindustrie zur Raketentechnologie aufgeblasen.

Natürlich ist der Aktienmarkt komplex, getrieben von vielen Informationen rund um die Welt. Das alles in Betracht zu ziehen, kann sich lohnen, wenn Anleger den Aktienanteil darauf gestützt zur richtigen Zeit erhöhen oder senken.

Beispielsweise, um die älteste aller Börsenweisheiten zu befolgen: «Kaufe billig, verkaufe teuer.» Die grosse Illusion des Durchschnittsanlegers ist es, den jeweils richtigen Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg zu erwischen. Das Charles Schwab Center für Finanzuntersuchungen hat in einer Studie nachgewiesen, dass stur befolgte Anlage- und Sparpläne über 20 Jahre hinweg nur leicht schlechter performen als eine Perfect-Timing-Strategie, die es ohnehin nur in der Theorie gibt. Deswegen würden Privatanleger die Komplexität der Börse besser auf simple Anlageentscheidungen reduzieren. Denn Geld anlegen kann einfach sein. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson drückt es so aus: «Investieren sollte so sein, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen oder Gras beim Wachsen.»

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Im Prinzip genügt es, Komplexität und Aufwand zu reduzieren, indem man sein Geld auf eine grössere, aber überschaubare Anzahl von Aktien- und Anleihen­positionen verteilt, diese hält – und dann für ein paar Jahre vergisst. Mit rund 15 Dividendenpapieren im Portfolio sind schon über 90 Prozent der firmenspezifischen Risiken wegdiversifiziert.

Vorschläge dafür, welche Aktien- und Anleihenpositionen geeignet wären, zeigen drei Anlageexperten (siehe Tabellen). Dabei beschränkt sich einer auf Investments in kostengünstige Exchange Traded Funds (ETFs), ein weiterer auf etwas teurere, aktiv verwaltete Fonds. Der dritte Anlagespezialist unterbreitet einen Vorschlag mit Investitionen in einzelne Aktien sowie Obligationen.

Jeder der drei Anlageexperten hat ­jeweils ein Portfolio für drei unterschiedliche Risikokategorien erstellt: ein defensives Portfolio mit einer Zielrendite von zwei Prozent, ein ausgewogenes mit fünf Prozent und eines mit sieben Prozent.

Passiv schlägt aktiv. Der bequemste Weg zum einfachen Investieren führt über ETFs: Die börsengehandelten Anlagefonds werden «passiv» gemanagt. Das heisst, sie bilden in der Regel einen breiten Index ab, sei es in Aktien oder Anleihen. Dies verschafft Anlegern einige Vorteile. Sie sind günstig, weil keine hoch bezahlten Managementteams für das Führen eines Index-Produktes notwendig sind. Was ein Anleger an Kosten sparen kann, kommt ihm bei der Rendite zugute. Im Vergleich zu aktiv gemanagten Aktienfonds kann dies über ein Prozent pro Jahr ausmachen. Die Kosten sind einer der wenigen vorhersehbaren Aspekte beim Investieren, während eine Marktentwicklung in den Sternen steht.

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Der zweite Vorteil ist, dass ETFs weniger riskant sind als Einzelanlagen, weil damit gleich ein ganzes Paket von Einzelanlagen gekauft wird. Drittens sind sie sehr transparent, Anleger wissen jederzeit, welche Titel im Fonds drin sind. Viertens sind sie sehr liquide und können jederzeit über die Börse verkauft werden.

Der Nachteil von ETFs: Anleger verzichten auf eine potenzielle Überrendite, die mit Fonds oder Einzelinvestments ­erzielt werden kann – oder könnte. Denn nur gerade ein Fünftel der aktiv gemanagten Aktien- und Obligationenfonds schafft es, ihren Vergleichsindex zu schlagen, wenn die Kosten mitberücksichtigt werden.

Perlentaucher im Anlageteich. «Investments in die teureren Fonds sind sinnvoll, sofern die Anleger die Perlen unter den aktiv geführten Produkten finden», sagt der unabhängige Fondsspezialist Martin Bürki. Die Suche nach Fondsperlen übernehmen Ratingfirmen wie Morningstar, Lipper oder Citywire, die regelmässig auf Basis erzielter Renditen Fonds-Ranglisten erstellen. Perlentaucher für Fonds sind auch die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch sowie die deutsche Gesellschaft Sauren, welche die Produkte nach qualitativen Merkmalen aussuchen und bewerten.

Die richtige Auswahl verschafft Vorteile: Anleger können mit geringerem ­Risiko in Technologie-, Wachstums- und sonstige Trends investieren, auf die ein Fondsmanager spezialisiert ist. Marktphasen können sich allerdings ändern, während Fondsmanager an ihrer Strategie festhalten. Wenn etwa in den letzten zwei Jahren Fonds mit Substanz- und ­Dividendenaktien besonders gut liefen, werden bei einer anziehenden Weltwirtschaft diejenigen Fonds eine bessere Rendite bringen, die auf zyklischere Wachstumswerte setzen.

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Einfaches Investieren ist auch mit ­Direktinvestments in Aktien und Obligationen keine Hexerei. Bei einer Anlagesumme von rund 250 000 Franken genügen 15 Positionen, um ein Portfolio solide auf eine Zielrendite zu trimmen, wie Mojmir Hlinka von der Zürcher Vermögensverwaltung AGFIF sagt. Die Vorteile, die sich Anleger so verschaffen, sind ­Unabhängigkeit, tiefe Kosten und eine Chance auf höhere Renditen.

Fondsmanager, Produkteanbieter oder Berater kosten jährlich Rendite. Dagegen kann ein Anleger, der seine Transaktionen in Eigenregie über einen Online-Broker tätigt, seine Kosten sehr überschaubar halten. Dass der zeitliche Aufwand beim Investieren in Einzelanlagen gegenüber ETFs oder Fonds höher ausfällt, ist relativ: Noch 1987 behielten Anleger ihre Aktien im Schnitt zwei Jahre, bevor sie diese verkauften. Erst in den letzten 20 Jahren schrumpfte die Haltedauer auf wenige Monate, was in erster Linie den Banken und Brokern höhere Transaktionseinnahmen bescherte.

Ob ein Anleger mit seinem selbst gebauten Portfolio eine Zielrendite von zwei, fünf oder sieben Prozent anstreben will, ist zunächst eine Frage seiner Risikotoleranz. Anleger müssen sich immer bewusst sein: Eine höhere Rendite ist ohne höhere Risiken nicht zu haben. Wer langfristig sieben Prozent erreichen will, muss der Typ sein, den höhere Marktschwankungen, Rückschläge und Buchverluste nicht aus der Ruhe bringen. Wer hingegen den Aktienmärkten mit höherem Misstrauen begegnet, zudem auf Kursgewinne verzichten und sich auf Coupon- und Dividendenzahlungen ­beschränken kann, zielt besser auf zwei Prozent Rendite. Anleger mit etwas höherer Risikotoleranz können den Mittelweg wählen und ein Portfolio mit fünf Prozent Zielrendite aufbauen.

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Der Weg zu Renditen bei begrenztem Risiko führt über die Allokation. Die Faustregel lautet, dass zum riskanteren Aktienanteil im Portfolio ein stabilerer Anteil an Anleihen gehört. Für ein Renditeziel von sieben Prozent müssen etwa 80 Prozent der Anlagesumme in Aktien ­investiert werden und 20 Prozent in Obligationen. Für fünf Prozent Rendite wird zu gleichen Teilen investiert, für zwei Prozent liegt das Verhältnis bei 20 zu 80. Diese Aufteilung ist für alle Anleger richtig, die denken, die Aktienkurse seien schon wieder zu stark gestiegen.